Geschlossen

Suchten nach der farblosesten Stadt

Für ein Gedicht sollte es sein

Eilten an Plattenbauten entlang

Versuchten es bei Autowerken

Irgendwie blieb alles zu bunt

Und so trennten wir uns

Du wolltest nach Dächern sehen

Ich nach Fassaden und Putz

Und immer noch alles zu kräftig

Ich formte also ein Schild in den Text

Weitere Verse sind frisch gestrichen.

FRAGE FÜR EINEN FREUND #4 – mit Lukas Rietzschel und Mario Osterland — Novastation

FRAGE FÜR EINEN FREUND kehrt zurück. Am 24.6. um 19 Uhr begrüßt Moderator Mario Osterland den Schriftsteller Lukas Rietzschel im Werkstattgespräch. Sie sprechen über seinen Weg zur Literatur, den Debütroman „Mit der Faust in die Welt schlagen“ (Ullstein) und geben einen Ausblick auf den im Herbst erscheinenden Nachfolger „Raumfahrer“ (dtv). Außerdem wird der Bogen zu […]

FRAGE FÜR EINEN FREUND #4 – mit Lukas Rietzschel — Novastation

Meldet euch unter fragefuereinenfreund@gmx.de für das Zoommeeting an. „Frage für einen Freund“ ist kein steifes Interview, sondern ein Treffen von Literaturinteressierten mit Autoren. Mario Osterland führt als Moderator und Stichwortgeber durch den Abend, aber jeder darf und soll sich einbringen ins das Gespräch mit dem Gast.

Ich muss zugeben bisher noch kein Buch von Lukas Rietzschel gelesen zu haben und nutze die Gelegenheit um seine Literatur kennenzulernen. Eine kurze Rezension zu seinem Debut „Mit der Faust in die Welt schlagen“ folgt am kommenden Wochenende (19./20. Juni).

Ein Tausch

dein Mund machte nichts
und der Tag kam heran
schlich sich von allen Seiten
an unsere Leiber
kroch durch die Ritzen
machte es sich unter der Decke bequem
und da wurde es dir zu eng
du eiltest davon
und ich genoss etwas Wärme

Pix – Streetart in Erfurt – Die Brücke, Frau Korte

Seit 2018 gibt es in der Stadt zwei offizielle Flächenangebote für Streetart. Die Sporthalle in der Halleschen Straße und am Ende der Magdeburger Alle. Die Trambrücke und eine daneben befindliche Wandfläche sind von allen Seiten mit Graffiti geschmückt. Hier direkt am Nordbahnhof mit dem Kulturclub „Frau Korte“ habe ich mal die Kamera in alle Richtungen gehalten.

Schaut auf der Homepage von Frau Korte vorbei. Hier findet ihr einen Chanson von Barbara aus dem Jahr 1964 zur Deutsch-Französischen Freundschaft – einer Tatsache, die wir heute so oft einfach als gegeben hinnehmen – oft ohne zu hinterfragen.

Der Text des Liedes, in Französisch und Deutscher Übersetzung hinterlegt, regt zum nachdenken an:

„… Wenn ihnen mal die Worte fehlen,
dann wird’s mit einem Lächeln gehen.
So können wir sie doch verstehen,
die blonden Kinder in Göttingen …

Übrigens – >hier< geht es zum digitalen Platten-Diggen im Woodstockstore.

Hyänen

Eugen pustet die Erfurter über den Anger. Hier fliegt ein Regenschirm, dort eine Maske. Und ganz hinten hitzige Worte.

Zwei Radfahrer wurden von der Polizei gestoppt. Um den Gleichstand bei den Fahrzeugen zu sichern, kümmern sich zwei Streifenwagen um die Angelegenheit. Die Beamten lassen sich von den lautstarken Protesten der Radler nicht aus der Ruhe bringen: „…muss man jetzt ehrlich mal sagen, dahier. So einen kleinen Radfahrer den könnt ihr anhalten, aber so Klimacamp räumt keiner weg. Jedes Mal wenn ich hier fahre, haltet ihr mich an. Jedes Mal!“ Jetzt werden die Personalien geprüft.

