DREIERLEI ∙ Jena/Nordhausen/Weida

3 Lesungen, 3 Orte, 3 Autoren, 3 Kunstformen. Ein Format, dass ich jedem ans Herz legen möchte, der sich in Thüringen mit Kunst beschäftigt.

Avatar von magfliegen fangen

Signet: Walter Sachs

14. November 2014, 20:00
Künstlerische Abendschule Jena, Sophienstraße 18, 07743 Jena

15. November 2014, 15:00
Stadtbibliothek „Rudolf Hagelstange“, Nikolaiplatz 1, 99734 Nordhausen

21. November 2014, 19:00
Osterburg in Weida

  • Es lesen Bärbel Klässner, Hubert Schirneck und Moritz Gause.
  • Präsentation von Kunstdruck-Editionen.
  • Das Osterburg Quartett führt Kompositionen von Joachim Beez (UA), Johannes K. Hildebrandt (UA), Thomas Nathan Krüger, Peter Helmut Lang, Achim Müller-Weinberg und Reinhard Wolschina auf.

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Wartezimmer mit Dackel.

Das Glockenspiel des Bartholomäusturmes. Der Nadeldrucker für Rezepte. In der Etage über uns laute Schritte. Still ist es nie im Wartezimmer. Die Schwester spricht mit einem Patienten. Er gibt sich nicht zufrieden mit der Wartezeit. Es ist extra früher aufgestanden, damit er vor dem Mittag wieder nach Hause kann. Das wird heute knapp. Er lässt sich einen Termin ausstellen und geht. Der Versuch die Tür zu knallen, wird vom Türstopp ab absurdum geführt. Ein oder zwei Flüche auf dem Gang hinterlässt er noch. Kurz herrscht Ruhe. Es folgt der Auftritt einer Dame. Schwerer Gang. Sachte Bewegungen. Es ist, als bette sie die Gegenstände auf den Tresen. Auf dem Arm, in einen kleinen Pullover gewandet, trägt sie einen Hund. Zu sehen sind nur die Nasenspitze und Zunge, der Rest verschwindet irgendwo zwischen Frauchens Arm und Busen. Sie bekommt ein neues Rezept ausgestellt. Schaut sich langsam um. Ein stetes Lächeln erhält jeder von ihr, der den Blickkontakt riskiert. Der Dackel gräbt sich frei. Wir hören ihn Bellen. Nicht laut, fast distinguiert. Ein Tier auf Zimmerlautstärke. Ein Zischen von Frauchen stellt die Ruhe im Tier wieder her. „Entschuldigen sie, Jackman ist noch so verspielt. Und die ungewohnte Umgebung, sie wissen ja, das regt die kleinen Geschöpfe immer so auf.“ Kleine Geschöpfe hat sie gesagt. Es fällt nicht schwer sich vorzustellen, was sie für das Tier empfindet. Es ist nicht einfach ein Hund für sie. Es ist Beistand, Stütze. So erscheint die Szene wie aus einem einem Lewitscharoff-Roman. Nicht der Mensch ist es, der das Tier pflegt. Es ist der Dackel, der sich auf den Menschen einstellt. Das geht über gewöhnliches Aufmuntern hinaus. Es stellt sich eine Symbiose ein, die man gut nachempfinden kann. Versuche sie zu verstehen gehen fehl. Die Schwester schaut auf. Eine leise Heiterkeit um die Augen. „Jackman heißt er?“ „Ja, richtig. Ich empfand diesen Namen als sehr passend.“ „Ist er so ein Wilder?“ „Ein Wilder? Wie muss ich die Frage verstehen?“ „Wegen Jackman, ich dachte… .“ „Nein, nein. Ich dachte zuerst, ich nenne ihn Jack. Das war mir dann aber schlicht zur kurz. Eine Silbe, wie bei einem Husten. Aber Jack sollte es sein. Da kam ich auf Jackman.“ „Wie der Schauspieler.“ „Ein Schauspieler? Ein Guter? Ich kenne ihn nicht. Was spielt er? Auf welchen Bühnen?“ „Nicht Bühnen. Filme, Kino.“ „Ah. Sehen sie, daher kenne ich ihn auch nicht. Ich schaue selten Filme. Früher ja, aber heute? Die sind mir alle zu grell. Aber dieser Jackman ist ein Guter?“ „Na ja. Er ist wandlungsfähig.“ „Ganz wie meiner.“ „Ihr Rezept. Sie kennen die Dosierung ja.“ „Ja, ich habe Erfahrung. Leider.“ Ein kurzes Lächeln. Irgendwie zehrt es an einem. „Ich danke Ihnen. Ich komme dann wieder in einem oder zwei Monaten.“ „Genau, sie wissen ja wo sie uns finden.“ „Gewiss. Einen schönen Tag wünsche ich.“ Jackman lässt die Zunge noch einmal sehen. Sie geht die drei Schritte zur Tür in Zeitlupe. So übertrieben bedacht wirkt jede Regung. Die Tür gleitet hinter ihr zu.

