Welch helle Töne hallen aus der Ferne!
Wie wird′s auf einmal mir so weh, so bang!
Zum Kirchgang laden freundlich alle Sterne
und ruft der Kerzenschein und Orgelklang.
- Täglich ein kleines winterliches oder weihnachtliches Gedicht bis zum 24.12.2021.
Welch helle Töne hallen aus der Ferne!
Wie wird′s auf einmal mir so weh, so bang!
Zum Kirchgang laden freundlich alle Sterne
und ruft der Kerzenschein und Orgelklang.
Uns hât der winter geschât über al:
heide unde walt die sint beide nû val,
dâ manic stimme vil suoze inne hal.
saehe ich die megede an der strâze den bal
werfen! sô kaeme uns der vogele schal.
Möhte ich verslâfen des winters zît!
wache ich die wile, sô hân ich sîn nît,
daz sîn gewalt ist sô breit und sô wît.
weizgot er lât ouch dem meien den strît:
sô lise ich bluomen dâ rîfe nû lît.
Übersetzung von Richard Zoozmann (1863-1934)
Winter allorts uns mit Schaden bezwang,
Kahl ist der Wald und die Felder sind blank,
Wo einst so lieblich manch Stimmlein erklang!
Würfen die Mägdlein erst Straßen entlang
Wieder den Ball, kläng auch Vogelgesang!
Könnt ich verschlafen im Winter die Zeit!
Wach ich indessen, so schafft es mir Leid,
Daß er sein Zepter so weit schwingt und breit!
Endlich besiegt ihn der Mai doch im Streit:
Blumen dann pflück ich, wo heut es noch schneit!
Aus Nebellüften gaukeln lichte Flocken
Hernieder auf die ausgestorbne Fläche,
Vom Eise starren Seen, Flüß‘ und Bäche
Und alle frischen Lebenskeime stocken.
Da schleicht der Lenz heran auf grünen Socken,
Daß er die Kraft des alten Rieden breche,
Daß er den Mord der tausend Blüten räche,
Und wirft den grimmen Feind mit Blumenglocken.
Wie tröstlich ist’s, in winterlichen Schauern,
Und in der Wesen allgemeinem Trauern
Zu wissen, daß ein neuer Frühling grüne;
Doch düster schattet eine Wetterwolke
Verfinsternd über einem ganzen Volke,
Und ohne daß ein Rächer ihm erschiene!
Wie naht das finster türmende
Gewölk so schwarz und schwer!
Wie jagt der Wind, der stürmende,
Das Schneegestöber her!
Verschwunden ist die blühende
Und grüne Weltgestalt;
Es eilt der Fuß, der fliehende,
Im Schneefeld nass und kalt.
Wohl dem, der nun zufrieden ist
Und innerlich sich kennt!
Dem warm ein Herz beschieden ist,
Das heimlich loht und brennt!
Wo, traulich sich dran schmiegend, es
Die wache Seele schürt,
Ein perlend, nie versiegendes
Gedankenbrauwerk rührt!
Die Kälte kann wahrlich brennen
Wie Feuer. Die Menschenkinder
Im Schneegestöber rennen
Und laufen immer geschwinder.
Oh, bittre Winterhärte!
Die Nasen sind erfroren,
Und die Klavierkonzerte
Zerreißen uns die Ohren.
Weit besser ist es im Summer,
Da kann ich im Walde spazieren,
Allein mit meinem Kummer,
Und Liebeslieder skandieren.
Vor kurzem nahm ich mir endlich einen 2019 in Albufeira gekauften Lyrikband „Lissabonner Dichter“ vor. Vorgestellt werden hier fünf portugiesische Lyriker von Luís Vaz de Camões (1524-1580), der mit den „Luisaden“ einen wichtigen Beitrag zur Dichtung während der Renaissancezeit vorlegte, bis zu Mário de Sá-Carneiro (1890-1916), dem Schöpfer eines schmalen aber äußerst wirkmächtigen Ouevres. Dieser frühvollendete, genialisch veranlagte Bohèmien mit seiner tief verwurzelten Todessehnsucht zählt zusammen mit dem großen Namen der portugiesischen modernen Lyrik Fernando Pessoa (1888-1935) zu den Begründern dessen, was wir heute mit der Dichtung ihres Heimatlandes verbinden. Zusammen mit Luís de Montalvor (1891-1947) begründeten sie 1915 die legendäre Zeitschrift „Orpheu“. Diese brachte es zwar nur auf zwei Nummern, wirkte als innovatives und avantgardistisches Leitmedium aber weit in das 20. Jahrhundert.
