Ausbruch

Lass uns gemeinsam die Vögel spalten

Wie es die große Dickinson dichtet

Vielleicht können wir dann lachen

Über die kleinen Schriftrollen

Neben den Herzen eingerollt

Und die Texte des frühen Morgen

Wenn wir dann die Vögel verstehen

Uns die Dohle ihren Heavy Metal kjackt

Die Tauben uns warnen zum Klimaschutz

Und der Eichelhäher sich in Reggea Texten versucht

Wenn wir die Arme ausgebreitet im Gras

Singend mit den Vögeln fliegen

Und endlich mal etwas einen Sinn hat

Thüringer Literaturtage 2021 – Der gewohnte Ausnahmezustand vom 12.07.-17.07.2021

### WICHTIGER PROGRAMMHINWEIS ###

Aktuell laufen auf Youtube die Thüringer Literaturtage, das beste gewohnte Ausnahmeliteraturfestival aller Zeiten. Besonders empfehlen möchte ich alle Programmpunkte. Schaut einfach mal rein.

Ganz nebenbei ist das eine perfekte Gelegenheit einmal das Angebot der Literaturburg auf Youtube zu entdecken:

https://www.youtube.com/channel/UCVZ9DF9p6MMQQLye88bJp8A

Trailer:


PROGRAMM:

Weitere Infos zum Programm und den Hintergründen findet ihr hier:

https://thueringer-literaturtage.de/index

Geh nicht, komm her.

[…] Paulus Böhmer

I

Auf dem Weg zum Anger

Krämpferbrücke, Krämpfertor

Auf dem Weg kommen sie dir entgegen

Auf Rädern, zu Fuß

Vielen von ihnen in Eile

Und du so langsam

Das es dich fast mitzieht

So viele von Ihnen kommen dir entgegen

Wollen weg aus der Stadt

Nicht weg von dir

Aber aus der Stadt

Das es dich fast mitzieht

Um das Angerentree herum

und auch hier siehst du sie hasten

Auf Rädern, zu Fuß

Finden sie Wege

Am Besten am Ellenbogen entlang

Immer gerade durch

und dich zieht es fast mit

aber du hältst dich

noch immer ihnen entgegen

bis einer steht

II

und der da wartet auf dich

fällt auf, der ruht,

der fängt deine Blicke

so dass es dich mitzieht.

Geschlossen

Suchten nach der farblosesten Stadt

Für ein Gedicht sollte es sein

Eilten an Plattenbauten entlang

Versuchten es bei Autowerken

Irgendwie blieb alles zu bunt

Und so trennten wir uns

Du wolltest nach Dächern sehen

Ich nach Fassaden und Putz

Und immer noch alles zu kräftig

Ich formte also ein Schild in den Text

Weitere Verse sind frisch gestrichen.

FRAGE FÜR EINEN FREUND #4 – mit Lukas Rietzschel und Mario Osterland — Novastation

FRAGE FÜR EINEN FREUND kehrt zurück. Am 24.6. um 19 Uhr begrüßt Moderator Mario Osterland den Schriftsteller Lukas Rietzschel im Werkstattgespräch. Sie sprechen über seinen Weg zur Literatur, den Debütroman „Mit der Faust in die Welt schlagen“ (Ullstein) und geben einen Ausblick auf den im Herbst erscheinenden Nachfolger „Raumfahrer“ (dtv). Außerdem wird der Bogen zu […]

FRAGE FÜR EINEN FREUND #4 – mit Lukas Rietzschel — Novastation

Meldet euch unter fragefuereinenfreund@gmx.de für das Zoommeeting an. „Frage für einen Freund“ ist kein steifes Interview, sondern ein Treffen von Literaturinteressierten mit Autoren. Mario Osterland führt als Moderator und Stichwortgeber durch den Abend, aber jeder darf und soll sich einbringen ins das Gespräch mit dem Gast.

Ich muss zugeben bisher noch kein Buch von Lukas Rietzschel gelesen zu haben und nutze die Gelegenheit um seine Literatur kennenzulernen. Eine kurze Rezension zu seinem Debut „Mit der Faust in die Welt schlagen“ folgt am kommenden Wochenende (19./20. Juni).

Ein Tausch

dein Mund machte nichts
und der Tag kam heran
schlich sich von allen Seiten
an unsere Leiber
kroch durch die Ritzen
machte es sich unter der Decke bequem
und da wurde es dir zu eng
du eiltest davon
und ich genoss etwas Wärme

Pix – Streetart in Erfurt – Die Brücke, Frau Korte

Seit 2018 gibt es in der Stadt zwei offizielle Flächenangebote für Streetart. Die Sporthalle in der Halleschen Straße und am Ende der Magdeburger Alle. Die Trambrücke und eine daneben befindliche Wandfläche sind von allen Seiten mit Graffiti geschmückt. Hier direkt am Nordbahnhof mit dem Kulturclub „Frau Korte“ habe ich mal die Kamera in alle Richtungen gehalten.

