Verwicklung – Kürzestdrama

Josef: Allein?
Gretel: Er.
Josef: Zieh!

– Ende –

Inspiration

Wie immer werktags gegen 18.00 Uhr ist der Regionalexpress zwischen Jena und Erfurt gut gefüllt. Fahrradkohorten und eine Dänische Dogge tragen ihr Übriges bei zur Verschärfung der Situation. In Weimar drängelt sich ein junger Mann durch die dichtgeschlossenen Reihen. Er ist schlank, trägt einen 3-Tage-Bart, Skinny Jeans. Insgesamt der Typ Soft-Hipster. Bei einer jungen Frau, die bereits die gesamte Fahrt über mit großer Bangigkeit ihren Rollkoffer fixiert hält, trifft er auf ein besonderes Hindernis. Er hebt seine Tasche an, lehnt den Oberkörper leicht nach vorne, schiebt behände das linke Bein an ihrem Leib vorbei. Was nun folgt, rechnete er nicht ein. Die junge Frau putzt sich die Nase. Dabei kommt es zu einer ruckartigen Lageveränderung ihres Oberkörpers. Vehementer noch ihr Aufschrei ob der ungewollten Nähe fremder Gliedmaßen.

– Sagen Sie, was fällt Ihnen ein?
– Ein Gedicht.
– Wie, ein Gedicht. Wollen Sie mich verarschen?
– Ich ging im Zug so für mich hin/ ihn zu verlassen war mein Sinn/doch ist im Weg die holde Maid/nicht nur ihr Koffer ist sehr breit.

Schneller als sich die Mimik der jungen Frau an das Gehörte anpassen kann, ist der Künstler breits auf der Treppe, steht auf dem sicheren Weimarer Boden. Barocker Vergeltung konnte er so entgehen.

Auslegung

Elias Cupcake: Hey.
Justin Dustin: Hej.
Elias Cupcake: Wie gayts?
Justin Dustin: Geht.
Elias Cupcake: Waschlos?
Justin Dustin: Allein.
Elias Cupcake: Kenn ich. So schlimm?
Justin Dustin: Ja schon.
Elias Cupcake: Sorry.
Justin Dustin: Ja so übel. Wenn meine linke Hand dazu kommt, nenne ich es Orgie.
Elias Cupcake: Hahahahaha.

Photoshop

Conny Krümelcore: Schon wieder ein bearbeitetes Foto?
Arthur Zwiebelthrone: Ja und.
Conny Krümelcore: Lappen. Warum machst das immer?
Arthur Zwiebelthrone: Y not?
Conny Krümelcore: Weil es halt nervt. Zeig dich doch wie du wirklich aussiehst.
Arthur Zwiebelthrone: Hab ich doch.
Conny Krümelcore: Denke das Bild ist gefaket.
Arthur Zwiebelthrone: Ja.
Conny Krümelcore: Waschnu? Ja oder nein.
Arthur Zwiebelthrone: Jo, ich habe das Handy gefaket.
Conny Krümelcore: Das I-Phone? Warum das.
Arthur Zwiebelthrone: Hab gar kein I-Phone. Nur ein Huawei.
Conny Krümelcore: Oh, aso. Da versteh ich den Fake.

Persönlichkeitsveränderung

Eine Veränderung meiner Persönlichkeit wurde angesprochen:
– Du hast dich verändert.
– Habe ich nicht bemerkt.
– Doch, du bist nicht mehr so witzig.
– Ich war witzig?
– Ja, aber jetzt nicht mehr.
– Und was ist anders als früher?
– Du machst gar keine Smileys mehr in deine Nachrichten.

Die Schönheit von Erfurt

Auf dem Weg zum Petersberg, dem klassischen Treffpunkt der Erfurter in der Silvesternacht, unterhalten sich zwei Zugereiste über die Vorteile der Stadt.
– Ich find Erfurt ja schon gut.
– Jo, mir gefällt es auch so.
Er zündet eine Rakete, lässt sie aus seiner Hand starten.
– Ich meine, hier oben guter Blick, so auf die ganze Stadt und Feuerwerk.
– Jo, aber ich mein was ganz anderes. Ist erst später wichtig.
– Was meinst?
– Beim Kotzen dann.
– Was hat die Stadt mit Kotzen zu tun?
– Pass auf…
Er nimmt einen Zug aus der Flasche Goldene Aue Saurer Apfel. Holt mit den Armen weit aus.
-…wenn du in Erfurt kotzt, dann ist das gut.
– Verstehe nicht.
– Jo Bro, weil wenn du hier kotzt, siehst du schöne Häuser dabei.
– Und was ist da jetzt gut dran?
– Das war das Gute.
– Verstehe ich nicht.
– Dann pass auf…
Er nimmt einen Zug aus der Flasche Goldene Aue Saurer Apfel. Holt mit den Armen weit aus und schaut sich um.
-…wenn du hier kotzt, dann kotzt du nicht im Ghetto. Heißt halt, es liegt nicht am Ort.
– Aha, und?
– Du Lappen. Wenn du hier kotzt, ist es halt wirklich, weil du zu bist.
– Ah, verstehe. Hand drauf.

