Gegenseitig

Zwei ca. 14 Jährige unterhielten sich heute auf dem Weihnachtsmarkt in Erfurt. Thema war die Homosexualität.
– Wie sehr schwul bist du eigentlich?
– Hm, so voll. Ganz halt.
– Ist da irgendwas anders als bei anderen Jungs?
– Na, ja. Ich schaue manche anders an. Wie, ähm.
Er dreht das Gesicht zur Seite. Denkt nach. Leise:
– Dich.
– Mich? Wie schaust du mich denn an?
Er dreht sich noch ein Stück weiter, senkt den Kopf etwas. Noch leiser:
– Ich finde dich süß?
– Mich?
– Ja.
Er will loslaufen. Seine Beine kennen nur noch die Richtung: Weg von hier. Sein Freund hält ihn fest, zieht ihn an sich heran.
– Cool. Kann ich dir ja verraten, dass ich dich mag.

Weihnachtsmarktwirtschaft

Ein Montagmittag in Erfurt. Den Anger erstickt unter weihnachtlichen Klängen, Glühweinverführungen und Käsefüßen. In einem der Stände werden Wollmützen feilgeboten. Interessiert trete ich an die Verkäuferin heran.
– Guten Tag junger Mann, was kann ich für sie tun?
– Guten Tag. Ich suche eine Mütze für eine Frau mittleren Alters.
– Sind wir ehrlich, habe ich hier nur solche. Aber mir gefallen diese hier besonders.
Sie zeigt mir eine weiße Mütze mit grauer Bommel.
– Ja, ziemlich gut. Was könnten sie mir noch empfehlen?
– Die Grauen gehen auch gut. Aber dieser Glitzerflitter daran.
– Gebe ich ihnen Recht. Würde ihr auch nicht gefallen.
– Diese hier? Schwarz, weiße Bommel.
– Zu dunkel.
Eine weitere Kundin hat sich der Bude genähert. Betrachtet die Szene interessiert.
– Und diese hier?
– Auch wieder Glitzerflitter. Ich nehme die erste, die weiße Mütze.
Die Verkäuferin beginnt zu suchen. Verwundert durchkramt sie die vorgestellten Mützen nach dem ersten Exponat. Die Beobachterin tritt näher heran.
– Was suchen sie denn?
– Eine weiße Mütze für den jungen Mann.
– Die auf ihrer Hand?
Mit einem erleichterten, wie überraschten Lachen erkennt die Verkäuferin ihren Fauxpas.
– Oh ja. Ach wie immer. Es wird Zeit für das Ende des Weihnachtsmarktes.
Die Beobachterin wendet skeptisch ein:
– Aber dann sind sie auch wieder arbeitslos.
– Ja, das stimmt. Junger Mann ihre Mütze. Macht 15 Euro bitte.
– Ich danke ihnen. Auf Wiedersehen.
Die Beobachterin verbleibt noch am Stand.

Bob

– Boah, der Bob macht mich fertig.
– Was los, Süße?
– Der Typ verarscht micht nur.
– Sag halt, ich fahr hin und mach seine Fresse kurz.
– Na, weißt ja, wir kuscheln und so.
– Ja. Und?
– Ich hab da seine Haare zur Seite geschoben. Da waren die.
– Was? What? Wer, sag halt. Knutschflecke. Noch mehr Augen? Tattoos?
– Ne. Trommeln. Badumts. Tsss. Tsss.
– Was jetzt, OMFG sag.
– Augenbrauen.
– WTF? Der Arsch.
– Ja, hab mich getrennt.
– Ich fahr hin, ich schütze dich Süße.
– Ja, mach. Blut.
– Genau. Blut. Haha.

Dustin der Krieger.

