der Leib unter Wasser
als Flusslandschaft verstanden
zeigt mir die Unsinnigkeit von Karten
statt nach dem Ziel zu suchen
flaniere ich durch Kerben und Senken
Schlagwort: Blog
Stoppeln
Dieses Wandern über Felder
Ähre wem Ähre gebührt
das geht schon Mal
mit den Stoppeln unterm Fuß
wie die Stoppeln im Gesicht
aber so ist das ja kein Feld
kahlgelegt ist nichts zum Greifen
und wolltest du nicht durch Felder
es ist ein Schnitter, der heißt Tod,
hat Gewalt vom höchsten Gott,
heut wetzt er das Messer,
es schneidt schon viel besser
Davor hast du lange gesessen
hinter dem Kaffee als Schild
jede neue Tasse ein Grund zum Verweilen
und dein Sitzen war ja produktiv
geschrieben und gelesen
und dich geteilt in die Medien
da geht die Mahd schon mal vorüber
besonders viral ist es ja nicht
das auf und ab der Drescher
dieses Wandern über Felder
Ähre dem Ähre gebührt
mit den Stoppeln unterm Fuß
wie die Stoppeln im Gesicht
machst dir in der Hocke Kulisse
vielleicht noch irgendwo die Maus
das wäre dann der goldene Schnatz
die Maus im Sucher
und Applaus im Netz
es ist ein Twitter, nennt sich Dot,
hat Gewalt vom höchsten Bot,
heut gibt er den Stresser
das teilt sich dann besser
10 Pix VI – Bad Hersfeld (wieder mit 15 Pix)
Nach längerer Pause geht es heute auch mit der Serie „10 Pix“ weiter. Das Ziel für die sechste Ausgabe war die Festspielstadt Bad Hersfeld. Für viele West- und Südthüringer nach der Wende der erste Kontakt mit einer Stadt in Westdeutschland. Ich habe mir einen kleinen Ausflug mit Stiftsruine und Schmalzbrot gegönnt. Bad Hersfeld ist unspektakulär. Eben das, was man von einer Stadt mit 30.000 Einwohnern und Kuranlagen erwarten kann. Ganz große architektonische Highlights wird man hier nicht finden. Erwähnenswert ist die Ruine des Stiftes, alljährlich Schauplatz des Festspiele. Hier findet sich dann doch eine kleines Highlight: Das 1968 errichtete, wandelbare Dach von Frei Otto (1925-2015), dem Schöpfer der bekannten „Zeltdachkonstruktion“ des Münchner Olympiageländes. Hierdurch war es möglich den Innenhof der Stiftsruine mit einer Überdachung zu versehen, ohne einen direkten Kontakt mit der romanischen Bausubstanz eingehen zu müssen. Die Innenstadt präsentiert sich sympathisch aufgeräumt, mit einer Vielzahl von Fachwerkhäusern. Gerade rund um die Stadtkirche aus dem 14. Jahrhundert findet sich eine dichte mittelalterliche Bebauung. Wie so oft ist es auch hier ratsam, sich nicht durch den Weg vom Bahnhof in das historische Zentrum abschrecken zu lassen. Auch wenn sich hier einige Bausünden versammeln, empfiehlt es sich einfach die Orientierung am Turm der Stadtkirche zu suchen und sich in die reizvolleren Ecken der Stadt führen zu lassen.
Für den Literaten und Sprachwissenschaftler ist sicher das 29-jährige Wirken von Konrad Duden (1829-1911) in der Stadt interessant. In diese Zeit (1876-1905) fällt auch das Erscheinen des „Vollständige[n] Orthographische[n] Wörterbuch[es] der deutschen Sprache“ 1880.
Einen eigenen Ausflug verdient das Museum „wortreich“. Als Mitmachmuseum konzipiert, stellt es Kommunikation, Sprache und Poesie in einer ehemaligen Maschinenfabrik in den Blickpunkt.













