Fundstücke – Ein Penny in Tschechien wird bewertet

Bei der Suche nach einem netten Lokal für einen Wochenendausflug in das böhmische Bäderdreieck bin ich über interessante Bewertungen gestolpert. Nach den ersten Lachern meinerseits, weitete ich die Suche aus und möchte ein Paar Highlights präsentieren.

Diese besonderen Übersetzungen aus dem Tschechischen verdanken wir den kreativen Google Translator.

„so gibt es ein Kampf- und Zerstörungsderby mit Körben: D.“ 

  • Familienmannschaft von Arbeitern, die an ihrem Platz sind !! Ich empfehle, in den Tagen der Rabatte und Veranstaltungen zu besuchen! Ich habe heute 7 Mais und 40 Heller gerettet !!
  • Das schlechteste Geschäft, das ich kenne. Es gibt ein Durcheinander von Anarchie. Terror und Angst.
  • Lass uns den Pyva essen und die Pollenfeste essen, dann haben sie es gemacht, Gurke und Stock, sie waren total übel !!!!
  • Lebensmittelladen für alle Ihre Bedürfnisse. Es gibt auch viel Bier, was schön ist.  
  • Sehr wenig Platz zum Einkaufen, wenn mehr Leute da sind, so gibt es ein Kampf- und Zerstörungsderby mit Körben: D.  
  • Viele Leute und nur zwei Kassierer gingen hin.  
  • Ich habe dort ein Getränk gekauft, also habe ich es satt, 10/10 zu dehydrieren.  
  • Penny Market ist überall gleich, sie haben nichts damit zu tun. Und direkt neben dem Walk of Agrofert, wo sie böse und teure Sandwiches haben.

Doch auch Luft ist unersättlich – Südamerikanische Lyrik

Bandeira, Manuel (1886-1968) – Selbstbildnis

(Curt Meyer-Clason)

Provinzler der nie verstand
Eine Krawatte auszuwählen;
Pernambukaner den das Messer
Des Pernambukaners abstößt;
Schlechter Poet der in der Kunst der Poesie
In der Kindheit der Kunst alterte;
Und sogar Chroniken schreibend
Provinzchronist wurde;
Gescheiterter Architekt, gescheiterter
Musiker (eines Tages verschluckte er
Ein Klavier, nur die Tastatur
Blieb außen); ohne Familie,
Religion oder Philosophie;
Kaum im Besitz der Unruhe des Geistes
Die vom Übernatürlichen kommt,
Und in Sachen des Berufs
Ein professioneller Schwindsüchtiger.

 

Vallejo, César (1892-1938) – Himmel und Staub

(Hans Magnus Enzensberger)

Wer hat keinen blauen Anzug im Schrank?
Wer nimmt kein Frühstück und keine Trambahn,
die ewige Zigarette im Mund, in der Brieftasche seinen Gram?
Ich, der geboren ist und sonst nichts!
Ich, der geboren ist und sonst nichts!

Wer schreibt nicht dann und wann einen Brief?
Wer hat keine dringende Sache im Kopf
Und stirbt nicht aus Gewohnheit, weinen nach dem Gehör?
Ich, der einzig und allein geboren ist!
Ich, der einzig und allein geboren ist!

Wer heißt nicht Carlos oder sonstwie Sonstwie?
Wer nennt die Katze anders als Katze Katze?
Ach, ich! der geboren ist einzig und allein und sonst nichts!
Ach, ich! der geboren ist einzig und allein und sonst nichts!

 

Lima, Jorge de (1895-1953) – Alte schwarze Dienerin

(Curt Meyer-Clason)

Es gibt noch vieles zu verdrängen,
Celidônia, schönes Ioruba-Mädchen,
das meine Hängematte wiegte,
das mich in die Schule begleitete,
das mir Tiergeschichten erzählte,
als ich klein war,
noch sehr klein.

