Work it 2 – Im Schatten von Mauern geboren

Liegen wir flach und schwarzhaarig
Weit weg vom legendären Wasser
Einer erzählte uns davon
Vom Leben unter Wellen wie
Leben unterm Halm

Uns trägt hier keiner raus
Wir bleiben liegen/sitzen
Einige sollen gegangen sein
Ihre Köpfe auf die Mauer gesprüht
Neben ihren Tags lehnen wir

Und liegen weiter unter der Sonne
Die kennt unsere Seite und die andere
Manchmal wagen wir das Klopfen
Und hoffen auf Antwort
Von irgendwas da drüben
Es bleibt still

Und keiner kann uns andres sagen
Die Mauer war da vor euch
Vor uns, vor denen vor uns
Wir haben uns hier drinnen
Das reicht vollends

Und wir liegen hier in Ruhe
Mit den Bienen auf der Hand
Und der Honig macht es erträglich
Warm und süß
Bleibt keine Wolke im Blick.

Mal schaun – Türe zum Schnee – Ich bin faul

Wozu hast du überhaupt einen Blog, wenn du nichts postest? Zugegeben: Die Frage stelle ich mir häufiger. Aber einen Blog nur zu bestücken, damit da überhaupt etwas passiert erscheint mir auch nicht sehr sinnvoll. So gab es im Laufe des Jahres einige Pausen und die wird es auch nächstes Jahr wieder geben. Ein Blog sollte Spaß machen und interessant sein – allerdings – und da bin ich ehrlich, noch mehr für mich, als für den Leser. Das Tippen eines Beitrages oder auch nur das Verlinken eines Beitrages anderer Blogs ist zwar nicht immer große Arbeit, aber ohne einen eigenen Impuls macht es für mich keine Freude.

Impulse sind auch bei Lektüre und Schreiben immer wichtige Themen und hier bin ich schon wieder bei Jürgen Becker (*1932) gelandet. Erst in Form des Bandes „Die Türe zum Meer“ (1983), dann in Form einiger Videos auf dem Youtube-Channel seines Verlages Suhrkamp. Jetzt ist es einfach das Impulssuchen eines verdienten Lyrikers mit dem Eigenen in Verbindung zu bringen und zu sagen: „Genau so ist es! Schaut an, er hat das selbe Problem“. Tolle Apotheose der eigenen Faulheit. Natürlich sind wichtigere Dinge zu Tun, gerade wenn das Schreiben „nur ein Hobby“ ist. Arbeit, soziales Umfeld, die eigene Weiterentwicklung – gerne vorgeschobene Punkte, die ganz sicher eine Menge eigener Potentiale binden und trotzdem: Macht man – mache ich – es mir nicht oft zu einfach, wenn ich das altbekannte „morgen, morgen, nur nicht Heute anstimme“? Wenn es immer einen Grund gibt nicht das eigene Schreiben, die eigenen Texte zielgerichtet voranzutreiben?

Ich bin faul. Ich bin zu bequem. Nicht in allen Belangen. Das immerhin kann ich mir zugute halten. Aber in der Literatur bin ich wirklich eine lahme Socke. Das bemerkt man nicht nur an Pausen für den Blog, sondern auch an einer Vielzahl verstrichener Ausschreiben. Der Kalender wird gefüllt mit einer Reihe von Terminen. Von wichtig, über vielleicht wichtig, bis überschaubar wichtig farblich abgestuft. Sie rücken näher, rücken heran, rücken vorbei. Aha, wieder einer rum. Und nun? Na der nächste kommt bestimmt.

Versteht mich nicht falsch: Ich möchte euch nicht erzählen, dass ich faul bin und daher nichts schreibe. Ich beabsichtige nur, dass ihr es nicht auch so macht. Wenn ihr den Impuls bemerkt, wenn ihr das Gefühl habt, da ist etwas, was verdient hat ausgerückt zu werden – dann schnappt euch ein geeignetes Medium und haut das Ding raus. Und wenn es nicht gleich rund ist – egal! Dann platziert es so vor euch, dass ihr gar nicht drumherum kommt euch damit auseinanderzusetzen. Haut raus, was raus gehört. Vielleicht – aber nur vielleicht – schaffe ich das auch mal wieder häufiger und ihr sehr nicht immer den gleichen Beitrag, wenn ihr hier landet.

