Bemerkenswert

Bedarfe

Nächster Halt: Glück auf
Nächster Halt: Glück auf
das hörst du zwei Mal
kurz vor Nordhausen
Bedarfshalt, und du weißt

es wird so ein Tag
hell ist der
und macht den Herbst beliebt

und du fährst zur Brennerei
das Wort Verkostung im Kopf
Glück auf, der erste Korn
Glück auf, der zweite Korn
Bedarfshalt Gedicht

Nordhausen in der Kehle
und du schreibst wieder
nur vom Schnaps

Lass es

uns doch noch versuchen
neue Staffel, Reboot
abgebrochene Zähne und
offene Nerven

ich glaube das macht empfindsam
wir leiden zusammen bei Suppe und Brot
da heulen wir uns an
bei der Wurzel gepackt
hat noch ein Jeder gezuckt
wird schlagen den Tisch mit den Schädeln entzwei
und machen den Zahnarzt zum Scheidungshelfer

nur das Küssen hin und wieder
lenkt ab vom rohen Schmerz
mit dem Zungenbein
den Schritt nach vorn
den Schritt zu uns

und dieser verschissene Schmerz
wenn man voneinander geht
die eigene Zunge allein im Mund

Auf nach Kingania! – Terézia Moras Roman „Alle Tage“, Kurzkritik

Nach einigen eher generischen Titeln brauchte meine Lektüre wieder etwas Schwung. Den habe ich bei Terézia Mora (*1971) gefunden. Das Buch „Alle Tage“ (2004 erschienen) lag bei mir einige Zeit auf dem Stapel „zu lesen“. Möglicherweise war ich etwas durch den Kommentar von Elke Heidenreich auf dem Cover (btb-Ausgabe) abgeschreckt: »Es ist eine Kostbarkeit dieses Buch, es ist ganz etwas Besonderes!«. Gut, Frau Heidenreich hatte schon irgendwie recht. Die Protagonisten des Romans sind durch die Bank weg schräge Figuren mit einem gewissen Hang zum Anarchismus.

Worum geht es eigentlich? Abel Nema, in einer ungenannten Stadt gestrandet, beherrscht zehn Sprachen und verdient sich damit seinen Lebensunterhalt eher schlecht als Recht. Doch unser Sprachengenie hat ein Problem ausgerechnet mit der Sprache. Zwar kann er reden und tut es auch, wenn es die Situation erfordert, aber die meiste Zeit schweigt er. Mal als Beobachter in seinem „Stammlokal“, der »Klapsmühle« – über die noch zu reden sein wird; mal als Ehegatte einer Frau mit einem Faible für besondere Männerfiguren. Nur mit seinem Stiefsohn Omar kann Abel ungehemmt Gespräche führen. So schleppt unser Protagonist immer eine Aura des Unberührbaren mit sich herum. Trotz einer Ehe und ein paar Kontakten bleibt er immer fremd in der Stadt.

Sein überschaubares soziales Umfeld schwankt zwischen einem akademischen Kreis und eher „abseitigen“ Figuren. Da ist Thanos, der Wirt der Klapsmühle, der für Abel so etwas wie ein Ratgeber und vielleicht auch eine Vaterfigur darstellt. In der Klapsmühle verbringt Abel einen großen Teil seiner Freizeit. Hier schweben halbnackte Engel an der Decke und nicht selten verlassen die Gäste das Lokal erst, wenn am Montag nach dem Wochenende der Kehraus gemacht wird. Da ist auf der anderen Seite Kinga, die Kämpferin. Bei ihr strandet Abel auf der Suche nach einer neuen Bleibe, nachdem er die Universität verlassen hat. Für sie ist er »das Kind«. Er lässt sich treiben als Teil von »Kingania«, einem „Salon“ für Trinker, unterhalten durch die Kämpferin und drei Musiker. Vor allem in Kinga, einer Suchenden, einer Ungezügelten, bringt er Roman so viel Lebenslust und Lebensfrust in einer einzigen Figur zusammen, dass sich dem Leser die Frage aufdrängt, was ein einzelner Mensch ertragen kann.

Bevor Terézia Mora in der (noch unvollständigen) Trilogie um den IT Spezialisten Darius Kopp die Abgründe der Psyche ins Visier nimmt, leuchtet „Alle Tage“ den Bereich der Gesellschaft aus, für den sich die Autorin interessiert. Mit einer Abfolge schneller Schnitte und ständigen Wechseln der Erzählperspektive legt der Roman ein sehr dynamisches Erzähltempo vor. Unterstützt durch einen parataktischen Satzbau und die sehr klare, direkte Sprache findet der Leser einen schnellen Zugang zu den Figuren. Durch die intelligente, wie lebensnahe Dialoggestaltung wird das Umfeld unseres Protagonisten mit seinen Problemen nicht nur nachfühlbar, sondern präsentiert sich darüber hinaus als Panorama der gesellschaftlichen Gegenwart. Der Fremde auf der Suche nach Anschluss wird zum zentralen Thema.

