Der rosa Elefant

der rosa Elefant
vor deiner Tür
klopfte nicht an
stand einfach da
und du mit deinen Freunden
ihr gingt durch ihn hindurch

nur für dich wurde das schwerer
irgendwann musstest du drumherum
und die anderen schauten komisch
irgendwas war anders an dir
und das Tier wuchs
immer weitere Wege für dich
und die anderen warteten nicht mehr
auf dich auf deinen langen Wegen
um einen rosa Elefanten herum
und da sprachst du sie an
und erzähltest es ihnen
und die anderen waren gar nicht mehr da

bis auf einer oder zwei
und die liefen auch so lange Wege
bis ihr aufeinander traft
und auf deine Tür zu gingt
einfach so

Abgeschaut – O Wind, der um den Fuji weht – Japanische Lyrik

Heute möchte ich eine kleine Auswahl japanischer Lyrik präsentieren.

Viele Gedichte klingen wahr.
Aber die tiefste Wahrheit lebt in denen,
die einfach sind wie Kinderworte.

Mutsuhito

O Wind, der um den Fuji weht,
könnt ich doch einen Hauch von dir
in meinem Fächer mit nach Hause nehmen!

Matsuo Basho

Wenn du singen könntest, Schmetterling,
hätten sie dich längst
in einen Käfig getan.

Matsuo Basho

Die Wolken sehen aus wie Wogen
und die Wogen wie Wolken.
Ich muß einen Fischer suchen,
daß er mir sagt,
wo das Meer ist.

Ki No Tsurayuki

Vorgestern wälzte sich der Fluß
noch dröhnend vorüber.
Doch gestern zog er schon gedämpfter dahin.
Und heute ist er fast versiegt.
Wie kurz ist und wie sinnlos doch das Leben!

Unbekannter Dichter

Die Gedanken der Menschen
in meinem Heimatdorf
sind mir nicht mehr vertraut.
Aber die Blumen duften noch wie damals,
als ich ein Kind war.

Ki No Tsurayuki

Wenn man den Dieb, den man zur Nacht
gefangen hat, bei Licht besieht,
dann ist es der eigene Sohn.

Yamasaki Sokan

| Alle Texte sind dem folgenden Band entnommen: Hausmann, Manfred: Liebe, Tod und Vollmondnächte, Japanische Gedichte. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1951.

Kaulquappen

Zählen
so hast du die Zahlen gelernt von eins bis zehn
am Weiler mit dem Strohhütchen
zehn Minuten Robinson
verloren ganz kurz im Schilf
hindurch zum Volk der Enten
Handel treiben vielleicht
außer Schnattern war da Nichts
dann mit der Sirene nach Hause
Montag zwölf Uhr zur Bohnensuppe
gelaufen, gesprungen, ein Frosch
ein Ford ohne TÜV
Null

17. Mai 19:30 – Weimar, Galerie ACC – IN GUTER NACHBARSCHAFT #21

Mario Osterland und Gorch Maltzen haben für euch einen spannenden Abend aus neuer Literatur und Performance zusammengestellt. Also: Galerie stürmen. 😀

Am 17. Mai kehren wir mit unserer Lesereihe zurück nach Weimar, bringen junge Autorinnen zusammen und lassen ihre Texte von innovativen Vocalperformances musikalisch begleiten. Die Leipziger Autorin Deniz Ohde liest aus neuen Texten. In ihrem Werk seziert sie präzise strukturelle Ungleichheiten und biografische Brüche in einer sensiblen wie eindringlichen Sprache, die eine neue starke Stimme […]

über 17. Mai – Weimar – IN GUTER NACHBARSCHAFT #21 — In guter Nachbarschaft – Die unabhängige Lesereihe in Thüringen

 

Deine Spur

Denkst dir ein Zeichen für deinen Aufenhalt
ein wenig Stoffliches

wärst du ein Raucher, die Kippe würde es tun
Tabak und Asche

machst dir Gedanken und die Sonne sticht
du tropfst Schweiß über Holz und Weg
es bleiben Ränder von dir
du bist zufrieden

Great Western

und zwischen Salisbury und Bristol
ist der Abend schneller als die Züge
dir bleibt das Herumschwitzen
das Festhalten am Espresso
Disgusting!

Aber sie halten Ruhe
weil sie es wissen, alle wissen es,
es geht irgendwo weiter, dein Zug er kommt
und wenn er noch in Newton Abbot steht
er macht sich auf den Weg
für dich zwischen der See und dem Parkplatz

Er kommt, du wirst sehen
und dann erzählst du zuhause
von deiner langen Reise
davon dass es überall gleich ist
und dein Espresso zu klein war
und der Wind zu groß war
für deine Mütze und dich
verwirbelt an den Gleisen

Strickjacke

Da wächst dir wieder das Steppengras über die Augen
stehend auf den Zehenspitzen wartest du auf einen Einfall
Mongolen, Spinnen, Licht – alles wäre recht

sortierst deine Sammlung von Staubmäusen
und ein bisschen geht der Zeiger voran
zählst die Buchstaben der Werbeprospekte
und ein bisschen geht der Zeiger voran
streichelst dein Handtuch
und ein bisschen geht der Zeiger voran

durch ein Fenster bekommt das Steppengras Bewegung
es muss noch immer Luft geben irgendwo
und dort dann auch Mongolen, Spinnen, Licht
da weißt du
es bleibt dir nur die Strickjacke zu nehmen.