Finale Nachbarschaft 2017 – mon ami Weimar – 08.12.2017 – Wassily Kandinsky als Dichter

 

Zum Jahresende stellen wir mit In guter Nachbarschaft noch einmal etwas richtig Großes auf die Beine! Meine wärmste Empfehlung – nicht nur als Veranstalter. Wir sehen uns in Weimar. Alle Infos hier.

über Wassily Kandinsky als Dichter — Novastation

Gleichberge.

Das ist nix
Nicht viel, jedenfalls
Machst du halt an den Gleichbergen
Die stehen da als Solitär
Und irgendwer hat das Drumherum vergessen
Sie stehen da, vielleicht ja für den Wandersmann
Bestiegen zu sein, beschwingten Gangs

Aber dann stell dir vor
Es lässt einer Wasser ins Becken
Um Römhild kannst du dann
Den Städtchen Abschied winken
An den Kirchentürmen ankern
Um nach den Hügelgräbern zu tauchen
El Gouna in Thüringen
Bad Königshofen Resort und Spa
All Inclusive Hildburghausen

Bei Wutha ist warten

im ICE
auf was?

der eine sagt, nach Fulda geht’s
da möchte er spielen
das locke die Kinder
mit dem Rhythmus im Blut
die trommeln dann mit

auf was sonst
als die Wartburg
sagt einer
und lacht allein

dann bleiben wir ruhig
ich habe Zeit
auch wieder hier
sagt noch der Schaffner
was auch immer das heißt

Durchgelesen: Stefan Petermann – »Der weiße Globus«

Für den Blog der großartigen Lesereihe „In guter Nachbarschaft“ durfte ich den aktuellen Band von Stefan Petermann besprechen. Vergesst nicht bei der Nachbarschaft vorbeizuschauen. Mario Osterland versorgt euch dort mit Literatur aus und in Thüringen.

In guter Nachbarschaft - Die unabhängige Lesereihe in Thüringen

Gar nicht so erwartbar 

Stefan Petermanns Erzählband Der weisse Globus

Da steht dieser ausgewachsene Kerl vor einer Meute Halbwüchsiger und deren Eltern. Er soll verkünden was er vor Ort erlebt hat – in Syrien. Schon der Titel Sag was über Syrien zeigt auf, hier führt eine Erzählung vor, was so oft im Alltag passiert: Es gibt eine Erwartung, die das Individuum unmöglich einhalten kann. Als Restaurator und Kunsthistoriker präsentiert der Mann dann auch nicht unbedingt das Bild, welches man auf einem Kuchenbasar zugunsten syrischer Kinder erwartet hätte.

Da steht dieser ausgewachsene Kerl vor einem verstopfen Abflussrohr und kämpft mit allen Tricks darum es wieder frei zu bekommen. Und als das Wasser wieder fließt hat er eine Story, die ihn über Wochen auf einer Welle der Euphorie trägt – Das Ende der Geschichte wird jedoch ein anderes sein.

Da sitzt dieser ausgewachsene Kerl in der Schweiz vor einem weißen Globus. Alle…

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Zelebriere die Kunst

Der Schmalzbrotessens in Bad Hersfeld. Wähle eine Einrichtung nicht zu fein und nicht zu reudig . Verlange die Karte. Nimm dir einen Moment um das Angebot zu prüfen. Gibt es kein Schmalzbrot, verlasse gestikulierend den Laden. Kommt das Schmalzbrot ohne Gurke, verlasse gestikulierend den Laden. Wirkt die Kellnerschaft ob deiner Wahl enttäuscht, verlasse gestikulierend den Laden und schimpfe lautstark vor dem Fenster weiter. Bestelle deine Speise mit dem Tonfall des Kenners, fest und freudig. Wähle dazu ein Getränk. Wenn dein Schmalzbrot auf einem Teller aus Porzellan herangetragen wird, verlasse gestikulierend den Laden, verfalle kurz ins Vulgäre und beende deinen Reigen mit dem Wort „Schande“. Wird dein Schmalzbrot artgerecht auf einem Holzbrett serviert, empfange es mit offener Miene und einem anerkennenden Kopfnicken. 

