Einen Vorteil hat es fett zu sein: Auf dicke Hose machen geht ohne besondere Anstrengung.
Kategorie: Blicke
Kompetenzen
Neulich auf dem Bolzplatz. Der große Bruder im Bayerntrikot mit Riberyaufschrift versucht den Ball zu jonglieren, schießt und trifft den kleinen Bruder im Gesicht. Der kleine Bruder beginnt zu maulen: „Warum bin ich immer im Tor?“ „Einer muss ja da sein.“ Der Größere holt sich den Ball will wieder schießen, der Kleine verlässt den Kasten. „Ich will aber auch richtig mitspielen.“ „Du kannst doch kein Fußball.“ „Und warum muss ich dann im Tor stehen?“ „Na ja, du kannst halt stehen.“
Hintergründe
Soeben wollte ich eine kleine Episode des Erfurter Zusammenlebens abtippen, da schaut ein Junge, ungefähr 8 Jahre alt, sehr aufmerksam auf den Bildschirm meines Laptops: „Du, sag mal, bist du Tierpfleger oder so?“ Ich verneinte. Er zog seine Mutter hinzu. „Mama, guck mal, der hat Grillensex auf dem Computer.“ Ich schaue mir die Aufnahme selber an und musste feststellen, der Junge hatte Recht. „Warum hast du das da drauf?“, fragte er weiter. „Ich fand das Foto einfach schön.“ „Mama, der findet Grillensex schön.“ Die Aufmerksamkeit in der Bahnhofsbäckerei verlagerte sich zusehends in Richtung meines Rechners. „Junger Mann, was erzählen sie da eigentlich meinem Sohn“ „Nichts weiter. Nur eben, dass ich dieses Foto als Hintergrund verwende, weil ich es sehr ansprechend finde.“ „Ach! Und über die Hintergründe ihres Hintergrundes haben sie sich keine Gedanken gemacht.“ Ich gab zu, dies sei nicht der Fall gewesen. Der Junge lachte mich weiter an. Zwei Damen, ca. 30, aus ihrer Diskussion über die optimale Farbe von Preiselbeermuffins gerissen, lachten mich aus. Der Zugbegleiter nebenan betrachtete mich mitleidig.
Indianer
Die weihnachtliche Kulisse des Erfurter Angers wurde am heutigen Tag durch etwas Folklore bereichert. Vor Martin Luther spielte einmal mehr ein emsig tanzender Indianer auf seiner Panflöte gegen die Kälte an. Ein kleiner Junge stand mit seiner Mutter, die emsig das Taschensortiment eines hiesigen Lederwarenspezialisten begutachtete, in der Nähe und plante seine Zukunft folgendermaßen:
„Mama, wenn ich groß bin, dann will ich auch so ein Panflötenindianer werden.“ „Sag noch mal sowas – und du wirst nicht groß.“ Die Mutter fand keine Tasche nach ihrem Geschmack.
Wirtschaftsweise
Eine Mutter besteigt mit ihren Söhnen in Neudietendorf den Zug. Die Beiden hängen am Fenster. Der Größere, ungefähr zwölf, zeigt häufiger auf Dinge, die ihm auffallen. Der Kleinere, ungefähr acht Jahre alt, nickt dazu. Am Bahnhof Vieselbach entdeckt der ältere Bruder eine größere Baustelle: „Da hinten baut Zalando das neue Lager.“ Der Kleine kratzt sich am Hinterkopf: „Warum sieht das denn nicht aus wie ein Zalandokarton.“ Der Große denkt kurz nach, grinst: „Weil es dann zu viele Unfälle gibt, wenn die Frauen immer schreien, weil sie so einen Karton sehen.“ Der Kleine schüttelt den Kopf: „Dann muss halt noch einer eine Werkstatt daneben bauen.“
Hasen und Hühnerbrüste
Des Morgens in einem ortsansässigen Geflügelfachgeschäft: „Aber das ist schon sehr teuer.“ „Dafür hat er ja zwei Kilo.“ Sie wiegt den Hasen noch einmal mit den Händen. Einmal aufwertend nach unten gezogene Mundwinkel mit einhergehendem knappem Nicken suggerieren ihre Wertschätzung für das Ergebnis. „Nein. Das geht nicht. Das ist zu teuer. Haben sie keinen anderen?“ „Nein, nur diesen.“ „Darf ich mal mit dem Filialleiter reden?“ „Das bin ich!“ „Sie haben zu wenig Hasen.“ „Aha.“ „Dann nehme ich eben Hühnerbrüste. Zwei so.“ „Konventionell oder Bio?“ „Ist Silikon schon so weit, dass es Bio ist?“ „Damit ist die Haltung umschrieben. Bio heißt…“ „So wie ihre halt.“ „Was meinen sie?“ „So wie ihre halt!“ „Was erlauben sie sich?“ „Ich will doch nur Biobrüste.“ „Aha. Also Hühnerbrüste wie meine?“ „Ja.“ „Also erlauben sie mal.“ Er geht, abwinkend. Verärgert hält er der nachfolgenden Kundin die Tür auf: „Seien sie vorsichtig. Die verstehen keine Komplimente.“
moderne Zeiten
Vater und Sohn betreten das Abteil. Sie sind etwas außer Atem. Der Rollkoffer als Bremsgewicht, wurde der Weg zum Zug eine Tortur. Nach fünf Minuten zückt der Sohne sein Handy. „Oh, du hast auch so ein Smartphone. Was macht man eigentlich damit?“ Der Sohn hebt den Zeigefinger: „Warte eine Sekunde. Ich will dir was zeigen.“ Er hält seinem Vater das Telefon sehr knapp vor die Augen. „Du hast Nacktbilder von Männern…“, schaut sich um, bemerkt die aufmerksamen Blicke, leiser: „Du hast Nacktbilder von Männern auf deinem Handy? Bist du schwul?“ Kopfschütteln: „Ähm, nein. Schau mal genauer hin.“ „Denkst du ich bin schwul?“ „Nein, was hast du nur mit schwul. Schau doch einfach.“ Der Vater rückt die Augen noch näher an den Screen. „Oh.“ Er verändert die Farbe seiner Gesichtshaut: „Wann?“ „Das war als du mit Onkel Olaf zum Männertag die Frauen beeindrucken wolltest.“
selber einmal geschaut
Diamantenwelt
Später Abend. Licht und Bläue aus Fenstern. Eine Bushaltestelle und zwei Menschen. „Ich habe gestern meiner Freundin einen hammer-romantischen Brief geschrieben.“ „Einen Brief? Wie süß.“ Mir ausladender Geste: „Ja, hab ihr geschrieben, sie sei so schön wie Diamanten am Himmel.“ Lachend: „Alter, du hast nen Schaden.“ „Warum.“ „Denk mal über deine Scheiß-Diamanten nach, du Hoden. Wenn die am Himmel hängen kommst du nicht dran und wenn du dran kommst, weil sie runterfallen, hauen sie dir den Schädel ein.“ Steht auf: „Du hast recht. Fuck!“
Körperliche Nähe
Wer niemals einmal kuscheln mag, gehört in einen Eichensarg