Ein kleiner Junge, ca. 5, unterhält den Erfurter Anger mir Imitationen von Schlachtgeräuschen irgendwo zwischen Alamo und Tatooine.
– Tsch, tsch. Ich kriege euch. Tatatatata. Ich trete euch Kopf. Tsch, tsch. Wusch.
Eine ältere Dame blickt ihn erbost an.
– Warum jagst du die Tauben?
– Weiß nicht. Die nerven.
Die Mutter des Jungen steht nicht weit entfernt. Sie sammelt ihre rosa Strähnen, wischt sie sich aus der Stirn, zieht noch einmal kurz an der Zigarette.
– Von mir hat er es nicht. Sind so, die Kinder in Kindergarten. Sind so, kann man heim auch nicht mehr was tun.
– Aber sie könnten doch jetzt dem Jungen mal sagen, dass er hier nicht so einen Terz machen soll.
– Tsch, tsch. Trrrr. Trrr. Krpffff. Ich trete euch Kopf und dann Blutehals. Ich mach euch weg. Trrrr.
– Dustin. Mach mal Ruhe hier. Du sollst nicht terzen.
– Nö. Trrr. Trrr.
Die ältere Dame schüttelt den Kopf, entfernt sich. Ihre Bahn ist eingefahren und sie entkommt vom Schlachtfeld.
Laut.
– Dustin, mach Ruhe.
– Tsch, tsch.
Lauter.
– Dustin, ich schwör.
– Ich krieg euch.
Noch lauter.
– Dustin ich trete dir Kopf, wenn du nicht ruhe machst.
– Tsch, tsch. Trrr.
Irgendwo zwischen Alamo und Tatooine.
– Dustin, ich mach dich weg, wenn du nicht. Tsss. Ruhe. Tsch.

Freunde

Ein normaler Add-Vorgang und seine Hintergründe.

– Danke fürs Adden.
– Jo. Kein Ding. Woher kenne ich dich?
– Gar nicht, glaube ich.
– Und warum schickst du mir eine Anfrage?
– Ich kenne deinen Vater.
– Was?
– Hab einen Spieler mit deinem Nachnamen in meinem Verein beim Fußballmanager.
– Mein Vater ist tot, du Penner.
– Ach so. Deswegen spielt er so schlecht. Ich verkauf ihn gleich mal.

Hirnzellen

An einem ganz normalen Tag, in einem ganz normalen Social-Network.

Alex Cookiecore: Aller du nervst. Spam einfach jemand anderen voll.
Seth Wayne: Ich spame überhaupt nicht.
Alex Cookiecore: Doch man und wie. Du hast bestimmt mehr Netzwerke und Zeug als Hirnzellen.
Seth Wayne: Wie?
Alex Cookiecore: Bei wie vielen bist denn?
Seth Wayne: Bei einem.
Chan Tal: Hahahaha. Bestes.
Alex Cookiecore: Damn. Bleibt dir ja nicht viel übrig. :3
Seth Wayne: Keks?
Alex Cookiecore: Du kriegst mich immer rum. *_*
Chan Tal: Ich auch. :O
Alex Cookiecore: HDF Bitch.

Phrasen IV – Kreislauf

Wenn alles ein Kreislauf ist, dann möchte ich eine Antwort auf folgende Frage:

Das Internet ändert das Leben radikal.

Früher ging man auf Toilette um einen sein Geschäft zu erledigen. Heute macht man dort Fotos für Social Networks.

Früher ging man zum Fotografen um Fotos machen zu lassen. Heute macht man dort…?

Moment

Dieser Moment, wenn du auch mal etwas mit dieser Moment schreiben möchtest und dir nichts einfällt.

Dieser Moment, wenn du dieser Moment eingibst und einen Moment lang den Moment vergessen hast.

Dieser Moment, wenn du dieser Moment eingibst und einer einen Moment schneller war als du.

Dieser Moment, wenn dieser Moment ein anderer Moment war als dieser Moment.

Rot-Weiß und Grau

Linie 6 verlässt die Stadt. Eine Horde Rot-Weiß Fans beherrscht die Szene. Eine gutgefüllte Bahn mit schlecht gefüllten Mägen. In einer Ecke wird über Bücher diskutiert.

– Mama, da ist das I-Buch wieder.

Die lesende Frau nebenan schreckt aus der Lektüre.

– Meinst du mich?

Das Mädchen nickt. Die Leserin, Mitte 40, ist verwundert und zwinkert.

– Das ist ein normales Buch, wie du siehst. Schau, kein Bildschirm.

– Warum Bildschirm?

Das Mädchen lüpft die Augenbrauen. Die Mutter schaltet sich amüsiert ein.

– Glaube die Frau denkt du meinst E-Book.

– Aber ich habe doch Buch gesagt.

Die Leserin nickt.

– Ja stimmt. Aber was ist ein I-Buch dann?

– Na, wo die so machen.

Das Mädchen schiebt einen Finger durch einen Kreis, den sie aus Daumen und Zeigefinger bildet. Die Mutter lacht laut auf. Die Leserin errötet. Die Rot-Weiß-Fans sind Rot-Weiß-Fans. Die Dame legt die Fifty shades of Grey zur Seite. Einer der Rot-Weiß Fans freut sich.

– Das habe ich auch gelesen. Ging gut ab.

Die Leserin nickt wieder.

Fragen und Antworten

Es ist an euch. Was wollt ihr haben?

 

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