Der Morgen wusste noch nicht, dass er angefangen hat. „Sag mal, kennst du das Lied?“ „Welches?“ Ein kurzer Blick macht klar, die Ampel ist grundlos rot. „Warte: So. Noomaawaweedto wmmaatamm saammmee.“ „Ähm. Ne.“ „Nochmal? Noommaawwwweetono waammmteemm sammmneeess.“ Ein Kopfkratzen. „Ähm. Also wenn du so singst, dann könnte das auch ein vorgelesener Ikea-Bauplan sein.“ „Hmm. Nochmal?“ „Ne, lass mal.“ Blicke gekreuzt. So etwas wie ein Einverständnis. Ein PKW, Marke Ford, passiert die Szenerie. Das offene Fenster lässt Lana Del Rey hören. „Hast du gehört? Das Lied meinte ich.“ „Ah, Summertime sadness. Traurig, das Auto singt besser als du.“ „Sehr witzig.“
Kategorie: Blicke
Begriffsförderung
Begriffsförderung
Ein Müller Blu Ray Regal, dahinter Haare. „Dieses Dingens, wie heißt das denn nur. Man, mir liegt es auf der Zunge.“ „Belag?“ „Haha, nein! Zu warm machen.“ „Heizung?“ „Nein. Nich sowas.“ Die Haare bewegen sich. „Mikrowolle?“ „Alter, denkst schon wieder ans Essen?“ „Ja, beschreib doch mal.“ „Na, so bunt und hell.“ „Hä?“ „Ja, Mann. Das kennst du auch.“ Zwei Jungs erscheinen, 13, Baseballjacken, grüne Hosen. „Das hatten wir doch gerade in Deutsch. In dem Gedicht.“ „Wüste?“ Schaut seinen Freund genervt an:„Du Lauch. Kann man mit Wüste was warm machen?“ Hebt die Achseln:„Ja, wenn man es hinbringt.“ Augendrehen: „Woah, ja Joker.“ „Frau?“ Er zieht die Augenbrauen hoch: „Hää, was laberst du?“ Bestimmt, mit breitem Grinsen: „Frauen machen heiß.“ „Noch en Joker. Brüller.“ „Ja, dann sag doch mal was.“ „Das bringt der den Menschen.“ Denkt nach: „Opfersteuern?“ „Haha. Sei froh, dass es keine gibt.“ Hebt den Blick in die Augen des Andern. Man sieht, dass er es weiß. Er wartet eine Sekunde, dann fängt er an zu lachen: „Alter, meinst du Feuer?“ Wegwerfend: „Hmm, ja.“ „Und ich bin ein Lauch, oder was?“
Reaktionen
Gelangweilt wird in Zeitungen und Apps geblättert. Ein Mobiltelefon vibriert. Gelangweilt wird in Zeitungen und Apps geblättert. Ein Mobiltelefon vibriert noch einmal. Gelangweilt wird das Handy von seinem Besitzer ans Ohr genommen. „Ja?“ Erklärend in die Runde: „Mein Sohn.“ Einer nickt, zwei nicht. Alltäglicher Smalltalk. „Gut.“ „Ja, auch.“ „Mach ich gern.“ Zeitungen und Apps. Neue Stimmlage: „Wie, du bekommst ihn nicht hoch?“ Seitenblicke. Die anderen hatten es auch so verstanden. „Aber du weisst doch, wie das geht.“ Seitenblicke. Kichern ist erlaubt. „So schlimm kann das doch nicht aussehen.“ Frontale Blicke. Offenes Kichern. „Meine Herren. Zweimal im Jahr muss das eben sein.“ Grimassen unterdrücken lautes Johlen. Einer schaut aus dem Fenster, es schüttelt ihn. „Ich hab dir das schon dreimal gezeigt.“ Frontale Blicke. Kichern und Befremdung. „Dann nimm halt den anderen Wagenheber.“ Gesichter werden zu Ach so. Das Handy wird weggesteckt. Gelangweilt wird in Apps geblättert, die Zeitung noch einmal aufzuklappen lohnt nicht.
Kopfspiele.
Konsequenz
Ich ziehe den Hut, statt ihn zu schieben.
