Altbau

da stand wieder deine Meinung
als Barrikade aus Zündhölzern
mir in den Weg gestellt

und jedes Wort Kartoffelstampf
mit gebreiteten Armen abgehoben
getragen von der rhetorischen Welle
und verbrennend Moralin
landest du auf den Füßen – wo sonst

beziehst deinen Altbau
mit deiner gewohnten Position
machst du ihn schick
Gardinen bewahren die Haltung
nur bisweilen hebt sie die Luft
dahinter knöchernd und spillerig du

Short – Februar 1

Pünktlich abgegeben meine Regenerklärung

Die Elster trug schwer dran

So viel Tau war dabei

Und die Wasserperlen am Fenster

Ziehen ihre Bahnen

Versuchen sich als neue Aussicht

Jetzt geht alles über in Eines

Und Regenfäden binden Asphalt an Bäume

Antwort

I

dein Satz gesprochen schlägt die Stille

zwischen Netlix und Dazn

füllte meine Augen

entleerte den Kopf

verkrampfte die Finger

II

giftig atme ich aus

Worte aus Teer im Hals

treten hervor, treten entgegen

hauen, hacken, stechen

machen Rauch aus dir

machen Asche in die ich mich lege

machen noch einmal Wärme

Berlin Hauptbahnhof

Pater Noster

Könntest du unter die Gehwegplatten

fahren mit einem Pater Noster

hinein in Kies und Wurzelwerk

schautest du dort nach Streetart

in den Sedimenten zu sammeln

die Linien der Gesteinsschichten

und Installationen aus Tabakkrümeln.

Aber dein Pater Noster bleibt stecken

Wrigleys in die Haare geklebt

geht nichtmals als Performance durch

Neujahr. Spaziergang.

14 Grad. Du machst dir auch Frühjahr im Kopf.

Neben dem Dom plätschert die Gera und 2022 wird ein Jahr. Bestimmt.

Du siehst den Fisch, der gegen die Strömung kämpft. Wie er sich windet. Pirouetten kunstvoll. Sein Grau fast transluzent.

Ob er vielleicht auf der Jagd ist unter dem Füßen der Ente. Prost Neujahr Fisch, denkst du.

Aber der Fisch ist ein Becher und 2022 wird so ein Jahr. Bestimmt.

Passagen i. Stadt

Dort ist er gestorben, nichts als ein Kommentar zur Geschichte

Werner Söllner

Besoffen treiben im Rieth, im Brühl

Kopf hoch, Lichter am Hotel

Theater macht Nacht

steht da, macht dich Spiegeln im Glas

in den Gärten stille Gesichter blau

beleuchtet von 6,3 Zoll Persönlichkeit

lasst den Dichter doch laufen

Template mit Ortsnamen

spielt er den Lokalen

zeichnet auf, bezeichnet sich

kippt vor, kippt um, kippte zu Viel

lasst ihn liegen als Spur

lasst ihn liegen

er kannte es nicht anders

Weimar Schloss Belvedere, Sowjetischer Friedhof

Autobahn ist lauter als Laub

es ist Herbst am Belvedere

und du atmest durch und tief

der Eingang mit Stern

am Obelisk sitzt du

Hammer und Sichel stützen den Rücken

herum sind Namen und Steine und Grün

dir liegen bratan und khorosho auf der Zunge

das willst du sagen und lässt es

laut genug sind die Vögel, der Wind

laut genug denkst du an ein Land, dass du nicht kennst

Hinterköpfe

I.

Zurückgelehnt die Meisten

Eingelullt vom sanften Airbusrauchen

Über dem Meer versucht so mancher

Das Licht zu fangen und scheitert

Der alternde Playboy in Ehren ergraut

Trägt heute den Skalp gut sichtbar

Gebräunt wie Alle

II.

Es war Sonne, es war Urlaub, es war schön

Und nun auf dem Rückflug beginnen unter der Schädelschwarte

Von neuem die alten Geschichten

Aus dem Hinterkopf hervorgekrämert

Drückt es wie immer auf die Schläfen

Dieses Gewicht, am Morgen noch verdrängt, ist wieder da

Die Kopfhaut spannt sich und nur die Schuppen sind noch leicht

Warteraum

Im Sessel sitzt

Die Maske auf

Die Zeit vergeht im Dauerlauf

Im Buch du liest

Von Wem der schiesst

Und Blut am Straßenrand vergiest

Die Hand zur Faust

Noch hältst du aus

Auch wenn du grimmig umherschaust

Jetzt ist’s vorbei

Die Schießerei

Kann Starten und es regnet Blei

Dann wachst du auf

Und siehst die Tür

Herr Siebert bitte rein zu mir.