Saubert

Ein letztes Mal sind wir auf einem Weihnachtsmarkt. Heute in der Bachstadt Eisenach. An einem beliebten Glühweinstand diskutiert die Ausschenkerin mit ihrem Nachwuchs.
– Oh, warum können wir denn nicht noch einen trinken?
– Jetzt geht endlich, ihr steht schon seit gestern Abend hier und sauft meine Einnahmen weg.
– Wir trinken doch kaum was.
– Verschwindet endlich. Die Leute gucken schon.
– Ja, weil wir dursten müssen.
– Diskutiert nicht, haut ab. Und duscht endlich mal. Ich stehe hier neben dem Glühwein und einem Fischstand und alles was ich rieche, seid ihr.
Die Jungs gehen. Ein Passant gibt noch seine Meinung zum besten.
– Richtig so, junge Frau. Wenn meine Kinder stinken, schicke ich sie auch immer unter die Dusche.

Gegenseitig

Zwei ca. 14 Jährige unterhielten sich heute auf dem Weihnachtsmarkt in Erfurt. Thema war die Homosexualität.
– Wie sehr schwul bist du eigentlich?
– Hm, so voll. Ganz halt.
– Ist da irgendwas anders als bei anderen Jungs?
– Na, ja. Ich schaue manche anders an. Wie, ähm.
Er dreht das Gesicht zur Seite. Denkt nach. Leise:
– Dich.
– Mich? Wie schaust du mich denn an?
Er dreht sich noch ein Stück weiter, senkt den Kopf etwas. Noch leiser:
– Ich finde dich süß?
– Mich?
– Ja.
Er will loslaufen. Seine Beine kennen nur noch die Richtung: Weg von hier. Sein Freund hält ihn fest, zieht ihn an sich heran.
– Cool. Kann ich dir ja verraten, dass ich dich mag.

Weihnachtsmarktwirtschaft

Ein Montagmittag in Erfurt. Den Anger erstickt unter weihnachtlichen Klängen, Glühweinverführungen und Käsefüßen. In einem der Stände werden Wollmützen feilgeboten. Interessiert trete ich an die Verkäuferin heran.
– Guten Tag junger Mann, was kann ich für sie tun?
– Guten Tag. Ich suche eine Mütze für eine Frau mittleren Alters.
– Sind wir ehrlich, habe ich hier nur solche. Aber mir gefallen diese hier besonders.
Sie zeigt mir eine weiße Mütze mit grauer Bommel.
– Ja, ziemlich gut. Was könnten sie mir noch empfehlen?
– Die Grauen gehen auch gut. Aber dieser Glitzerflitter daran.
– Gebe ich ihnen Recht. Würde ihr auch nicht gefallen.
– Diese hier? Schwarz, weiße Bommel.
– Zu dunkel.
Eine weitere Kundin hat sich der Bude genähert. Betrachtet die Szene interessiert.
– Und diese hier?
– Auch wieder Glitzerflitter. Ich nehme die erste, die weiße Mütze.
Die Verkäuferin beginnt zu suchen. Verwundert durchkramt sie die vorgestellten Mützen nach dem ersten Exponat. Die Beobachterin tritt näher heran.
– Was suchen sie denn?
– Eine weiße Mütze für den jungen Mann.
– Die auf ihrer Hand?
Mit einem erleichterten, wie überraschten Lachen erkennt die Verkäuferin ihren Fauxpas.
– Oh ja. Ach wie immer. Es wird Zeit für das Ende des Weihnachtsmarktes.
Die Beobachterin wendet skeptisch ein:
– Aber dann sind sie auch wieder arbeitslos.
– Ja, das stimmt. Junger Mann ihre Mütze. Macht 15 Euro bitte.
– Ich danke ihnen. Auf Wiedersehen.
Die Beobachterin verbleibt noch am Stand.

Bob

– Boah, der Bob macht mich fertig.
– Was los, Süße?
– Der Typ verarscht micht nur.
– Sag halt, ich fahr hin und mach seine Fresse kurz.
– Na, weißt ja, wir kuscheln und so.
– Ja. Und?
– Ich hab da seine Haare zur Seite geschoben. Da waren die.
– Was? What? Wer, sag halt. Knutschflecke. Noch mehr Augen? Tattoos?
– Ne. Trommeln. Badumts. Tsss. Tsss.
– Was jetzt, OMFG sag.
– Augenbrauen.
– WTF? Der Arsch.
– Ja, hab mich getrennt.
– Ich fahr hin, ich schütze dich Süße.
– Ja, mach. Blut.
– Genau. Blut. Haha.