Spottförderung
Ein Vater unterhält sich mit seinem halbwüchsigen Söhn über die Olympiade. „Überall diese Hobbydeutschen im Sport. Ich halt das nicht mehr aus. Guck mal auf den Medaillenspiegel. Also früher…!“ Er hält seinem Sohn die Bild hin. „Ich find das gar nicht so schlecht, es wird doch langsam.“ Aufbrausend: „Wird doch langsam. Ohne diese Hobbydeutschen, da…!“ Der Sohn schaut auf: „Was sind denn eigentlich Hobbydeutsche?“ „Das sind solche, die nur Deutsche werden, damit sie ihr Hobby weitermachen können, als Beruf. Und wir bezahlen die dann mit unseren Steuergeldern.“ „Und was findest du jetzt so falsch daran.“ Der Vater reckt sich etwas, die nur wenig aufrechtere Haltung verleiht seinen Worten keine zusätzliche Wirkung: „Weil die keinen Nationalstolz haben. Hätten die den, dann würden die gewinnen. Die sorgen doch nur dafür, dass Deutschland überall verspottet wird.“ „Und wenn es die Deutschen nicht besser können?“ „Ach papperlapapp.“ Der Vater schlägt vergebens nach einer Fliege.
Fortschritt
Früher hatte jeder sein Päckchen noch zu tragen, heute kann man es im Trolley hinterherziehen.
Parken und Liebe
Die zwei Frauen stehen gemeinsam mit der Erfurter Luft vor dem Eiscafé. Sie sind etwas ungeduldig, blicken, die anderen Wartenden taxierend, um sich. Die Schönere: „Du, es gibt schon dumme Sprüche auf der Welt.“ Die Reifere: „Ja, das kannst du laut sagen.“ Die Schönere: „Kennst du diese Schilder auf Parkplätzen?“ Die Reifere: „Da gibt es Viele.“ Die Schönere schaut in ihren Geldbeutel: „Ja. Ich meine das mit dem ‚Widerrechtlich parkende Fahrzeuge werden abgeschleppt‘.“ „Was findest du daran dumm?“, fragt die Reifere. „Der Spruch stimmt einfach nicht.“ Die Reifere: „Warum?“ „Ich hatte ja schon lange Keinen mehr und da hab ich mich….“ Ein korpulenter Herr drängt sich an den Damen vorbei. „Fast hätte er mich vollgesaut. Der soll sich mal anschauen und dann Eis essen. Na ja, wo war ich? Ach ja, der Spruch. Also Folgendes: Ich hab mich auf einen Parkplatz gestellt und zwar widerrechtlich. Dachte eben, mich hat eh schon lang keiner mehr abgeschleppt. Könnte ja sein, dass….“ Die Reifere: „Das ist jetzt nicht dein Ernst.“ Die Schönere: „Na, ein wenig.“ Die Reifere: „Herr, lass Hirn…“ Die Schönere: „Auch so ein Spruch.“
Familie
Das Kind steht an der Tür, der Vater ist bereits einige Schritte vorgegangen. „Los, komm jetzt endlich!“ Das Kind schüttelt den Kopf: „Nein. Mama hat gesagt ich darf nicht mir fremden Leuten mitgehn.“ Der Vater bleibt stehen: „Aha. Und dein Papa ist ein Fremder?“ Das Kind nickt: „Wo ihr gestern so laut wart, hat Mutti gesagt: ‚Du bist mir fremd geworden.‘“
Fremde Kulturen.
Fremde Kulturen
Der Sommer schlägt wieder zu und den Passanten der Wind um die Münder. Die Schlange vor der Post am Anger durchtrennt viele Laufbahnen. Zwei Junge Männer in angepasster Bekleidung: „Alter, am Wochenende heißt es wieder Flucht.“ „Hä. Warum?“ „Isso, da ist die Gayschar wieder unterwegs?“ „Na und, juckt nicht. In Japan bezahlen die dafür, dass die kommt?“ „Was hat die Gasychar jetzt mit Japan zu tun?“ „Hä. Geishas sind doch japanische Prostituierte.“ „Du bist doch krank, Mann! Ich hab ja schon Vorurteile, aber du haust man wieder richtig auf die Kacke.“ Die Beiden nehmen ihr Zalando-Paket entgegen und verlassen die Post.

