Kaulquappen

Zählen
so hast du die Zahlen gelernt von eins bis zehn
am Weiler mit dem Strohhütchen
zehn Minuten Robinson
verloren ganz kurz im Schilf
hindurch zum Volk der Enten
Handel treiben vielleicht
außer Schnattern war da Nichts
dann mit der Sirene nach Hause
Montag zwölf Uhr zur Bohnensuppe
gelaufen, gesprungen, ein Frosch
ein Ford ohne TÜV
Null

Great Western

und zwischen Salisbury und Bristol
ist der Abend schneller als die Züge
dir bleibt das Herumschwitzen
das Festhalten am Espresso
Disgusting!

Aber sie halten Ruhe
weil sie es wissen, alle wissen es,
es geht irgendwo weiter, dein Zug er kommt
und wenn er noch in Newton Abbot steht
er macht sich auf den Weg
für dich zwischen der See und dem Parkplatz

Er kommt, du wirst sehen
und dann erzählst du zuhause
von deiner langen Reise
davon dass es überall gleich ist
und dein Espresso zu klein war
und der Wind zu groß war
für deine Mütze und dich
verwirbelt an den Gleisen

Gehen

Lass dich mal Spazieren
vorüber an den Parkplätzen
rund um den Verbrauchermarkt
links neben den Krankenkassen, Spielotheken
immer voran zur Alten Mälzerei
den Feldweg von damals
weißt du noch, zum Gewerbe geht der jetzt
dahin wo keiner mehr hinkommt,
lass uns dich ziehen, vielleicht zur Badausstellung
bei den staubigen Fließen gibt es auch Tiere

da gehen wir hin
vielleicht finden wir den Waschbären
der kann uns mit der Flasche winken
die einer hinterließ für ihn
lass uns Wandern zur Nilgans
die sich Pyramiden baut
mit Norma-, Aldi-, Shalalatüten
das schauen wir an #nofilter

Abgeschaut zum Jahreswechsel: Nikolaus Lenau (1802-1850)- »Bitte«

Weil auf mir, du dunkles Auge,
Übe deine ganze Macht,
Ernste, milde, träumerische,
Unergründlich süße Nacht!

Nimm mit deinem Zauberdunkel
Diese Welt von hinnen mir,
Dass du über meinem Leben
Einsam schwebest für und für.

Katzenkind

So selbstverständlich in der Landschaft stehen
konntest nur du, Katzenkind

Unbeachtet mit uns
Unter der Hecke der Alten sitzen
Die wir als Minna kannten

Hier war unser Schlupfwinkel
Aus Kartons und Decken
Immer auf der Spur der Alten
Von der wir nur ahnten, woher sie kam

Wie unseren Handrücken kannten wir den Hof
Ihr wildes Grün am Rande des Dorfes
Geduckt um den Jägerzaun streifend
Und sie immer im Blick
Wie sie mit rundem Rücken am Hoftor verharrte
Bis sie uns erspähte

Nur dich Katzenkind fand sie nie
Du konntest unter dem Fenster streunen
Und sie schaute über dich weg
Während wir mit ihr in der Küche saßen
Und Keiner etwas sagte

Sie stellte dir den Kakao ins Fenster
Und die Tasse verschwand ins Nichts

Serviervorschlag

Da wird auf keine Stimme gehört
keine Volkszählung im Madenteppich
Er wird nicht angetreten in Reihen

Auf dem Marsch zum großen Fund
Reiben sich alle, rauschen sie hin
Der Boden kennt so viele Herbste
Wie die liegengebliebene Hand dort

Regen im Bier

Ist etwas Trauriges, sagt er
Tritt unter den Schirm
Und zählt den Sommer an

Wenn es soweit ist,
Das weiß er, wird er den Bembel heben
Der Sonne zur Ehre
Dem Wirt zur Bestellung