Pessoa, dessen Werk sich durch eine Vielfalt an Stilen auszeichnet, entwarf für die Veröffentlichung seiner Texte eine Reihe von Heteronymen. Jedes gestaltet mit eigener Biographie, Stilistik und Denkweise. Auch „Das Buch der Unruhe“ erscheint unter Pseudonym. Als Autor ist der Hilfsbuchhalter Bernardo Soares vermerkt. Pessoa legte hier keinen linear erzählten Roman vor, sondern sammelte, wie es der Titel des zentralen Kapitels „Autobiografie ohne Ereignisse“ bereits andeutet Lebenszeugnisse ohne direkten narrativen Zusammenhang. Soares, gewissenhafter Angestellter mit angenehmer Erscheinung, bewertet sich und sein Auftreten. Allerdings scheint er dabei nicht besonders gut wegzukommen. Als „Nichts“, als „Fliege“ bezeichnet er sich, nur um daraus im nächsten Absatz einen Vorzug seiner Persönlichkeit zu sehen. Die fast 500 Fragmente variieren wiederkehrende Introspektionen und Sequenzen von Befindlichkeiten. Handlungsstränge werden durch Umschreibungen und Gedankensplitter ersetzt. Die nicht immer ganz einfache Lektüre gewinnt durch die rhythmisierende Sprache und Wortwiederholungen einen ganz eigenen Flowcharakter.
Blendend zusammengefasst und filmisch übersetzt wurde das „Buch der Unruhe“ durch José F. A. Oliver (*1961) und Johanna Springer im Rahmen des Projektes „Long Story Short“ des Lese-Leichen e.V. Im kurzen bis mittellangen Animationsfilmen werden Werke der Weltliteratur anschaulich gemacht.
In betont minimalistischen Bildern schickt Johanna Springer die Gedanken auf Reisen. Geschickt nimmt sie zentrale Motive des Textes von José F. A. Oliver und wandelt diese in schwarz-graue Sequenzen (Unterstützt von der Signalfarbe eines dunklen Orange.) um. Eine leise und sparsame Symbolik wendet sich der Verlassenheit des Schreibenden zwischen allen seinen eigenen Heteronymen zu.
Der Text José F. A. Olivers macht sich auf die Suche nach den eigentlichen Beweg- und Schreibgründen Pessoas. Einzelne Episoden, gekennzeichnet durch den Auftritt der einzelnen Charakterentwürfe werden befragt. Die Frage ob es Pessoa gibt – diesen einen Menschen gibt wird gestellt und bleibt trotz möglicher Antwort offen. Es bleibt die Suche.
| * Zur Literaturburg: https://www.youtube.com/c/Literaturburg
| * Zur Homepage von José F.A. Oliver: http://oliverjose.com/
| * Zur Homepage von Johanna Springer: https://johannaspringer.de/
Dort ist er gestorben, nichts als ein Kommentar zur Geschichte
Werner Söllner
Besoffen treiben im Rieth, im Brühl
Kopf hoch, Lichter am Hotel
Theater macht Nacht
steht da, macht dich Spiegeln im Glas
in den Gärten stille Gesichter blau
beleuchtet von 6,3 Zoll Persönlichkeit
lasst den Dichter doch laufen
Template mit Ortsnamen
spielt er den Lokalen
zeichnet auf, bezeichnet sich
kippt vor, kippt um, kippte zu Viel
lasst ihn liegen als Spur
lasst ihn liegen
er kannte es nicht anders
Autobahn ist lauter als Laub
es ist Herbst am Belvedere
und du atmest durch und tief
der Eingang mit Stern
am Obelisk sitzt du
Hammer und Sichel stützen den Rücken
herum sind Namen und Steine und Grün
dir liegen bratan und khorosho auf der Zunge
das willst du sagen und lässt es
laut genug sind die Vögel, der Wind
laut genug denkst du an ein Land, dass du nicht kennst











Einmal im Jahr verwandeln sich Sehenswürdigkeiten in Berlin dank Lichtinstallationen und Videomappings für zehn Tage in leuchtende Botschafter. Das Motto „Creating Tomorrow“ warb in diesem Jahr für einen nachhaltigen Lebensstil und den Erhalt der Umwelt.
I.
Zurückgelehnt die Meisten
Eingelullt vom sanften Airbusrauchen
Über dem Meer versucht so mancher
Das Licht zu fangen und scheitert
Der alternde Playboy in Ehren ergraut
Trägt heute den Skalp gut sichtbar
Gebräunt wie Alle
II.
Es war Sonne, es war Urlaub, es war schön
Und nun auf dem Rückflug beginnen unter der Schädelschwarte
Von neuem die alten Geschichten
Aus dem Hinterkopf hervorgekrämert
Drückt es wie immer auf die Schläfen
Dieses Gewicht, am Morgen noch verdrängt, ist wieder da
Die Kopfhaut spannt sich und nur die Schuppen sind noch leicht
Personal Blog
Luxuriating in the Arts - Art Remembers Us
中国大好き
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Comics, Filme, Serien, Musik, Spiele und Infos aus meiner Heimatstadt
„Darum gleicht jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, einem Hausvater, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt.“ (Matthäus 13,52)
la poesía es libertad
Leben berührt - Gedichte und Geschichten
vom Lesen zeitgenössischer Literatur
Literarisches aus der Welt
[Hotspot für prätentiöse Studien]
oder: Alles, was ich meinem Friseur nicht erzählen kann
Andreas Steppans Leseblog
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schreiben als antwort aufs schweigen
Physik und mehr im Alltag und anderswo
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