Etwas mehr gelernt hat ein kleines Mädchen an der Tramhaltestelle: „Papa hat mir gesagt die Hyänen, das sind die Tiere mit dem härtesten Biss im Land. Da machen alle Tiere einen großen Bogen herum. Nur ein Tier nicht: Der Gepard. Der ist nämlich der Schnellste. Der geht zu den Hyänen hin, guckt die an und wenn die kommen, düst er wie der Blitz davon!“

Wenn das die Radler mal früher gehört hätten.

Abgeschaut – Georg Trakl „Nachtlied“

Des Unbewegten Odem. Ein Tiergesicht

Erstarrt vor Bläue, ihrer Heiligkeit.

Gewaltig ist das Schweigen im Stein;

Die Maske eines nächtlichen Vogels. Sanfter Dreiklang

Verklingt in einem. Elai! dein Antlitz

Beugt sich sprachlos über bläuliche Wasser.

O! ihr stillen Spiegel der Wahrheit.

An des Einsamen elfenbeinerner Schläfe

Erscheint der Abglanz gefallener Engel.


| Georg Trakl: Das dichterische Werk. München 1972, S. 40.

| Digital auf Zeno.org: http://www.zeno.org/nid/2000580180X

Ausgerechnet 2020. Für C.

Ach du.
Welches Jahr hast du dir gewählt?
Ausgerechnet 2020. Das Jahr mit den Zwillingszahlen.
Das Jahr mit der Scheiße, die nach 19 benannt ist.
Weißt du, das war noch das Jahr mit deinem Dad und den Jungs in München.
Ich blöder Vogel wollte gar nicht. Und dann irgendwie Ärger im Hotel.
Alles vergessen. Olympiahalle. Bis an die Decke voll mit Leuten.
Die Vorband zwei Mädels mit Afro. Stimmung, die Luft stand.
Gin Tonic vom Bauchladen. Hier her, Garcon. Einen Shot für die Jungs.
Hier her! Und jetzt 2020. Immerhin Sommer. Aber 2020 und du machst dich auf den Weg.
Wunder oder was man sagen soll. Der Kopf wieder in Munich.
BAM BAM. Alles leuchtet. Pierre und Frank oder Peter and Dellé – wie man sie auch nennen will.
Stimme an. Beat an. Saxx an. Hände, Hüfte, Schwingung. Feiern, Garcon. Shot und so weiter.
Lachen, schwitzen. „Wonderful life“ mit dicker Baseline. „The sun in your eye
The heat is in your hair“ und das Mitzucken. Glaube mir, ich kann nicht tanzen.
Ich kann zucken, komische Moves machen vielleicht.
Bekleidet mit einem Mantel mich bewegen wie bei einem Anfall.
Aber hier zwischen den Leuten, weisst du – da gehört das dazu.
Den Kopf aus, Entspannung fürs Hirn. Die Mucke rein. Die Mucke sein.
Einfach fliessen lassen. Und nochmal der Garcon und ein Shot.
Und du nimmst dir 2020. Gerade das Jahr ohne das Alles.
Das Jahr mit den Zwillingszahlen. Aber weisst du was?
Du hast es richtig gemacht. Jetzt hast du die Kacke dann schon hinter dir.
Dad wirft die dir Platten auf den Technics. Jazzy Beats für dich.
Gute Vibes für dich. Und nochmal Munich mit den Vibes und Ticket und wir alle im
„Universal Roller-Coaster-Flow“. Glaub mir, auch dein Dad tanzt dann wie ein fröhlicher Elch.
Hoffentlich darfst du das bald sehen.
Ach du. Dieses Jahr 2020. Weisst du – egal wie Kacke es war. Du bist jetzt da.
Und da hat es sich ja doch gelohnt.