Vieles gibt es noch zu verdrängen:
Deine schwarzen Hände, die über mich dahinstreichen,
deine violetten Lippen, die über mich dahinwellten,
als ich klein war,
noch sehr klein.

Vieles gibt es noch zu verdrängen,
schönes schwarzes Dienstmädchen,
verirrtes Fleisch,
erschöpfte Nacht,
dunkelbraune Rose,
erste Zauberin.

 

Rojas, Gonzalo (1916-2011) – Von unten

(Anna Jonas)

Dann hängten sie uns an den Füßen auf, sogen uns
das Blut durch die Augen,
mit einem Messer
ritzten sie uns in die Schenkel, ich bin Nummer
25.033,
baten uns
sanft,
ganz nah am Ohr,
rufen sollt ihr
es lebe ich weiß nicht wer.
Der Rest
sind diese Seine, die uns zudecken, der Wind.

 

Juarroz, Roberto (1925-1995) – Kommt ein Tag

(Anna Jonas)

Kommt ein Tag,
an dem die Hand die Grenzen einer Seite erspürt
und fühlt, daß die Schatten der Buchstaben, die sie schreibt,
vom Papier hüpfen.

Hinter die Schatten,
geht sie daraufhin, schreibt auf die dieser Welt zugeteilten Körper,
auf ausgestreckte Arme,
auf leere Gläser
auf die Reste von irgendwas.

Doch dann kommt ein anderer Tag,
an dem die Hand fühlt, daß jeder Körper
insgeheim, viel zu früh
die dunkle Nahrung der Zeichen verschlingt.
Für sie ist der Zeitpunkt gekommen,
auf Luft zu schreiben,
sich in diese Geste beinahe zu fügen.
Doch auch Luft ist unersättlich,
und ihre Grenzen sind abschüssig und eng.

Dann vollzieht die Hand ihre letzte Wandung:
ganz bescheiden beginnt sie
über sich selbst zu schreiben.

 


Alle Texte aus:

| Oviedo, José Miguel (Hg.): Lateinamerika, Gedichte und Erzählungen 1930-1980. Suhrkamp 1982².

  • Übersetzer der Texte in (Klammern)

Pix – Zughafen Erfurt – Remember love, remember me

Ein Spaziergang im Lockdown führte mich in den Erfurter Zughafen.
Was 2002 mit Clueso, Norman Sinn und Andie Welskop als Musikstudio begann, ist heute nicht nur lebendiger Bestandteil des Erfurter Nachtlebens. Wie überall ist auch hier alles zum Stillstand gezwungen. Dabei sollte gerade groß Geburtstag gefeiert werden.

Ich habe den Zughafen bei Kreativmärkten, Street-Food-Festivals, vor allem aber auf Parties und Konzerten im Kalif Storch kennen und lieben gelernt.
Wie viele Pfeffis, Wodka-Mangos und Taigas ich an der Bar getrunken habe, bekomme ich nicht mehr zusammen. Aber es waren viele Abende mit guter Musik, guter Stimmung und einfach guten Leuten. Hier auch ein kleiner Shoutout an die Jungs vom Retronom, die uns hier mit dem „Back in the Days“-Festival eine echt gute Zeit beschert haben – allen finanziellen Hürden zum Trotz.
Dazu das leckere Käffchen in der Sonne vom bezaubernden Team der Kleinen Rampe, das lecker Bier von den Jungs von Heimathafen oder einfach eine gute Zeit in der Eventlocation Halle 6. Der Zughafen bietet immer wieder neuen Ideen Raum. Ganz frisch hinzu gesellen wird sich nach dem Lockdown Erfurts erste Whisky-Destillerie Nicolai und Sohn. Auch hier – geplante Eröffnung war der April 2020 – kam Corona zur Unzeit. Umso gespannter bin ich auf das Ergebnis, wenn es endlich losgehen kann.

