Ausbruch

Lass uns gemeinsam die Vögel spalten

Wie es die große Dickinson dichtet

Vielleicht können wir dann lachen

Über die kleinen Schriftrollen

Neben den Herzen eingerollt

Und die Texte des frühen Morgen

Wenn wir dann die Vögel verstehen

Uns die Dohle ihren Heavy Metal kjackt

Die Tauben uns warnen zum Klimaschutz

Und der Eichelhäher sich in Reggea Texten versucht

Wenn wir die Arme ausgebreitet im Gras

Singend mit den Vögeln fliegen

Und endlich mal etwas einen Sinn hat

Geh nicht, komm her.

[…] Paulus Böhmer

I

Auf dem Weg zum Anger

Krämpferbrücke, Krämpfertor

Auf dem Weg kommen sie dir entgegen

Auf Rädern, zu Fuß

Vielen von ihnen in Eile

Und du so langsam

Das es dich fast mitzieht

So viele von Ihnen kommen dir entgegen

Wollen weg aus der Stadt

Nicht weg von dir

Aber aus der Stadt

Das es dich fast mitzieht

Um das Angerentree herum

und auch hier siehst du sie hasten

Auf Rädern, zu Fuß

Finden sie Wege

Am Besten am Ellenbogen entlang

Immer gerade durch

und dich zieht es fast mit

aber du hältst dich

noch immer ihnen entgegen

bis einer steht

II

und der da wartet auf dich

fällt auf, der ruht,

der fängt deine Blicke

so dass es dich mitzieht.

Geschlossen

Suchten nach der farblosesten Stadt

Für ein Gedicht sollte es sein

Eilten an Plattenbauten entlang

Versuchten es bei Autowerken

Irgendwie blieb alles zu bunt

Und so trennten wir uns

Du wolltest nach Dächern sehen

Ich nach Fassaden und Putz

Und immer noch alles zu kräftig

Ich formte also ein Schild in den Text

Weitere Verse sind frisch gestrichen.

Ein Tausch

dein Mund machte nichts
und der Tag kam heran
schlich sich von allen Seiten
an unsere Leiber
kroch durch die Ritzen
machte es sich unter der Decke bequem
und da wurde es dir zu eng
du eiltest davon
und ich genoss etwas Wärme

Hyänen

Eugen pustet die Erfurter über den Anger. Hier fliegt ein Regenschirm, dort eine Maske. Und ganz hinten hitzige Worte.

Zwei Radfahrer wurden von der Polizei gestoppt. Um den Gleichstand bei den Fahrzeugen zu sichern, kümmern sich zwei Streifenwagen um die Angelegenheit. Die Beamten lassen sich von den lautstarken Protesten der Radler nicht aus der Ruhe bringen: „…muss man jetzt ehrlich mal sagen, dahier. So einen kleinen Radfahrer den könnt ihr anhalten, aber so Klimacamp räumt keiner weg. Jedes Mal wenn ich hier fahre, haltet ihr mich an. Jedes Mal!“ Jetzt werden die Personalien geprüft.

Etwas mehr gelernt hat ein kleines Mädchen an der Tramhaltestelle: „Papa hat mir gesagt die Hyänen, das sind die Tiere mit dem härtesten Biss im Land. Da machen alle Tiere einen großen Bogen herum. Nur ein Tier nicht: Der Gepard. Der ist nämlich der Schnellste. Der geht zu den Hyänen hin, guckt die an und wenn die kommen, düst er wie der Blitz davon!“

Wenn das die Radler mal früher gehört hätten.

Galla

Und schon wieder denkst du an Galla. Heinz Michael Galla, diesen großartigen Künstler, diesen am Ende seines Lebens redescheuen Mann. Dieser Name mal wieder im Kopf. Dann ist da auch gleich Aphroe. Und wieder die Frage ob von dem noch ein Album kommt. Aber Galla, der Galla – für dich RAG und KOPF-STEIN-PFLASTER. Dieses Album damals 98. RAG „Unter Tage“. Aphroe, Pahel, Mr. Wiz und Galla.

Jetzt hattest du auch Helden. Eine eigene Musikrichtung. Jetzt warst du einer von diesen harten Jungs. Oder besser einer von den Jungs, die so lange hart waren, so lange sie harten Jungs zuhören konnten. Das gab es auf deinem Dorfgymnasium nicht. Da hörte man die Ärzte, die Böhsen Onkelz oder Madonna, die mit Frozen ihren 5 Frühling hatte.

