Die Einsamkeit des Reiseleiters

In einem Bus sitzen die 41 Gesichter abgezählt

Würzburg mit Wein und Brücke

und du erzählst wie immer

im Halbschlaf die Zahlen und Namen

und wie immer einer in Reihe 8

der kann es dir besser erklären

er weiß es vom WDR

die Landpartie mit Landpomeranze

Reihe 8 dreht und wendet den Kopf

aber keine Aufmerksamkeit

dafür die rote Sonne von Barbados

und Würzburg im Regen

also wieder kein Trinkgeld heute

dafür drückt die Blase in Reihe 3

nach vier Minuten Autobahn

jetzt noch schnell den Schenkelklopfer

und die Damen stoßen mit Sekt an

schrilles Kichern über das Späßchen

dann ist endlich Ruhe

nur bei den Flippers

scheint immer noch diese Scheißsonne

Vorbereitung

Am Ortsrand rollt die Sonne noch Stroh
das langsame Gehen den Radweg entlang
macht uns das Wochenende weit
wie mit Siebenmeilenschritten geht es voran
frisch mit dem Wind um die Wette
und die großen Ideen im Kopf

zwischen den Dörfern machen wir Halt
blicken auf die Äcker
laden kurz auf

jetzt können sie kommen
sollen sie sich doch zeigen
und ihre Geschichten erzählen


wir sind bereit, wir hören zu
wir haben die Halme unter der Nase

Deine Spur

Denkst dir ein Zeichen für deinen Aufenhalt
ein wenig Stoffliches

wärst du ein Raucher, die Kippe würde es tun
Tabak und Asche

machst dir Gedanken und die Sonne sticht
du tropfst Schweiß über Holz und Weg
es bleiben Ränder von dir
du bist zufrieden

August. Reingehört.

Fest steht da oben die Sonne

Dachgeschoss im Sommer

Und einer hat die Geräusche gestoppt

Du glaubst an ein Rauschen irgendwo

Vielleicht der Ventilator

Vielleicht das Blut in dir

Oder die Bäche von Schweiß am Rücken

Das kalte Wasser von eben

Klimaerwärmt schmeckt wie Spucke

Perlt kurz, dann könnte auch die Zunge schwitzen

Zum Glück gibt es, hast du

NAS und Mobb Deep

Im Dachgeschoss rührt sich wieder was

Der Staub rieselt aus Boxen

Held

– Lucky Luke wurde abgeknallt.

Der Fünfjährige hält sein Comicbuch in die Luft.

– Aber der Lebt noch. Kann er nur, weil er ein Held ist.

Seine Mutter lächelt mich entschuldigend an. Sie ergänzt:

– Vielleicht war er auch einfach so schnell, der ist einfach zu Seite gegangen.

– Nein, hier guck. Der wird getroffen.

Er zeigt mir eine Liste von Covern und tatsächlich sieht es aus, als wäre der lonesome cowboy getroffen worden. Erwartungsvoll werde ich von vier Augen angeschaut.

– Hm, ja. Es schaut so aus. Aber wenn du ganz genau hinschaust, siehst du, dass nur sein Schatten getroffen wurde. Den hat er da hingestellt.

– Geht sowas, Mama?

– Ja, das kann er, weil er ein Held ist.

– Glaube ich nicht.

Der Junge schaut wieder mich an.

– Sag du mal.

– Na doch. Genau deswegen kann er das. Guck. Hier kann er machen, dass sein Schatten gegen ihn schießen kann und hier kann er den Schatten eben irgendwo hinstellen.

Er überlegt.

– Und wenn ich einen Schatten mache mit Sonnenschirm?

– Dann bist du ein bisschen ein Held.

Seine Mutter nickt.

– Genau.

– Und wenn ich meinen Schatten rumstellen kann, dann ganz sehr?

Diesmal nicke ich.

– Aber der hat es ja auch gut, der hat immer Sonne. Ich kann nur manchmal ein großer Held sein. Der immer. Unfair.

– Du, wir müssen langsam mal weiter.

Die Mutter schiebt den Sohn ein wenig an.

– Ja gut.

– Wenn mal Sonne ist, dann können wir ja schauen wer der größere Held ist.

– Au ja.

Er nickt, springt und ist verschwunden. Seine Mutter winkt noch kurz.