„Alle Tage“ überzeugt durch ein gut gezeichnetes Personal mit Ecken und Kanten und eine überaus dichte Atmosphäre. Der Roman will mehr als nur die Probleme seiner Hauptfigur nacherzählen und schafft das auch indem er Fremdheit zulässt und Abel Nema trotz seiner Besonderheiten nie vorführt, sondern ihm Raum gibt sich in der Gesellschaft zu bewähren oder eben zu scheitern.

dav

Halbtrocken.

Dieser Kuss roch lange nach
wir saßen noch beim Restefrühstück
und irgendwer brachte Sekt
prickelnd wie dänisches Eis
hast du gelallt
und wir fielen zurück
in das, was Nacht war
und einer flacher Hauch Verwesung

unterwegs…

Was Neues zu sehen
Wurdest du enttäuscht
Überall die gleichen Gruppen
Fabrik und Kirche und Lidl
Angestrahlt verschiedenfarbig
Das machte wenig her
Bis du das Kalb sahst
Unter der Kuh
Dieses Kalb das trank
Dieses Kalb so echt
War ein Busch
Immerhin

18.2. – Erfurt – watch us grow. IGN, Heft, Hant, Literaturfestival Erfurt+Mosaik zu Besuch bei Frau Korte

Thuringias Finest und Mosaik/Salzburg come to get you.

In guter Nachbarschaft - Die unabhängige Lesereihe in Thüringen

Watch us grow. Literatur + Musik + freie Szene.

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Samstag, 18. Februar 2017 

Frau Korte (Nordbahnhof, Magdeburger Allee 179, 99086 Erfurt)

Einlass: 19 Uhr
Beginn: 20 Uhr

Eintritt: 3,- €

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Als gemeinsamer Auftakt für ein neues Jahr der Zusammenarbeit und Freundschaft treten WIR – In guter Nachbarschaft, Literaturfestival Erfurt, hEFt, HANT – Magazin für Fotografie – offen in Dialog miteinander und lassen, in gewohnter Manier, Literatur für uns sprechen, der Syntax ihr Spiel und dem Abend seinen Lauf.

Vier unabhängige Thüringer Initiativen für Literatur, Photographie, Kunst und Alltag treten geschlossen und vor allem entschieden auf und trotzen bei Frau Korte im Nordbahnhof dem Wetter. Was das heißt? Ganz einfach: Vier Schriftsteller*innen treffen aufeinander, geben & nehmen sich das Wort und machen dadurch vor allem deutlich, dass Literatur und Erfurt sich keineswegs ausschließen.

Mit dabei sind: Kinga Tóth, Franziska Wilhelm, Franziska Ostermann und Michael Donth liest Arno…

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Mal schaun – Schaudort bei Freier Schriftsteller und Drama :O

Manchmal kann auch Facebook inspirierend sein. In meinem Profil findet sich eine interessante Berufsbezeichnung: »Schaudort bei Freier Schriftsteller«. Das war sicher irgendein Bedienungsfehler meinerseits, aber da weder „Freier Schriftsteller“, noch Autor (Sehr viele Menschen heißen im blau-weiß gefärbten Netzwerk sogar auf diese Zuschreibung.) so wirklich passen, finde ich die Position eines Schaudorts sehr ansprechend.

Dazu heute ein Interview mit dem Interviewpartner Rhetorischer Frager.

RF: Was macht so einer eigentlich?
SD: Zuerst einmal natürlich: Sich äußern.
RF:Wie macht er das?
SD: Da er bei Freier Schriftsteller arbeitet muss der Schaudort irgendetwas mit Texproduktion zu tun haben. Er schreibt also.
RF:Wie genau tut er das?
SD: Das ist der interessantere Aspekt. Das Format ist ihm nicht so wichtig. Es setzt sich an diverse Genres. Was er aber nicht kann, sind längere Texte. Da unterscheidet sich unser Schaudort schon einmal von einem Autoren. Ihm fehlt der Atem für umfangreiche Produkte. Viel wichtiger ist aber die Frage wie der implizite Imperativ in der Bezeichnung Schaudort einzulösen ist. (Oh nein, während der Erklärung entschlief der Rhetorische Frager.) […]…also deutet er quasi auf Dinge, die ihn interessieren und von denen er überzeugt ist, sie könnten auch für andere einflussreich sein. Er zeigt auf Dinge und sagt: ‚Schau mal dort.‘.

