Gleiten

Tram oberhalb des Staubs
klettere auf einen Halm
hier greift dich der Wind
erhebend die Luft unter den Flügeln
treibe bis zum Steig

hier standen die Menschen
schwer vom Denken
bis ihre Kalender vorbei waren
das Licht machte den Letzten aus

uns weist es den Weg

Wilde Zeiten

unter dem kreisenden Milan
tritt er in die Sonne
die Augen beschirmt
in seinem Vorgarten die Äpfel
daran vorbei tritt er zur Garage
und da hochglanzpoliert steht sie und wartet
fahren darf er nicht mehr
er schiebt seine Suhler Queen vor das Tor
da kneift es im Rücken

er zuckt zusammen
legt die Hand an den Lenker
sofortige Straffung in allen Zellen
Gänsehaut, Schwalbenhaut wie er es nennt
und der Schwung der Beine
schon sitzt er
die Schmerzen im Rücken als Sozius
nur den Helm lässt er weg
wie er so unter der Sonne steht
summt er schmissige Lieder

Short VII – Sturz

Jetzt sind sie alle übereinandergestürzt

Vertrieben durch den Marmorkopf vom Alten Fritz

Segeln die Bände und blättern sich zusammen

Da landet der Ermittler aus Berlin in Istanbul und wird aus Venedig gegrüßt

Hier geht es ja zu wie bei der ARD denke ich und sortiere meine Mediathek neu.

Wir Sitzen im Bach

Wenn am Abend die Biber schlafen
gegen die Strömung träumen sie an
und dann wird gebaut
sie schaufeln und wir
machen es uns gemütlich
ist ihr Bau und wächst
uns ins Herz schaufeln sie
gegen die Strömung träumen wir an
den Abenden sitzen wir gemeinsam

Short V – Bachstraße

In der Bachstraße stehen wir

Und fangen den Wind mit unseren Träumen

Zwischen den Waggons der Bahn westwärts

Liegen und den Schotter ertragen

Und den Blick an die Bäume heften

Ob sie nun da sind oder Nicht

Über uns werden die Fenster verfunkelt.

Short VI – Arana

Noch eben im Netz

Und nähert sich

Dieses kleine Wunder

Setzt sich ab

In deiner Asche

Dreht es eine kurze Runde

Und ich stelle mir vor

Wie sie deinen Namen übt

Um ihn zu weben

Immer und Immer

Dein Name Legende des Spinnenvolkes

Short IV – Sonne

Erst durch Haar und Talg und Epidermis

Ist alles HORN irgendwie

Über den Gedanken

Zerren sie dir an der SCHWARTE herum

Und du so ein wenig Nervenzappeln

wenn sie dir Rupfen um Rupfen nehmen

mit Unterhaut und Sehnenhaube

löst du dich ab, löst du dich auf

es hilft auch kein Leibchen aus Speichelfäden

wenn der ABRISS in der Sonne glänzt

ohne Stirn, ohne Idee

Nachtlos

Wir wollten unzählbar sein

Nur spürbar als Luft in den Lungen

Durch die Dunkelheit von Laterne zu Laterne ziehen

Halte ein, sagst du

Nachtlos sammeln wir

Unsere gegenseitigen Schwüre in die Tränensäcke

SHORT II – Dienstbar

Du sitzt und beobachtet das Ausschwärmen

Der Postfahrzeuge aus ihrem Hive

Von der Königin entsendet

Tragen sie gelb gefärbt ihre frohe Boschaft zu dir

Bestäuben dein Postfach mit Rechnungen

Das sind die Stiche die tiefer gehen

Und alles Fuchteln mit den Armen bleibt sinnlos

Jenseits des Standstreifens

ich kehre die Autobahn
Feudeln gegen Feinstaub
Du sagst
Ich solle Wolken züchten
Wolken auf die Leitplanken wickeln
mit ihren Tropfen die Fahrbahn säubern

wir legen uns auf den Mittelstreifen
sammeln die Sonne ein
zählen Marienkäferbeine auf dem Asphalt
Du sagst
Drei Kirschkerne in einem Schatten
geben noch keinen Arcimboldo

ziehen die Fahrbahnen auseinander
verbinden damit unsere Augen
heben die Arme
Du sagst
jetzt können wir Träumen
jetzt können wir Fliegen

wir fließen dahin
wir reißen die Brücken ein
die Augenbinden zerfleddern
das Licht kehrt wieder
wir sind grenzenlos wie keiner