Strickjacke

Da wächst dir wieder das Steppengras über die Augen
stehend auf den Zehenspitzen wartest du auf einen Einfall
Mongolen, Spinnen, Licht – alles wäre recht

sortierst deine Sammlung von Staubmäusen
und ein bisschen geht der Zeiger voran
zählst die Buchstaben der Werbeprospekte
und ein bisschen geht der Zeiger voran
streichelst dein Handtuch
und ein bisschen geht der Zeiger voran

durch ein Fenster bekommt das Steppengras Bewegung
es muss noch immer Luft geben irgendwo
und dort dann auch Mongolen, Spinnen, Licht
da weißt du
es bleibt dir nur die Strickjacke zu nehmen.

Single Milz Scotch

Weißt du noch?
In diesem Pub gegenüber der FH
Bei Farclas und Morangie und alle diesen Glens.
Sprachen wir von Gedichten und Versen
Wörtern die uns fertig machten
Fassstärke mindestens
du mochtest keine Wörter mit 3s
aber spielen, das war dein Ding
Morangie und Fiddich und den Dronach dazu
das Spiel mit dem Glas, die Jahre darin
12, 15, 18,
Ein Drink der reifte beim Altern
und wir die nur tranken beim Altern
Morangie und seine Freunde
was haben wir behalten
klar den Rausch und den Vers vom Rausch
und dann? Was noch?
Den einen Antrag und den anderen.
Die sorgen nicht und sorgen doch.
Der Glanz ist weg, die Glens sind weg,
und ich glaube wir hätten es geschafft,
diesen verdammten Absprung, bestimmt,
es fehlte der Bordstein und ein Grund.

Gehen

Lass dich mal Spazieren
vorüber an den Parkplätzen
rund um den Verbrauchermarkt
links neben den Krankenkassen, Spielotheken
immer voran zur Alten Mälzerei
den Feldweg von damals
weißt du noch, zum Gewerbe geht der jetzt
dahin wo keiner mehr hinkommt,
lass uns dich ziehen, vielleicht zur Badausstellung
bei den staubigen Fließen gibt es auch Tiere

da gehen wir hin
vielleicht finden wir den Waschbären
der kann uns mit der Flasche winken
die einer hinterließ für ihn
lass uns Wandern zur Nilgans
die sich Pyramiden baut
mit Norma-, Aldi-, Shalalatüten
das schauen wir an #nofilter

Abgeschaut zum Jahreswechsel: Nikolaus Lenau (1802-1850)- »Bitte«

Weil auf mir, du dunkles Auge,
Übe deine ganze Macht,
Ernste, milde, träumerische,
Unergründlich süße Nacht!

Nimm mit deinem Zauberdunkel
Diese Welt von hinnen mir,
Dass du über meinem Leben
Einsam schwebest für und für.

Katzenkind

So selbstverständlich in der Landschaft stehen
konntest nur du, Katzenkind

Unbeachtet mit uns
Unter der Hecke der Alten sitzen
Die wir als Minna kannten

Hier war unser Schlupfwinkel
Aus Kartons und Decken
Immer auf der Spur der Alten
Von der wir nur ahnten, woher sie kam

Wie unseren Handrücken kannten wir den Hof
Ihr wildes Grün am Rande des Dorfes
Geduckt um den Jägerzaun streifend
Und sie immer im Blick
Wie sie mit rundem Rücken am Hoftor verharrte
Bis sie uns erspähte

Nur dich Katzenkind fand sie nie
Du konntest unter dem Fenster streunen
Und sie schaute über dich weg
Während wir mit ihr in der Küche saßen
Und Keiner etwas sagte

Sie stellte dir den Kakao ins Fenster
Und die Tasse verschwand ins Nichts

Serviervorschlag

Da wird auf keine Stimme gehört
keine Volkszählung im Madenteppich
Er wird nicht angetreten in Reihen

Auf dem Marsch zum großen Fund
Reiben sich alle, rauschen sie hin
Der Boden kennt so viele Herbste
Wie die liegengebliebene Hand dort

Regen im Bier

Ist etwas Trauriges, sagt er
Tritt unter den Schirm
Und zählt den Sommer an

Wenn es soweit ist,
Das weiß er, wird er den Bembel heben
Der Sonne zur Ehre
Dem Wirt zur Bestellung