Derweil in Erfurt:
Buslinie 9 verlässt einmal mehr die Haltestelle Geschwister-Scholl-Straße. Ein Lesender steht im Fahrzeug. Die Fahrkarten werden kontrolliert: „Junger Mann, schämen Sie sich. Schämen Sie sich. Schämen Sie sich. An einem Ort, mit diesem Namen. Schämen Sie sich.“ Der Lesende blickt fragend auf. „Darf ich fragen…?“ „Nein dürfen Sie nicht, schämen Sie sich. Nazibücher in der Öffentlichkeit! Packen Sie das Buch weg oder ich lasse Sie den Rest Ihrer Strecke laufen, dann können Sie über Ihr Handeln nachdenken“ „Das ist Ernst Jünger, er…“ „Ich weiß, ein Nazi. Buch weg. Schämen Sie sich.“ Der ehemals Lesende, jetzt Schreitende, stieg freiwillig aus.
Monat: Januar 2014
Verwicklung – Kürzestdrama
Josef: Allein?
Gretel: Er.
Josef: Zieh!
– Ende –
Inspiration
Wie immer werktags gegen 18.00 Uhr ist der Regionalexpress zwischen Jena und Erfurt gut gefüllt. Fahrradkohorten und eine Dänische Dogge tragen ihr Übriges bei zur Verschärfung der Situation. In Weimar drängelt sich ein junger Mann durch die dichtgeschlossenen Reihen. Er ist schlank, trägt einen 3-Tage-Bart, Skinny Jeans. Insgesamt der Typ Soft-Hipster. Bei einer jungen Frau, die bereits die gesamte Fahrt über mit großer Bangigkeit ihren Rollkoffer fixiert hält, trifft er auf ein besonderes Hindernis. Er hebt seine Tasche an, lehnt den Oberkörper leicht nach vorne, schiebt behände das linke Bein an ihrem Leib vorbei. Was nun folgt, rechnete er nicht ein. Die junge Frau putzt sich die Nase. Dabei kommt es zu einer ruckartigen Lageveränderung ihres Oberkörpers. Vehementer noch ihr Aufschrei ob der ungewollten Nähe fremder Gliedmaßen.
– Sagen Sie, was fällt Ihnen ein?
– Ein Gedicht.
– Wie, ein Gedicht. Wollen Sie mich verarschen?
– Ich ging im Zug so für mich hin/ ihn zu verlassen war mein Sinn/doch ist im Weg die holde Maid/nicht nur ihr Koffer ist sehr breit.
Schneller als sich die Mimik der jungen Frau an das Gehörte anpassen kann, ist der Künstler breits auf der Treppe, steht auf dem sicheren Weimarer Boden. Barocker Vergeltung konnte er so entgehen.
Auslegung
Elias Cupcake: Hey.
Justin Dustin: Hej.
Elias Cupcake: Wie gayts?
Justin Dustin: Geht.
Elias Cupcake: Waschlos?
Justin Dustin: Allein.
Elias Cupcake: Kenn ich. So schlimm?
Justin Dustin: Ja schon.
Elias Cupcake: Sorry.
Justin Dustin: Ja so übel. Wenn meine linke Hand dazu kommt, nenne ich es Orgie.
Elias Cupcake: Hahahahaha.
Photoshop
Conny Krümelcore: Schon wieder ein bearbeitetes Foto?
Arthur Zwiebelthrone: Ja und.
Conny Krümelcore: Lappen. Warum machst das immer?
Arthur Zwiebelthrone: Y not?
Conny Krümelcore: Weil es halt nervt. Zeig dich doch wie du wirklich aussiehst.
Arthur Zwiebelthrone: Hab ich doch.
Conny Krümelcore: Denke das Bild ist gefaket.
Arthur Zwiebelthrone: Ja.
Conny Krümelcore: Waschnu? Ja oder nein.
Arthur Zwiebelthrone: Jo, ich habe das Handy gefaket.
Conny Krümelcore: Das I-Phone? Warum das.
Arthur Zwiebelthrone: Hab gar kein I-Phone. Nur ein Huawei.
Conny Krümelcore: Oh, aso. Da versteh ich den Fake.
Persönlichkeitsveränderung
Eine Veränderung meiner Persönlichkeit wurde angesprochen:
– Du hast dich verändert.
– Habe ich nicht bemerkt.
– Doch, du bist nicht mehr so witzig.
– Ich war witzig?
– Ja, aber jetzt nicht mehr.
– Und was ist anders als früher?
– Du machst gar keine Smileys mehr in deine Nachrichten.
Die Schönheit von Erfurt
Auf dem Weg zum Petersberg, dem klassischen Treffpunkt der Erfurter in der Silvesternacht, unterhalten sich zwei Zugereiste über die Vorteile der Stadt.
– Ich find Erfurt ja schon gut.
– Jo, mir gefällt es auch so.
Er zündet eine Rakete, lässt sie aus seiner Hand starten.
– Ich meine, hier oben guter Blick, so auf die ganze Stadt und Feuerwerk.
– Jo, aber ich mein was ganz anderes. Ist erst später wichtig.
– Was meinst?
– Beim Kotzen dann.
– Was hat die Stadt mit Kotzen zu tun?
– Pass auf…
Er nimmt einen Zug aus der Flasche Goldene Aue Saurer Apfel. Holt mit den Armen weit aus.
-…wenn du in Erfurt kotzt, dann ist das gut.
– Verstehe nicht.
– Jo Bro, weil wenn du hier kotzt, siehst du schöne Häuser dabei.
– Und was ist da jetzt gut dran?
– Das war das Gute.
– Verstehe ich nicht.
– Dann pass auf…
Er nimmt einen Zug aus der Flasche Goldene Aue Saurer Apfel. Holt mit den Armen weit aus und schaut sich um.
-…wenn du hier kotzt, dann kotzt du nicht im Ghetto. Heißt halt, es liegt nicht am Ort.
– Aha, und?
– Du Lappen. Wenn du hier kotzt, ist es halt wirklich, weil du zu bist.
– Ah, verstehe. Hand drauf.