Nun schaue dich im Raume um. Entdeckst du einem weiteren verständigen Menschen, entbiete ihm den Schmalzbrotessergruß, wie von der Bruderschaft überliefert. Wenn du den obligatorischen Präschmalzprozess beendet hast, ist es an der Zeit die Werkzeuge zu prüfen. Dies sind gemeinhin drei Utensilien: Ein übliches Küchenmesser und die zugehörige Gabel. Wenn das gewählte Lokal etwas auf sich hält, wird darüber hinaus eine Dessertgabel bereitgestellt, mit welcher du elegant deine Gurkenscheiben auf dem Schmalz platzieren kannst. Darin unterscheidet sich der Kenner vom Schmalzdilletanten. Jetzt beschaue  dir kurz das Mahl. Eine anständige Portion Schmalzbrot besteht aus mindestens fünf, in der Regel sechs kleinen Scheiben frischem, im Idealfall selbstgebackenen Krustenbrot mit einer reichlichen Schmalzdecke. Die Gurkenbeilage sollte bereits vorbereitet sein für die weiteren Verrichtungen. Lobe den Gastronom, wenn er die Gürkchen längs angeschnitten serviert. Für dich ist dies die Vorlage zu einem gekonnten Kavaliersschnitt. Dies ist ein vorsichtiger, aber bestimmter Ruck durch das Gurkengewebe.

 Hast du das schmackhafte Topping derart präpariert, empfiehlt sich ein neuerlicher Blick durch den Gastraum. Sei dir des Publikums gewiss. Der Schmalzbrotesser ist der Dolph Lundgren unter den Gourmets. Robust und unterschätzt, aber jederzeit zu einem herzlichen Lächeln bereit. Nur teilen wird er nie. Beim Schmalz ist es bekanntlich mit der Freundschaft vorbei. Nun kommt es zur zeremoniellen Vereinigung. Hier ist dein Augenmerk gefordert. Platziere das säuerliche Aromahäubchen dergestalt, dass es sich im Mund mit dem Schmalz vereinigt ohne ihn zu übertreffen. Nimmt das ordinäre Aroma der Gurke den Schwerpunkt deiner Gaumenlust ein, so bitte ich dich meiner Seite zu verlassen und kein weiteres Mal den Zugriff zu wagen. 

Gleich ist es soweit. Der Moment der höchsten Sinneslust ist gekommen. Jedoch merke: Der Veteran am Schmalz kennt die Geduld. Ihm ist eine übermenschlich zu nennende Lust am Verzicht zu eigen. Ostentativ sucht er den Blickkontakt der Ahnungslosen. Sachte lächelnd bemitleidet er sie, wie sie versuchen ihrem schweren Mahl so etwas wie Genuss abzugewinnen, obschon der Geschmack unter einer Hundertschaft möglichst fremder, möglichst  raffiniert wirkender Gewürze so kurzlebig, wie uneindeutig bleibt. Dabei ist das Gute so einfach. 

Und nun dein Auftritt. Synchronisiere den Weg des Brot des zum Gaumen mit dem Öffnungswinkel deiner Lippen. Es wirkt nichts dümmlicher, als wenn nach sorgfältiger Vorbereitung deine Lust mit einem aufgerissenen Maule sich zu einer Grimasse der geilen Begierde verkehrt oder du traumsäumig zu einer gewaltsamen Öffnunksaktion deiner Lippen gezwungen bist, um dir das Brot nicht an den Kopf zu stoßen. Der erste Biss. Du hast es fast geschafft. Wie bei der menschlichen Fortpflanzung übernimmt bei einem gesunden Exemplar der Spezies Mensch nun der natürliche Instinkt. Nicht umsonst lobte schon Aristoteles die Trias aus Sprache, Schmalz und Säulengängen. Und auch Nietzsche wusste: „Gehst du zum Schmalz, vergiss die Gurke nicht.“ Ein vernüftiger Mann, dieser Nietzsche.

Dir lieber Schmalznovize wünsche ich den Genuss deines Lebens. Halte dich an meine einfachen Weisungen und man wird dich erkennen als Mann von Welt, wo auch immer du bist.  Gurke und Schmalz, Gott erhalt’s.