Abgeschaut – Johann Wolfgang von Goethe „Die Frösche“*

Sehr viel passender kann man die „Magie“ der Vorsätze für das neue Jahr kaum zusammenfassen.

Ein großer Teich war zugefroren;
Die Fröschlein, in der Tiefe verloren,
Durften nicht ferner quaken noch springen,
Versprachen sich aber, im halben Traum,
Fänden sie nur da oben Raum,
Wie Nachtigallen wollten sie singen.
Der Tauwind kam, das Eis zerschmolz,
Nun ruderten sie und landeten stolz
Und saßen am Ufer weit und breit
Und quakten wie vor alter Zeit.

*Der Titel „Die Frösche“ ist eine spätere Zuschreibung. In der Werkausgabe letzter Hand von 1827 ist das Gedicht Abschnitt 10 unter den „Parabolischen Gedichten“.

|Zitiert nach: Goethe, Johann Wolfgang von: Werke 1, Gedichte, West-östlicher Divan. Insel Verlag 2007, S. 244.

Abgeschaut – Heinrich Heine- „Wenn ich, beseligt von schönen Küssen“

Wenn ich, beseligt von schönen Küssen,
In deinen Armen mich wohl befinde,
Dann mußt du mir nie von Deutschland reden; –
Ich kann’s nicht vertragen – es hat seine Gründe.

Ich bitte dich, laß mich mit Deutschland in Frieden!
Du mußt mich nicht plagen mit ewigen Fragen
Nach Heimath, Sippschaft und Lebensverhältniß; –
Es hat seine Gründe – ich kanns nicht vertragen.

Die Eichen sind grün, und blau sind die Augen
Der deutschen Frauen; sie schmachten gelinde
Und seufzen von Liebe, Hoffnung und Glauben; –
Ich kann’s nicht vertragen – es hat seine Gründe.

| Aus: Heine, Heinrich: Neue Gedichte. Hoffmann und Campe, 1844. Seite 81.

| Digitalisat unter: https://de.wikisource.org/wiki/Wenn_ich,_beseligt_von_sch%C3%B6nen_K%C3%BCssen

Im November

Verstecke ich meine imaginären Freunde

Einer in den Kleiderschrank, einer in die Dusche und einer will sicher sein. Er sitzt in der Wäschetrommel.

Bang schauen wir zu Tür und singen leise: Der Lauterbach kommt, der Lauterbach kommt.

Es ist unser liebster Nachtmahr.

Kurze Freude

Wie sich die Haifischhaut zusammen zieht

Wenn ein anderer Mann in deiner Kehle vergeht

Und er nach kurzem Erschauern fahl wird, sich deinen Schatten zu nutze macht in dem er sich versteckt

Denn er bekam was er wollte und du bekamst was er wollte.

Jetzt in dem Kissen 80×80 als Füllung Daunen und getrocknetes Leben von den Lippen getropft bevor es begann.

Die Stille am Gleis 2 in Bitterfeld an einem mäßig warmen Sonntagmittag im Herbst

Der unplanmäßige Halt deines Zuges

verwährt dir den Umstieg

und so stehst du unter blauem Himmel

umgeben von einer Hundertschaft Güterwaggons

zu wenig Zeit für einen Gang in die Stadt

kaufst du dir ein Büchlein über Ikigai

liest von einem hundertjährigen Sushimacher

der auf Okinawa sein Geschäft aufbaute

mit neuen Ideen jeden Tag den Vögeln abgelauscht

und du spürst die Wärme der Sonne

und das gleichbleibende Surren der elektrischen Spannung

so wie der alte Japaner auf seinem Weg durch Naha

unter dem Rauschen der Bäume

findest du ein Ikigai:

Die Stille am Gleis 2 in Bitterfeld

an einem mäßig warmen Sonntagmittag im Herbst

Vorbereitung

Am Ortsrand rollt die Sonne noch Stroh
das langsame Gehen den Radweg entlang
macht uns das Wochenende weit
wie mit Siebenmeilenschritten geht es voran
frisch mit dem Wind um die Wette
und die großen Ideen im Kopf

zwischen den Dörfern machen wir Halt
blicken auf die Äcker
laden kurz auf

jetzt können sie kommen
sollen sie sich doch zeigen
und ihre Geschichten erzählen