Wenn ihr das Team vom Kalif Storch unterstützen wollt, dann könnt ihr das hier tun:
| https://www.startnext.com/rettet-den-kalif-storch



Der Zughafen stellt sich vor:
| https://www.zughafen.de/

Das Kalif findet ihr hier:
| https://kalifstorch.com/

Zum Retronom geht es hier:
| https://www.retronom.net/

Auf zu Nicolai& Sohn:
| https://nicolaiundsohn.de/

Frage für einen Freund #1 mit Jaroslav Rudiš | 20-02-2020 Kunsthaus Erfurt 19:30 Uhr

Unser (ehemaliger) Nachbar Mario Osterland startet in diesem Jahr ein neues liteararisches Veranstaltungsformat in Kooperation mit dem Kunsthaus Erfurt. Bei Frage für einen Freund steht nicht die Autor*innenlesung im Mittelpunkt, sondern das Werkstattgespräch an dem sich das Publikum gleichberechtig mit dem Moderator und dem jeweils eingeladenen Gast beteiligen kann. Weitere Infos gibt es hier.

über Frage für einen Freund #1 — In guter Nachbarschaft – Die unabhängige Lesereihe in Thüringen

O Wind, der um den Fuji weht – Japanische Lyrik

Heute möchte ich eine kleine Auswahl japanischer Lyrik präsentieren.

Viele Gedichte klingen wahr.
Aber die tiefste Wahrheit lebt in denen,
die einfach sind wie Kinderworte.

Mutsuhito

O Wind, der um den Fuji weht,
könnt ich doch einen Hauch von dir
in meinem Fächer mit nach Hause nehmen!

Matsuo Basho

Wenn du singen könntest, Schmetterling,
hätten sie dich längst
in einen Käfig getan.

Matsuo Basho

Die Wolken sehen aus wie Wogen
und die Wogen wie Wolken.
Ich muß einen Fischer suchen,
daß er mir sagt,
wo das Meer ist.

Ki No Tsurayuki

Vorgestern wälzte sich der Fluß
noch dröhnend vorüber.
Doch gestern zog er schon gedämpfter dahin.
Und heute ist er fast versiegt.
Wie kurz ist und wie sinnlos doch das Leben!

Unbekannter Dichter

Die Gedanken der Menschen
in meinem Heimatdorf
sind mir nicht mehr vertraut.
Aber die Blumen duften noch wie damals,
als ich ein Kind war.

Ki No Tsurayuki

Wenn man den Dieb, den man zur Nacht
gefangen hat, bei Licht besieht,
dann ist es der eigene Sohn.

Yamasaki Sokan

| Alle Texte sind dem folgenden Band entnommen: Hausmann, Manfred: Liebe, Tod und Vollmondnächte, Japanische Gedichte. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1951.

17. Mai 19:30 – Weimar, Galerie ACC – IN GUTER NACHBARSCHAFT #21

Mario Osterland und Gorch Maltzen haben für euch einen spannenden Abend aus neuer Literatur und Performance zusammengestellt. Also: Galerie stürmen. 😀

Am 17. Mai kehren wir mit unserer Lesereihe zurück nach Weimar, bringen junge Autorinnen zusammen und lassen ihre Texte von innovativen Vocalperformances musikalisch begleiten. Die Leipziger Autorin Deniz Ohde liest aus neuen Texten. In ihrem Werk seziert sie präzise strukturelle Ungleichheiten und biografische Brüche in einer sensiblen wie eindringlichen Sprache, die eine neue starke Stimme […]

über 17. Mai – Weimar – IN GUTER NACHBARSCHAFT #21 — In guter Nachbarschaft – Die unabhängige Lesereihe in Thüringen

 

Abgeschaut zum Jahreswechsel: Nikolaus Lenau (1802-1850)- »Bitte«

Weil auf mir, du dunkles Auge,
Übe deine ganze Macht,
Ernste, milde, träumerische,
Unergründlich süße Nacht!

Nimm mit deinem Zauberdunkel
Diese Welt von hinnen mir,
Dass du über meinem Leben
Einsam schwebest für und für.