Phrasen III

Miese Wortspiele, die den Autor erfreuen, Teil III

Schimpfen für Ökos:

Solarschloch

Energiewendehals

Veganalschlemmer

Lehre

Ein weiser Mann hat einmal gesagt, dass er glücklicher war, als noch keiner gesagt hatte, er sei ein weiser Mann.

Unerreichbar

„Alter, ich hab mich bei WA abgemeldet.“ „Why ?“ „KB mehr.“ „Dann können wir nur noch über Kik schreiben oder IMVU oder Skype.“ „Jupp.“ „Dislike.  Und über FB und Twitter und instragram. Wie soll ich dich erreichen.“ „Alter. Du wohnst 100 Meter entfernt.“ „Und was, wenn es schnell gehen muss?“ „Ja Mann, meld ich mich wieder an.“

Die Logik des Wortes Volkslied

Vater und Tochter kommen schwer bepackt aus einem Nebeneingang des Erfurter Shopping-Centers „Anger 1“.

–          Papa magst du Volkslieder?
–          Nein.
–          Warum?

Die Tochter bleibt stehen, schaut ihren Vater an. Er überlegt kurz, lenkt ein:

–          Kommt darauf an welche.
–          Magst du „Alle meine Entchen“?

Er stockt.

–          Aber das ist doch kein Volkslied.

Sie schaut ihn wieder an. Kratzt sich kurz am Kopf.

–          Aber was dann?
–          Ein Kinderlied.
–          Gehören Kinder nicht zum Volk?

Es arbeitet in ihm. Etwas verlegen erklärt er:

–          Na ja. Kinder sind ein besonderes Volk.

Sie schüttelt den Kopf.
–          Aber Papaaaaaa. Das stimmt doch nicht.
–          Warum nicht?
–          Wenn Kinder ein Volk sind, dann sind Kinderlieder doch Volkslieder.

Er lacht.

–          Ertappt.

Held

– Lucky Luke wurde abgeknallt.

Der Fünfjährige hält sein Comicbuch in die Luft.

– Aber der Lebt noch. Kann er nur, weil er ein Held ist.

Seine Mutter lächelt mich entschuldigend an. Sie ergänzt:

– Vielleicht war er auch einfach so schnell, der ist einfach zu Seite gegangen.

– Nein, hier guck. Der wird getroffen.

Er zeigt mir eine Liste von Covern und tatsächlich sieht es aus, als wäre der lonesome cowboy getroffen worden. Erwartungsvoll werde ich von vier Augen angeschaut.

– Hm, ja. Es schaut so aus. Aber wenn du ganz genau hinschaust, siehst du, dass nur sein Schatten getroffen wurde. Den hat er da hingestellt.

– Geht sowas, Mama?

– Ja, das kann er, weil er ein Held ist.

– Glaube ich nicht.

Der Junge schaut wieder mich an.

– Sag du mal.

– Na doch. Genau deswegen kann er das. Guck. Hier kann er machen, dass sein Schatten gegen ihn schießen kann und hier kann er den Schatten eben irgendwo hinstellen.

Er überlegt.

– Und wenn ich einen Schatten mache mit Sonnenschirm?

– Dann bist du ein bisschen ein Held.

Seine Mutter nickt.

– Genau.

– Und wenn ich meinen Schatten rumstellen kann, dann ganz sehr?

Diesmal nicke ich.

– Aber der hat es ja auch gut, der hat immer Sonne. Ich kann nur manchmal ein großer Held sein. Der immer. Unfair.

– Du, wir müssen langsam mal weiter.

Die Mutter schiebt den Sohn ein wenig an.

– Ja gut.

– Wenn mal Sonne ist, dann können wir ja schauen wer der größere Held ist.

– Au ja.

Er nickt, springt und ist verschwunden. Seine Mutter winkt noch kurz.

Beweis. Empirisch.

Die Kassen bei Netto sind unbesetzt. Ein kleines Mädchen, Bauernzopf, rosa Brille, zupft an der Jacke ihrer Mutter. Sie stehen auf Höhe des Zeitschriftenregals.