wir sind bereit, wir hören zu
wir haben die Halme unter der Nase

Bei Moderwitz

Das Schild zu den Mittelalterlichen Fleischbänken

und schon bist du verführt an die Pest zu denken

die von hier – Stadtroda – Pößneck – Ilmenau ihren Weg nahm

und Moderwitz in Quarantäne

mit den Schnabelmaskierten auf Wache

und den schwarzen Fahnen der Warnung

gehen die Schlagbäume nach unten, bleiben zu

weil du denkst, dass es war wie es ist

natürlich wurden die Sauen zerlegt hier

in engster Reihung und die Ringelschwänze liefen fort

gingen in die Häuser, brachten Beulen und Bahren

und Moderwitz versank

wie dein Kopf im Chaos

ihr aber fahrt in die andere Richtung

Fundstücke – Ein Penny in Tschechien wird bewertet

Bei der Suche nach einem netten Lokal für einen Wochenendausflug in das böhmische Bäderdreieck bin ich über interessante Bewertungen gestolpert. Nach den ersten Lachern meinerseits, weitete ich die Suche aus und möchte ein Paar Highlights präsentieren.

Diese besonderen Übersetzungen aus dem Tschechischen verdanken wir den kreativen Google Translator.

„so gibt es ein Kampf- und Zerstörungsderby mit Körben: D.“ 

  • Familienmannschaft von Arbeitern, die an ihrem Platz sind !! Ich empfehle, in den Tagen der Rabatte und Veranstaltungen zu besuchen! Ich habe heute 7 Mais und 40 Heller gerettet !!
  • Das schlechteste Geschäft, das ich kenne. Es gibt ein Durcheinander von Anarchie. Terror und Angst.
  • Lass uns den Pyva essen und die Pollenfeste essen, dann haben sie es gemacht, Gurke und Stock, sie waren total übel !!!!
  • Lebensmittelladen für alle Ihre Bedürfnisse. Es gibt auch viel Bier, was schön ist.  
  • Sehr wenig Platz zum Einkaufen, wenn mehr Leute da sind, so gibt es ein Kampf- und Zerstörungsderby mit Körben: D.  
  • Viele Leute und nur zwei Kassierer gingen hin.  
  • Ich habe dort ein Getränk gekauft, also habe ich es satt, 10/10 zu dehydrieren.  
  • Penny Market ist überall gleich, sie haben nichts damit zu tun. Und direkt neben dem Walk of Agrofert, wo sie böse und teure Sandwiches haben.

PIX – Wendelstein

Das Erlebnis Wendelstein beginnt im Idealfall mit einer Fahrt in der Zahnradbahn (Preis Hin-Rückfahrt für Erwachsene 37 Euro). In 30 Minuten geht von 508 Metern über NN bis auf 1723 Richtung Gipfel. Unterwegs bieten die vielen Kurven großartige Aussichten.

Oben angekommen sollte man sich als erstes zum „Gacher Blick“ stürmen. Der Blick von hier bietet ein Panorama über den Wilden Kaiser, den Großglockner, das Karwendel- und Wettersteingebirge bis hin zur Zugspitze. Quasi direkt daneben findet sich die Wendelsteinkirche. Als Deutschlands höchstgelegene Kirche wurde sich 1890 geweiht. Ohne das Engagement des Münchner Kunstprofessors Max Kleiber, hätte es sie wohl nicht gegeben. Nicht nur sammelte er Spenden für die Errichtung, er sorgte auch für den Baugrund. Letzlich ließ er es sich auch nicht nehmen das Kreuz eigenhändig den Berg heraufzutagen.

Wer etwas Zeit mitgebracht hat, sollte sich die Wendelsteinhöhle anschauen. Interaktiv wird hier die Entstehung der Höhle aufbereitet. Bemerkenswert ist diese vorrangig, dass die Höhle heute einige hundert Meter oberhalb des Flussniveaus liegt. Die Höhle muss also bereits vor der Auffaltung der Alpen entstanden sein.

Nach der Höhle sollte man sich auf der Bergterrasse vor dem Wendelsteinhaus ein kühles Blondes gönnen und die Aussicht genießen. Übrigens Vorsicht: Im Sommer besteht verstärkte Sonnenbrandgefahr, trotz relativ frischer Temperaturen.

Auf dem höchsten Punkt des Gipfels thront die 1941 eröffnete Sternwarte. Für Besucher nur im Rahmen von Führungen (Freitag 14:00 und 15:00 Uhr, zwischen Juni und September) besuchbar, sucht die Universitätssternenwarte heute nach extrasolaren Planeten und Erscheinungen wie dunkler Materie.

Atlantikwall bei Sturm


In Belgien, Mellipark,

sahen wir Madonnas Frozen

einen Frikandelrest zwischen den Zähnen

fuhren wir zu Kanonen und Beton

am Atlantikwall war nicht viel los

nur ein Krater wo jetzt der Imbiss steht

in dem das Frittenfett Wellen schlägt

wie andernorts die See

als man hier vergeblich wachte

Madonna singt weiter gegen Raben an