Monday Night Stream #16, ACC Galerie

Liebe Leute,

kennt ihr das, wenn ihr einfach mal einen guten Abend habt mit einer Menge anderer Leute und dabei entsteht ein echt spannendes Projekt?

Die wunderbare Romina Nikolić lud in Zusammenarbeit mit der ACC Galerie/Weimar am 29.03.2021 zum Quick & Dirty Edition des Monday Night Streams 20 Autoren/Autorinnen. Jeder Beitragende hatte 3-4 Minuten Zeit für eine kleine/feine Lesung.

Schaut einfach mal rein:


Galla

Und schon wieder denkst du an Galla. Heinz Michael Galla, diesen großartigen Künstler, diesen am Ende seines Lebens redescheuen Mann. Dieser Name mal wieder im Kopf. Dann ist da auch gleich Aphroe. Und wieder die Frage ob von dem noch ein Album kommt. Aber Galla, der Galla – für dich RAG und KOPF-STEIN-PFLASTER. Dieses Album damals 98. RAG „Unter Tage“. Aphroe, Pahel, Mr. Wiz und Galla.

Jetzt hattest du auch Helden. Eine eigene Musikrichtung. Jetzt warst du einer von diesen harten Jungs. Oder besser einer von den Jungs, die so lange hart waren, so lange sie harten Jungs zuhören konnten. Das gab es auf deinem Dorfgymnasium nicht. Da hörte man die Ärzte, die Böhsen Onkelz oder Madonna, die mit Frozen ihren 5 Frühling hatte.

Klar – die Rapmusik gab es. Aber die war aus den Staaten oder witzig. Das Deutsche war dir alles zu bequem. HipHop durfte nicht witzig sein wie bei den Beginnern. Rap sollte über das echte Leben sprechen. Rap sollte hart sein. Das Leben auf der Straße, das wolltest du hören.

Und bei den Amis konntest du immer nur mitnuscheln. Und überhaupt die Amis. Da musste man echt aufpassen. Nur nicht den Falschen erzählen, dass man Black Eyed Peas oder Xzibit hört. Sofort war man ein Sellout – ohne das man wusste, was das ist. Und dann stand man da auf dem Schulhof, die Baggy in den Kniekehlen, die Cap schräg auf dem Schädel und übte sich in Handzeichen. Eastcoast, Westcoast. Erst diese Worte gewechselt, dann konspirative Blicke. Reagierte da Jemand? Schüttelte jemand den Kopf?

Und dann kam RAG. Ruhrpott AG. Der Ruhrpott als die Bronx Deutschlands. Bochum, Dortmund, Essen waren hart und dreckig. KOPF-STEIN-PFLASTER. Endlich konntest du mitrappen. Alle Texte im Kopf und alle Hooklines auf der Zunge. An der Kasse im Norma dein Solo.

Endlich Vorbilder aus Deutschland, die es mit den Amis aufnehmen konnten. Helden für dich. Aphroe, Pahel, Mr. Wiz und Galla. Heinz Michael Galla, diesen großartigen Künstler, diesem am Ende seines Lebens so redescheuen Mann.

Die Einsamkeit des Reiseleiters

In einem Bus sitzen die 41 Gesichter abgezählt

Würzburg mit Wein und Brücke

und du erzählst wie immer

im Halbschlaf die Zahlen und Namen

und wie immer einer in Reihe 8

der kann es dir besser erklären

er weiß es vom WDR

die Landpartie mit Landpomeranze

Reihe 8 dreht und wendet den Kopf

aber keine Aufmerksamkeit

dafür die rote Sonne von Barbados

und Würzburg im Regen

also wieder kein Trinkgeld heute

dafür drückt die Blase in Reihe 3

nach vier Minuten Autobahn

jetzt noch schnell den Schenkelklopfer

und die Damen stoßen mit Sekt an

schrilles Kichern über das Späßchen

dann ist endlich Ruhe

nur bei den Flippers

scheint immer noch diese Scheißsonne