Klar – die Rapmusik gab es. Aber die war aus den Staaten oder witzig. Das Deutsche war dir alles zu bequem. HipHop durfte nicht witzig sein wie bei den Beginnern. Rap sollte über das echte Leben sprechen. Rap sollte hart sein. Das Leben auf der Straße, das wolltest du hören.

Und bei den Amis konntest du immer nur mitnuscheln. Und überhaupt die Amis. Da musste man echt aufpassen. Nur nicht den Falschen erzählen, dass man Black Eyed Peas oder Xzibit hört. Sofort war man ein Sellout – ohne das man wusste, was das ist. Und dann stand man da auf dem Schulhof, die Baggy in den Kniekehlen, die Cap schräg auf dem Schädel und übte sich in Handzeichen. Eastcoast, Westcoast. Erst diese Worte gewechselt, dann konspirative Blicke. Reagierte da Jemand? Schüttelte jemand den Kopf?

Und dann kam RAG. Ruhrpott AG. Der Ruhrpott als die Bronx Deutschlands. Bochum, Dortmund, Essen waren hart und dreckig. KOPF-STEIN-PFLASTER. Endlich konntest du mitrappen. Alle Texte im Kopf und alle Hooklines auf der Zunge. An der Kasse im Norma dein Solo.

Endlich Vorbilder aus Deutschland, die es mit den Amis aufnehmen konnten. Helden für dich. Aphroe, Pahel, Mr. Wiz und Galla. Heinz Michael Galla, diesen großartigen Künstler, diesem am Ende seines Lebens so redescheuen Mann.

Die Einsamkeit des Reiseleiters

In einem Bus sitzen die 41 Gesichter abgezählt

Würzburg mit Wein und Brücke

und du erzählst wie immer

im Halbschlaf die Zahlen und Namen

und wie immer einer in Reihe 8

der kann es dir besser erklären

er weiß es vom WDR

die Landpartie mit Landpomeranze

Reihe 8 dreht und wendet den Kopf

aber keine Aufmerksamkeit

dafür die rote Sonne von Barbados

und Würzburg im Regen

also wieder kein Trinkgeld heute

dafür drückt die Blase in Reihe 3

nach vier Minuten Autobahn

jetzt noch schnell den Schenkelklopfer

und die Damen stoßen mit Sekt an

schrilles Kichern über das Späßchen

dann ist endlich Ruhe

nur bei den Flippers

scheint immer noch diese Scheißsonne

Ein Flow

Blick in den Hinterhof

Ein leiernder Beat

Im Kopf den Mond

Der soll in den Text

Kommt nicht raus

Suchst nach Dopamin

Das macht sich rar

Die wenigen beleuchteten Fenster

Dahinter beheizte Räume

Boom Bap

lass es laufen

Bleibst beim Beat

Der leiert den Stift über Papier

Braucht kein Dopamin

Bleibt am Schreiben

Ohne die Fenster

Fließt der Stift

Und du hältst ihn einfach

Flow aus Beat leiert

Boom ein Satz

Bap ein Text

Lass den Mond aus

Den braucht es nicht

Das Bild eh von gestern

Hinterhof sagt

Boom

Welchen Flow es braucht

Um Bap den Text

aus den Stift auf Papier

auf den Beat zu leiern

Pix – Streetart in Erfurt – Die Halle

Schon seit Beginn der Coronapandemie führte mich mein Weg durch die Stadt regelmäßig an der Sporthalle in der Halleschen Straße vorbei und ständig hat die Halle ein neues Aussehen. Immer wieder verewigen Graffitiartists sich hier an den Wänden. Ein paar der neuesten Pieces habe ich mal aufgenommen. Klickt euch einfach durch.

Aber es gibt noch viel mehr Tags und Streetart in der Stadt. In unregelmäßigen Abständen möchte ich neue Tags und Pieces presenten.

Mir lieb nicht, Richtplatz

I

Am Hanseplatz stehst du

machst dir Tradition

das Steinkreuz Erinnerung an Großes

hier war ein Richtplatz, fragst mich

ob ich „Der Richtplatz“ von Aitmatow gelesen

du bist, sagst du, einer der Wölfe

machst Jagd, Nase im Wind

erinnerst die Menschen, Tradition

kein Pelz für Schafe

du Wolf machst Richtplatz

gegen mich und Vieles

gegen mich und Viele

II

mir wird kalt

ohne den Pelz

und will kaufen

bin eben Schaf

da trottest an meine Seite

Pause am Richtplatz

das sollen jetzt auch Andere

ein Wolf ist nie allein

und wenn der Alpha geht

kommt ein Neuer

so ist es Tradition