Abgeschaut: Rainer Maria Rilke (1875-1926) – »Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort«

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus.
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist der Beginn und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um

Altbau

da stand wieder deine Meinung
als Barrikade aus Zündhölzern
mir in den Weg gestellt

und jedes Wort Kartoffelstampf
mit gebreiteten Armen abgehoben
getragen von der rhetorischen Welle
und verbrennend Moralin
landest du auf den Füßen – wo sonst

beziehst deinen Altbau
mit deiner gewohnten Position
machst du ihn schick
Gardinen bewahren die Haltung
nur bisweilen hebt sie die Luft
dahinter knöchernd und spillerig du