du willst tanzen auf dem Mond
tanzen auf dem Mond
kalt hier und kein Licht
willst sein ein Wirbel
Pirouetten auf dem Mond
das Licht willst du sein
für die Krater
Hertzsprung
willst sein wie der Mond
und kalt an meinen Händen
du willst tanzen auf dem Mond
tanzen auf dem Mond
kalt hier und kein Licht
willst sein ein Wirbel
Pirouetten auf dem Mond
das Licht willst du sein
für die Krater
Hertzsprung
willst sein wie der Mond
und kalt an meinen Händen
Da liegt er flächendeckend
in die Dämmerung gegeben
der Kopf vermischt die Farben
Grau und Weiß und Backstein
Und man könnte denken
Was soll jetzt noch passieren
wenn schon der Schnee zurück ist
Aber auch damit ist es nicht weit her
von Worten und Zahlen verdeckt
ist da Nichts um das Gesicht zu schützen
Es bleiben dir die einzelnen Tauben,
der Kaffeeduft und ein Husten.
Verstecke ich meine imaginären Freunde
Einer in den Kleiderschrank, einer in die Dusche und einer will sicher sein. Er sitzt in der Wäschetrommel.
Bang schauen wir zu Tür und singen leise: Der Lauterbach kommt, der Lauterbach kommt.
Es ist unser liebster Nachtmahr.
Wie sich die Haifischhaut zusammen zieht
Wenn ein anderer Mann in deiner Kehle vergeht
Und er nach kurzem Erschauern fahl wird, sich deinen Schatten zu nutze macht in dem er sich versteckt
Denn er bekam was er wollte und du bekamst was er wollte.
Jetzt in dem Kissen 80×80 als Füllung Daunen und getrocknetes Leben von den Lippen getropft bevor es begann.
Der unplanmäßige Halt deines Zuges
verwährt dir den Umstieg
und so stehst du unter blauem Himmel
umgeben von einer Hundertschaft Güterwaggons
zu wenig Zeit für einen Gang in die Stadt
kaufst du dir ein Büchlein über Ikigai
liest von einem hundertjährigen Sushimacher
der auf Okinawa sein Geschäft aufbaute
mit neuen Ideen jeden Tag den Vögeln abgelauscht
und du spürst die Wärme der Sonne
und das gleichbleibende Surren der elektrischen Spannung
so wie der alte Japaner auf seinem Weg durch Naha
unter dem Rauschen der Bäume
findest du ein Ikigai:
Die Stille am Gleis 2 in Bitterfeld
an einem mäßig warmen Sonntagmittag im Herbst
An die Theke gelehnt, mit großen Gesten
erklärt er die Welt aus Schaum und Wellen
des Biers und Bewegungen im Kehlkopf
es ist wie beim Dart sagt er,
wer immer die Mitte trifft kommt voran
schafft es aber nie ans Ende
da bleibt dann das Quäntchen, die letzte Eins
dann prostet er der Luft zu, dem Automaten
aber den hat er sich abgewöhnt sagt er,
das ist dann so eine Sache von Glück und Statistik
und von Glück verstehe er was
er finde das ist wie bei Daumen erzählt er dem neuen Glas
wenn man die so anguckt, sind die doch auch nicht besonders
wer sagt schon „Du schlimmer Daumen!“ und wo zwei sind
da ist eh einer zu viel hat er von seiner Frau gelernt
er verneigt sich und geht
das Publikum ist ausgetrunken
morgen kommt er wieder
und er weiß schon wen er trifft
Am Ortsrand rollt die Sonne noch Stroh
das langsame Gehen den Radweg entlang
macht uns das Wochenende weit
wie mit Siebenmeilenschritten geht es voran
frisch mit dem Wind um die Wette
und die großen Ideen im Kopf
zwischen den Dörfern machen wir Halt
blicken auf die Äcker
laden kurz auf
jetzt können sie kommen
sollen sie sich doch zeigen
und ihre Geschichten erzählen
wir sind bereit, wir hören zu
wir haben die Halme unter der Nase
Das Schild zu den Mittelalterlichen Fleischbänken
und schon bist du verführt an die Pest zu denken
die von hier – Stadtroda – Pößneck – Ilmenau ihren Weg nahm
und Moderwitz in Quarantäne
mit den Schnabelmaskierten auf Wache
und den schwarzen Fahnen der Warnung
gehen die Schlagbäume nach unten, bleiben zu
weil du denkst, dass es war wie es ist
natürlich wurden die Sauen zerlegt hier
in engster Reihung und die Ringelschwänze liefen fort
gingen in die Häuser, brachten Beulen und Bahren
und Moderwitz versank
wie dein Kopf im Chaos
ihr aber fahrt in die andere Richtung
In Belgien, Mellipark,
sahen wir Madonnas Frozen
einen Frikandelrest zwischen den Zähnen
fuhren wir zu Kanonen und Beton
am Atlantikwall war nicht viel los
nur ein Krater wo jetzt der Imbiss steht
in dem das Frittenfett Wellen schlägt
wie andernorts die See
als man hier vergeblich wachte
Madonna singt weiter gegen Raben an
Zuerst blieb die Musik weg
Gebrüll in Telefone fiel aus
das Hupen wurde weniger
nichts mehr von den Kindern
kein Lachen, kein Schreien
das Rattern der Bahnen vereinzelte sich
wie das Geratter von Kabinentrolleys
es blieben einige Schritte unruhig
immer wieder der Heulton von Sirenen
und mancher versuchte zu singen
dann schritten die Nachbarn ein
die Vögel wurden immer lauter
wie auch die Räderwerke in Uhren
das Fingergras im Fenster
wurde unser Lieblingston
ein Wispern von Wachstum
machte uns hoffnungsfroh
das noch etwas kommt
*Das Beitragsbild zeigt die Installation „Die Welt ist wie ein Puppenspiel“ des Künstlers Roland Lindner in Zeitz.
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