– Pause: Der rhetorische Frager wird durch eine lokal ansässiges Bestattungsinstitut abtransportiert. –

Die neue Interviewerin wird eingeblendet. Weiter geht es mit Anne Wollte.

AW: Herr Dort, sie erwähnten die Subjektivität Ihrer Eindrücke. Können Sie uns, also den Zulesern und mir, erklären worauf Ihre Erwartung basiert, dass sich Leute für Ihre Texte interessieren könnten?
SD: Nein.

Der Sender bricht das Interview hier ab. In Molsdorf ist ein Igel von der Fahrbahn abgekommen.

Mechanik und Plan. Versagt.

Ich glaube die Mechanik hat versagt. Natürlich hat sie versagt. Musste so kommen. Ich hatte es geplant. Lange geplant. Aber kurz vorher. Ziemlich kurz vorher wurde mir anders. Aber der Plan wurde nicht anders. Die Mechanik musste versagen. Jetzt hängt das so unnatürlich. Könnte sagen, am Faden. An Fasern. Irgendwas Natürlichem noch. So Gewebe. Einem Gewebe, das widerstand. Der Mechanik. Es wurde alles schiefgedrückt. Das war ein guter Anfang. Aber dann hielt es an. Da ging es nicht weiter. Dieses Gewebe, es widerstand. Und so habe ich es angerichtet. Das ist wirklich kein tolles Bild. Der Plan war gut. Aber mir wurde anders. Anders als geplant. Da war irgendwas mit der Mechanik, das falsch war. Irgendwas. Und jetzt dieses schräge, krumme Gehänge. Das will doch keiner sehen. Wegen ein paar Fasern Gewebe. Aber die haben widerstanden, weil mir anders wurde. Die Mechanik ist gut. Die hätte doch funktionieren müssen. Nach meinem Plan. Ich wurde vorher anders und konnte nicht genug geben. Alles schon so schön krumm und kurz bevor es platzt, versagt meine Mechanik. Der schöne Plan. Für die Katz. Natürlich jetzt schon Fasern auf der Straße und kleine Teile davon. Auch Gewebe schon auf dem Asphalt. Noch zusammen, es hängt so unnatürlich. Diese wenigen Fasern. Mein ganzer Plan. Ich wurde zu weich, zu anders. So konnte es nicht gehen. Und die Mechanik versagte und ich. Natürlich sah es nicht mehr aus. Aber was tun. Jetzt ist es so schräg, so gedrückt. Es läuft ja auch was raus. Das sollte es. Es gab nicht nach. Es widerstand. Und der Klumpen da, dieser Klumpen. Mit Fasern und Gewebe und Haaren. Nein, nicht schauen. Das ist nicht schön. Ich drückte nicht gut. Ich war anders als der Plan und die Mechanik. Ich taugte nicht dafür. Zum Drücken natürlich, das geht. Aber da wo es platzt und läuft. Wo es rausläuft und das Gewebe auseinandergeht. Da bleibe ich hängen. Da versagt mir die Mechanik, der gute Plan. Der Widerstand des Gewebes so natürlich. Ich plante so lang und wurde kurz anders. Da war es schon vorbei.

19.1. – Weimar – „vom wuchern“ – Lesung mit Tim Holland & Musik von Moritz Schneidewendt in der ACC Galerie

Weimar, Galerie ACC, 19.01.2017 20:00 Uhr
Tim Holland liest aus „vom wuchern“ | Moritz Schneidewendt spielt Neue Musik auf der Klarinette | Peter Neumann moderiert.

Auf, auf!

In guter Nachbarschaft - Die unabhängige Lesereihe in Thüringen

Das Nachbarschaftsjahr 2017 startet mit einer Lesung des Berliner Autors Tim Holland. Im Rahmen der Ausstellung ALLE ACHTUNG! – Zur Ökonomie der Aufmerksamkeit liest er aus seinem Debut vom wuchern, einer zweitseitigen Faltkarte, die den Rahmen und die Formen herkömmlicher Gedichtbände sprengt und neu definiert.