Wer hat die Zeit geklaut?

Heute einmal außer der Reihe: Ein Blick auf einen Blog der alltäglicher und damit lebendiger kaum sien könnte – heute ein Beitrag zu Leben, Arbeit und Kind. Danke Jördis für die Einblicke.

Avatar von salzigeswasserSchnupplon

Es ist also soweit: Seit zwei Wochen drehe ich mich wieder mit – im Hamsterrad der freien Marktwirtschaft: Die Elternzeit ist vorbei. Ich arbeite – Vollzeit. Meine Tochter ist jetzt 14 Monate alt und besucht von 9 Uhr morgens bis 17.30 Uhr einen Kindergarten – mehr als acht Stunden. Dass unser Kindergarten verlängerte Öffnungszeiten hat, ist Fluch und Segen zugleich. Ohne diese Öffnungszeiten könnte ich meinen Beruf nicht mehr ausüben. Leider bedeuten die Öffnungszeiten auch, dass sich Arbeitskollegen und Chefs darauf verlassen, dass ich länger bleibe.

Es ist verblüffend, wie viele Menschen zu mir gesagt haben: Wieso arbeitest du denn nicht Teilzeit? Oder: Kannst du nicht einfach früher Schluss machen. Der Vater meiner Tochter hörte solche Fragen nicht. Wo wir wieder beim Thema Emanzipation und Gleichberechtigung wären, aber dazu habe ich mich ja bereits ausgelassen („Was willst du Bitch“).

DSC_0178 (2)Ich hatte Angst vorm Wiedereinstieg, Angst davor, keine Zeit mehr für…

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Der Wagen

Ein Donnerstag. Beste Einkaufszeit. Durch die gut gefüllten Gänge eines Großmarktes schieben sich Paarem Mütter mit Kindern. Einige Menschen tragen ihre Einkäufe auf den Armen. In der Sportwarenabteilung stellt ein junges Mädchen Laufschuhe zurück in das Regal. Sie greift nach weiteren Paaren, stellt sie ab. Mit einem skeptischen Kopfschütteln, wendet sie sich einem kräftig gebautem Herren, um die vierzig, zu. Er trägt eine Stielpfanne und eine Aktenordner unter den Armen. Vor einem Einkaufswagen bleibt er stehen: „Wann hast du denn das alles da reingepackt?“ Seine Tochter schaut ihn an. „Ach Papa, wir haben doch gar keinen Wagen.“ „Bist du sicher?“ „Das Bier sieht ganz nach mir aus.“ Er legt die Pfanne und den Ordner in den Wagen. „Was tun sie da?“ „Meinen Einkauf einpacken.“ „In meinem Wagen?“ „Oh, ich hätte schwören können…“ „Papa, wir haben keinen Wagen.“ Er kratzt sich am Hinterkopf, nickt. „Du hast Recht, das war letzte Woche.“ Der Vater nahm die Waren wieder an sich. Seine Tochter läuft neben ihm her, Richtung Kasse. Hinter ihnen folgt eine junge Frau mit üppig gefülltem Einkaufswagen: „Könnt ihr mal warten? Wo wollt ihr denn hin?“

Neunzig

Wie fahren mit der Linie 4 in Richtung des Flughafens. An der Haltestelle Theater: Auftritt eines älteren Herren. Schlank und aufrecht betritt er die Bahn, setzt sich auf den für ihn geräumten Platz. „Hach, wieder so ein Tag. Kennen sie?“ Die junge Frau nickt. „Ja, auch die Jungen schon. Immer so Tage. Na, nun bin ich schon 90 und habe keine Idee, wie ich das gemacht habe.“ Die junge Frau lächelt und nickt respektvoll. „Aber mir geht es gut und da lasse ich auch nicht dran rütteln.“ „Finde ich gut.“ „Ach, ich habe ja schon alles hinter mir.“ „Sie sind aber noch sehr fit.“ kommentiert die junge Dame. „Ach klar. Warum auch nicht.“ Sie nickt wieder, ergänzt: „Und sie lassen sich die Laune nicht verderben.“ „Woher denn. Ich habe alle Operationen schon gehabt. Auf meinem Bauch ist kein Platz mehr zum Aufschneiden, also kommt da nichts mehr.“ Beide Lachen. Er schwingt sich auf, verlässt mit einem Lächeln die Bahn.

