Bikavér

Warum im Stierblut schwimmen
In der ungarischen Plörre
Wir haben jetzt Pinot und Chardonnay
Da braucht es das Donauwasser nicht mehr
Das stell wieder weg
Das holen wir dann, wenn wir uns sagen wollen
Die Tage sind schlecht

Es war ja schon damals nicht gut
Erträglich vielleicht, aber mehr auch nicht
Und heute tauchen wir im Zinfandel
Die Trauben haben sie Sonne von überall
und die Köpfe kosmopolitische Schwere

Das war vielleicht das einzige
Der Kram war ehrlich
Sobald die Flasche sich zeigte
Zeigte sich auch das Paracetamol
Vorsorge für den Vormittag
Und erst über die Stränge und dann
Den Kopf auf den Tisch geschlagen

Hände vor den Augen
Du lieber Himmel
Der Stier im Schädel gibt kein Pardon
Da gibt es auch keinen Rausch
Nur vielleicht das Rauschen vom Blut
Das ist so laut heut Morgen
Das wäre mit dem Rosé bestimmt nicht passiert
Und wachst wieder auf mit den Bewegungen rückwärts
Und alles steht neu

Es war vielleicht der Stier
Durch die Wohnung einmal zweimal
Und der Kopf wird immer größer
Verdammte Ungarn
Ist das immer noch die Rache fürs Lechfeld?

Jetzt erstmal auf
Auch das nämlich kann Stierblut
Da bleibt immer was in der Flasche
Ich fahre jetzt den Konter

Auf denn, bei den Hörnern gepackt
Ein Tänzchen ums Ränzchen
Zur Sprengung von Leber und Hirn

Die Logik des Wortes Volkslied

Vater und Tochter kommen schwer bepackt aus einem Nebeneingang des Erfurter Shopping-Centers „Anger 1“.

–          Papa magst du Volkslieder?
–          Nein.
–          Warum?

Die Tochter bleibt stehen, schaut ihren Vater an. Er überlegt kurz, lenkt ein:

–          Kommt darauf an welche.
–          Magst du „Alle meine Entchen“?

Er stockt.

–          Aber das ist doch kein Volkslied.

Sie schaut ihn wieder an. Kratzt sich kurz am Kopf.

–          Aber was dann?
–          Ein Kinderlied.
–          Gehören Kinder nicht zum Volk?

Es arbeitet in ihm. Etwas verlegen erklärt er:

–          Na ja. Kinder sind ein besonderes Volk.

Sie schüttelt den Kopf.
–          Aber Papaaaaaa. Das stimmt doch nicht.
–          Warum nicht?
–          Wenn Kinder ein Volk sind, dann sind Kinderlieder doch Volkslieder.

Er lacht.

–          Ertappt.