Donnerstag, 19. Januar 2017 – 20 Uhr

ACC Galerie Weimar (Burgplatz 1 + 2, 99423 Weimar)

Eintritt: 2,- €/ erm. 1,- €

tim_holland_c_fine_bieler Tim Holland (Foto: Fine Bieler)

„Es geht um Fukushima, Berichterstattung und (mediale) Katastrophen, um Liebe, da geht es dann auch um asymptotische Annäherung, wo man crashen wollen würde, es geht um Territorialverhalten und um Imitation, um Bespitzelung, Singen, es geht um den Wald, um Wiese, das Meer, nicht um den Strand, aber das Ufer und das Wasser“, schreibt der Berliner Lyriker Tim Holland über seinen 2016 erschienenen Debütband vom wuchern.

Musikalisch begleitet und erweitert wird der Abend vom vielfach ausgezeichneten…

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Dieser Dialekt

Dieser Dialekt

Seit Molsdorf versuche ich
deine Sprache zu verstehen
einen Dialekt zu nah an mir
um ihn zu ignorieren
dessen Wörter ich kenne
nicht schätze, nicht nutze

Macht es mich fremd
wenn ich diese Sprache nicht will?
Sie findet kein Konzept in meinem Kopf
Sie schlägt zu
und treibt einen Schmerz
einen Impuls in mein Gesicht

Die Worte ziehen die Fratze auf,
die Hässliche, die sagt:
„Ich verstehe dich nicht.
Ich weiß nicht, wovon du behauptest es zu wissen.“
Und es ist klar: Wir sagen uns nichts.

Und dieser Dialekt ist verstreut
er findet sich in meiner Familie
er findet sich bei Kollegen
er findet sich bei Nachbarn
er findet sich und gewinnt Wahlen
er findet sich, macht stumm
macht einsilbig
er findet sich, macht mir die Sprache krude
macht deine Sätze kurz
macht Dialoge steinig
macht A und B
macht auch dich zur Position
lässt dich Scheitern am Argument
macht die Weltsicht kurz

und
mach Du dir nichts vor
wenn du hörst; die Dialekte sterben aus

den hier kennt man seit Generationen
der lernt sich so leicht
der bleibt im Kopf
wo sonst nichts mehr ist
der macht Gemeinschaft
der lässt dich ruhig schlafen
weil du besser bist als andere
weil er Unterschiede sagt
die du nicht denken musst
und eigentlich, du König der Welt
eigentlich brauchst du gar nicht reden
ich verstehe auch so,
du bist nicht zu verstehen

Mal schaun…Vorsätze für 2017

Gute Vorsätze sind grüne Früchte,
die abfallen, ehe sie reif sind.

– Johann Nestroy

Ich tönte ja schon im Frühjahr 2016 wild herum. Der Blog wird schöner und vielfältiger. Was ist passiert? Ich hatte einiges ausprobiert, ein paar neue „Formate“ eingeführt und wieder aktiver gepostet. Das ist immerhin die Habenseite. Aber ich habe auch den Rahmen verloren und statt passender Kategorien und Verlinkungen gab es Chaos. Der Frühjahrsputz brachte zwar kosmetische Veränderungen und die Linkliste wurde gesäubert. Die Fehler blieben.

  •  Also Vorsatz Nummer 1 für 2017: Konsistente Verlinkungen und kohärente Struktur.

Vielen Ideen sind in den Blog geflossen und nach einem Beitrag wieder eingegangen. Die „Formate“ dazu bekamen eigene Menüpunkte und sind nach der ersten fixen Idee nicht mehr weiter gefüllt worden. Ergebnis: Noch mehr durcheinander. Das habe ich zwar schon ausgebügelt, aber:

  • Vorsatz Nummer 2 für 2017: Neue Ideen erst dann bringen, wenn sie mehr sind Eintagsfliegen.

2016 war ein gutes Lesejahr. Ich habe viele Autoren entdeckt oder wieder entdeckt. Weniger schön war meine eigene „Produktionsleistung“. Diese fiel eher schmal aus und war dazu von sehr disparater Qualität.

  • Vorsatz Nummer 3 für 2017: Schreiben. Schreiben. Schreiben.

Damit verbunden und noch wichtiger für ein ansprechendes Ergebnis:

  • Vorsatz Nummer 4 für 2017: Das Geschriebene fertig bearbeiten.

Es liegen Myriaden von Textleichen in Sudelheften und manche haben sicher Potential.

Ein kleines Update zur Seite: Ich habe die Linkliste aus der Sidebar genommen. Links werde ich unter einem eigenen Menüpunkt einfügen. Das wird Stück für Stück passieren. Die anderen Standardseiten werde ich auch aktualisieren und wenn es soweit ist mit neuem Content bestücken.

Jetzt wünsche ich auch ein gutes Jahr 2017.