Schaut auf der Homepage von Frau Korte vorbei. Hier findet ihr einen Chanson von Barbara aus dem Jahr 1964 zur Deutsch-Französischen Freundschaft – einer Tatsache, die wir heute so oft einfach als gegeben hinnehmen – oft ohne zu hinterfragen.

Der Text des Liedes, in Französisch und Deutscher Übersetzung hinterlegt, regt zum nachdenken an:

„… Wenn ihnen mal die Worte fehlen,
dann wird’s mit einem Lächeln gehen.
So können wir sie doch verstehen,
die blonden Kinder in Göttingen …

Übrigens – >hier< geht es zum digitalen Platten-Diggen im Woodstockstore.

Hyänen

Eugen pustet die Erfurter über den Anger. Hier fliegt ein Regenschirm, dort eine Maske. Und ganz hinten hitzige Worte.

Zwei Radfahrer wurden von der Polizei gestoppt. Um den Gleichstand bei den Fahrzeugen zu sichern, kümmern sich zwei Streifenwagen um die Angelegenheit. Die Beamten lassen sich von den lautstarken Protesten der Radler nicht aus der Ruhe bringen: „…muss man jetzt ehrlich mal sagen, dahier. So einen kleinen Radfahrer den könnt ihr anhalten, aber so Klimacamp räumt keiner weg. Jedes Mal wenn ich hier fahre, haltet ihr mich an. Jedes Mal!“ Jetzt werden die Personalien geprüft.

Etwas mehr gelernt hat ein kleines Mädchen an der Tramhaltestelle: „Papa hat mir gesagt die Hyänen, das sind die Tiere mit dem härtesten Biss im Land. Da machen alle Tiere einen großen Bogen herum. Nur ein Tier nicht: Der Gepard. Der ist nämlich der Schnellste. Der geht zu den Hyänen hin, guckt die an und wenn die kommen, düst er wie der Blitz davon!“

Wenn das die Radler mal früher gehört hätten.

Abgeschaut – Georg Trakl „Nachtlied“

Des Unbewegten Odem. Ein Tiergesicht

Erstarrt vor Bläue, ihrer Heiligkeit.

Gewaltig ist das Schweigen im Stein;

Die Maske eines nächtlichen Vogels. Sanfter Dreiklang

Verklingt in einem. Elai! dein Antlitz

Beugt sich sprachlos über bläuliche Wasser.

O! ihr stillen Spiegel der Wahrheit.

An des Einsamen elfenbeinerner Schläfe

Erscheint der Abglanz gefallener Engel.


| Georg Trakl: Das dichterische Werk. München 1972, S. 40.

| Digital auf Zeno.org: http://www.zeno.org/nid/2000580180X

Ausgerechnet 2020. Für C.

Ach du.
Welches Jahr hast du dir gewählt?
Ausgerechnet 2020. Das Jahr mit den Zwillingszahlen.
Das Jahr mit der Scheiße, die nach 19 benannt ist.
Weißt du, das war noch das Jahr mit deinem Dad und den Jungs in München.
Ich blöder Vogel wollte gar nicht. Und dann irgendwie Ärger im Hotel.
Alles vergessen. Olympiahalle. Bis an die Decke voll mit Leuten.
Die Vorband zwei Mädels mit Afro. Stimmung, die Luft stand.
Gin Tonic vom Bauchladen. Hier her, Garcon. Einen Shot für die Jungs.
Hier her! Und jetzt 2020. Immerhin Sommer. Aber 2020 und du machst dich auf den Weg.
Wunder oder was man sagen soll. Der Kopf wieder in Munich.
BAM BAM. Alles leuchtet. Pierre und Frank oder Peter and Dellé – wie man sie auch nennen will.
Stimme an. Beat an. Saxx an. Hände, Hüfte, Schwingung. Feiern, Garcon. Shot und so weiter.
Lachen, schwitzen. „Wonderful life“ mit dicker Baseline. „The sun in your eye
The heat is in your hair“ und das Mitzucken. Glaube mir, ich kann nicht tanzen.
Ich kann zucken, komische Moves machen vielleicht.
Bekleidet mit einem Mantel mich bewegen wie bei einem Anfall.
Aber hier zwischen den Leuten, weisst du – da gehört das dazu.
Den Kopf aus, Entspannung fürs Hirn. Die Mucke rein. Die Mucke sein.
Einfach fliessen lassen. Und nochmal der Garcon und ein Shot.
Und du nimmst dir 2020. Gerade das Jahr ohne das Alles.
Das Jahr mit den Zwillingszahlen. Aber weisst du was?
Du hast es richtig gemacht. Jetzt hast du die Kacke dann schon hinter dir.
Dad wirft die dir Platten auf den Technics. Jazzy Beats für dich.
Gute Vibes für dich. Und nochmal Munich mit den Vibes und Ticket und wir alle im
„Universal Roller-Coaster-Flow“. Glaub mir, auch dein Dad tanzt dann wie ein fröhlicher Elch.
Hoffentlich darfst du das bald sehen.
Ach du. Dieses Jahr 2020. Weisst du – egal wie Kacke es war. Du bist jetzt da.
Und da hat es sich ja doch gelohnt.