Fahrt

Gesichter konzentriert auf Smartphones und Magazine. Räuspern in trockener Luft. Das Zischen der Wasserflaschen. Nebendraußen Schallschutzwände, ein Feld. Sie sagte nichts. An den Stationen sah sie auf, zählte mit den Fingern wie weit. Sie zählte Rückwärts. Bald reichte eine Hand aus. Finger geklappt in den Handteller. Hier war es. Die Stufen waren hoch. Ich half ihr. Sie ließ mich gewähren. Der alte Koffer mit den Städtenamen. Hamburg, Kopenhagen, Amsterdam, London. Sie wusste genau, was folgen würde. Ein Taxi hielt auf ihr Zeichen. Wir kamen durch die kleine Stadt. Breite Alleen im märkischen Sand. An einer Zelle hielten wir, sie meldete sich ab. Der Monat würde noch gezahlt. Das alles kein Problem. Und ja, so sicher wie lange nicht mehr. Ganz allein ihr Entschluss. Zurück im Wagen sah sie mich an und nickte. Zwischen zwei Weilern der letzte Halt. Der Fahrer reichte ihr das Gepäck. Befragte mich, befragte sie. Alles ganz sicher, beruhigten wir ihn. Winken, dann fuhr ich zurück.

Dieser Text erschien zuerst auf 1000Zeichen.de

„Gute Frau“

Gegenüber einer Schankstelle in einer mitteldeutschen Großstadt. Es ist Sommer, noch nicht heiß. Die Schankstelle reich bevölkert mit durstigen Männern. Auf der anderen Straßenseite verlässt eine Dame ihr BMW Cabriolet. Sie ist auffallend schlank, trägt ein schwarzes Kostüm. Ihre dunklen Haare sind streng nach hinten gekämmt. Bei sich führt sie eine Boutique-Tasche. Die Herren werden aufmerksam. Der erste zeigt ein leichtes hochschätzendes Nicken. An den Leergutcontainern angekommen, schaut sich die Dame verstohlen nach allen Seiten um. Sie holt langsam eine geleerte Flasche Pfefferminzlikör aus der Tasche. Von der anderen Seite: „Gute Frau, das muss ihnen nicht peinlich sein, das passiert allen mal.“ Sie reagiert nicht und holt Stück für Stück sechs weitere Flaschen aus der Tasche. „Donnerwetter. Da hatten sie aber guten Durst.“ Sie schaut herüber und lächelt: „Ich war zwar aus der Übung. Aber das habe ich noch geschafft.“ „Respekt.“ Heiterkeit in der Schankstelle, Heiterkeit im BMW Cabriolet. Ein guter Start in den Feierabend.

Hartes Urteil

Ein Skaterplatz in einer Thüringer Stadt. Es gibt die üblichen Longboarder, BMXer und Randchicas.
Einer der Bretterhühnen verlässt die Halfpipe. Das Sportgerät unterm Arm geht er zu den Mädels.
Eines der Mädchen steckt das Smartphone weg, läuft auf ihn zu und will ihn umarmen. Er stößt sie beiseite.

„Was willst du denn?“
„Kuscheln.“
„Und warum jetzt?“
„Weil es schön ist.“
„Ne, komm mal klar. Ich kuschel nicht mit dir in der Öffentlichkeit.“
„Aber im Bett oder was?“
„Alte, du bist mein Sommerloch. Dachte das wäre logisch.“

Synchron bewegen sich ihr linker Arm und ihr rechtes Bein. Dem Schlag ins Gesicht, folgt ein Tritt in die Körpermitte.
Zusammen mit ihren Freundinnen hinterlässt sie die Reste eines großen Egos.

Neue Lieblinge – Bei Facebook gesammelt

Neue Verben:

schischan

selfien

appen

 

Neue Beziehungsformen:

Vergeben mit mein Handy

Vergeben mit Facebook

Single bis auf meine Facebookbitches

Verheiratet mit Apple, aber nur bis Galaxy S6

 

Schlagender Dialog:

„Du hast so schöne blaue Augen.“ „Du auch gleich.“

„Du hast so schöne blaue Augen.“ „Du hättest den anderen sehen sollen.“

 

Beschreibung:

Mein Traummann soll Groß. Blaue Augen und Muskeln. Er sollte Humor, Schlau und Nett. Er muss treu, sonst ist bald Schluss.

 

Schaudort möchte wachsen

 

Was möchtet ihr in Zukunft gerne auf SchauDort lesen oder sehen? Die neue Kategorie wird zu einer monatlichen Rubrik.