– Mama, bekomme ich eine Pferdezeitung?

– Mh, was ist das wieder. Magst du jetzt Pferde?

Die Mutter erntet als Antwort ein Kopfschütteln.

– Ich will Justin zeigen, dass er doch ein Pferdegebiss hat.

– Oh, ja. Da kaufen wir eine. Sein Gesicht will ich sehen.

Sie lachen gemeinsam und kaufen eine Wendy.

Phrasen II

Miese Wortspiele, die den Autor erfreuen, Teil II

Sinnlosigkeit durch die Augen eines Jugendlichen:

Das hat doch alles keinen Swag.

Statt Tucholsky

Eine der kleineren Grünanlagen in Erfurt:

Ein sonniger Tag lockt ins Freie. Einen kleinen Band Tucholsky vor der Nase. Das echte Leben im Ohr. „So, hier musst du auspassen.“ Eine Mutter, gertenschlank, aufrecht sitzend im Damensattel und ihr Zögling, etwas pummelig, krumgebeugt auf seinem BMX-Rad, nutzen entgegen der Verkehrsrichtung den Radweg. Die Stimme der Frau klingt entspannt, passt in den Tag. Der Sohn brüllt: „Fahr doch mal lammsam!“ „Ich bin doch langsam. Du musst nur schneller werden.“ Der Abstand zwischen Mutter und Sohn vergrößert sich zusehends und zugegebenermaßen: Sie fährt wirklich langsam. „Jetzt wirst du immer schneller, was soll das?“ „Ich werde nicht schneller. Jetzt mach endlich hin.“ Eine gewisse Reizung nun auch in ihren Tonfall. Der Sohn indessen hat bereits reagiert, das Rad weggeworfen und angefangen zu weinen: „Wenn ich schneller fahr, brech mich mir den Kopf und dann kann ich nie wieder DS zocken.“ Die Mutter fährt weiter, brüllt zurück: „Was bist du nur für ein dummes, fettes Kind. Wer hat dich gemacht. Hä, wer hat dich gemacht.“ „Halt dein Maul.“ Auch die Mutter stoppt. „Was hast du gesagt?“ „Halt dein Maul!“ Immer noch liegen ungefähr hundert Meter zwischen den Beiden, was für die Kraft ihrer Stimmen allerdings kein Problem darstellt: „Wenn du nicht mein Kind wärst, würde ich dich auf der Stelle verprügeln. Aber so können wir nach Hause fahren und Papa nimmt die Hausschuhe dafür.“ Einen Einwand, dass ihr Kind doch aufgrund ihrer Erziehung so entwickelt sei, wischt sie mit der Bemerkung weg: „Das ist die Gesellschaft.Schauen sie sich doch an. Auch fett und dumm. Hängen sich einfach in Sachen rein, die sie nichts angehen.“ Auch das man Kinder nicht schlage, beantwortet sie standfest: „Was kommt denn raus, wenn man Kinder nicht schlägt. Lauter Weicheier. Kleine fette Weicheier. So wird das nichts mit dem Land. Wenn ein Kind eine gelangt bekommt, dann ist das nie falsch.“ Der Sohn war mittlerweile herangekommen, allerdings ohne sein Rad. „Mama. ‚Ntschuldige. Ich wollt das nicht so sagen. Ich war nur böse, weil du so schnell warst.“ Die Mutter plötzlich wieder ruhig: „Ach. Na geht doch. Trotzdem wirst du ‚ne ordentliche Tracht bekommen. Schau dir mal dein Rad an.“ „Aber.“ „Nix aber. Holen. Nach Hause. Schuhe holen.“ Einen weiteren Einwand ließ sie noch zu. Mit einer Handbewegung schob sie nach: „Sie haben keine Kinder. Das sehe ich. Wenn sie wieder sich wieder irgendwo reinhängen wollen, dann sprechen sie mit meinem Mann. Der kriegt sie schon noch kürzer.“

Phrasen I

Miese Wortspiele, die den Autoren erfreuen, Teil I

durch das Päderaster fallen