Work it III – Ablagerung, Final
Junge, Junge. Das war eine lange Zeit. Heute zeige ich endlich das Ergebnis der erste „Work it“-Reihe mit dem Titel „Ablagerung“:
Ablagern.
weg vom Ufer
zwischen den Zehen
morsches Holz
die Stege von gestern
Schilf gürtet den See
dir schlägt das Herz
die Kälte aus den Gliedern
die Fersen reiben am Grund
die Schwerkraft will es
du nicht
Auf nach Kingania! – Terézia Moras Roman „Alle Tage“, Kurzkritik
Nach einigen eher generischen Titeln brauchte meine Lektüre wieder etwas Schwung. Den habe ich bei Terézia Mora (*1971) gefunden. Das Buch „Alle Tage“ (2004 erschienen) lag bei mir einige Zeit auf dem Stapel „zu lesen“. Möglicherweise war ich etwas durch den Kommentar von Elke Heidenreich auf dem Cover (btb-Ausgabe) abgeschreckt: »Es ist eine Kostbarkeit dieses Buch, es ist ganz etwas Besonderes!«. Gut, Frau Heidenreich hatte schon irgendwie recht. Die Protagonisten des Romans sind durch die Bank weg schräge Figuren mit einem gewissen Hang zum Anarchismus.
Worum geht es eigentlich? Abel Nema, in einer ungenannten Stadt gestrandet, beherrscht zehn Sprachen und verdient sich damit seinen Lebensunterhalt eher schlecht als Recht. Doch unser Sprachengenie hat ein Problem ausgerechnet mit der Sprache. Zwar kann er reden und tut es auch, wenn es die Situation erfordert, aber die meiste Zeit schweigt er. Mal als Beobachter in seinem „Stammlokal“, der »Klapsmühle« – über die noch zu reden sein wird; mal als Ehegatte einer Frau mit einem Faible für besondere Männerfiguren. Nur mit seinem Stiefsohn Omar kann Abel ungehemmt Gespräche führen. So schleppt unser Protagonist immer eine Aura des Unberührbaren mit sich herum. Trotz einer Ehe und ein paar Kontakten bleibt er immer fremd in der Stadt.
Sein überschaubares soziales Umfeld schwankt zwischen einem akademischen Kreis und eher „abseitigen“ Figuren. Da ist Thanos, der Wirt der Klapsmühle, der für Abel so etwas wie ein Ratgeber und vielleicht auch eine Vaterfigur darstellt. In der Klapsmühle verbringt Abel einen großen Teil seiner Freizeit. Hier schweben halbnackte Engel an der Decke und nicht selten verlassen die Gäste das Lokal erst, wenn am Montag nach dem Wochenende der Kehraus gemacht wird. Da ist auf der anderen Seite Kinga, die Kämpferin. Bei ihr strandet Abel auf der Suche nach einer neuen Bleibe, nachdem er die Universität verlassen hat. Für sie ist er »das Kind«. Er lässt sich treiben als Teil von »Kingania«, einem „Salon“ für Trinker, unterhalten durch die Kämpferin und drei Musiker. Vor allem in Kinga, einer Suchenden, einer Ungezügelten, bringt er Roman so viel Lebenslust und Lebensfrust in einer einzigen Figur zusammen, dass sich dem Leser die Frage aufdrängt, was ein einzelner Mensch ertragen kann.
Bevor Terézia Mora in der (noch unvollständigen) Trilogie um den IT Spezialisten Darius Kopp die Abgründe der Psyche ins Visier nimmt, leuchtet „Alle Tage“ den Bereich der Gesellschaft aus, für den sich die Autorin interessiert. Mit einer Abfolge schneller Schnitte und ständigen Wechseln der Erzählperspektive legt der Roman ein sehr dynamisches Erzähltempo vor. Unterstützt durch einen parataktischen Satzbau und die sehr klare, direkte Sprache findet der Leser einen schnellen Zugang zu den Figuren. Durch die intelligente, wie lebensnahe Dialoggestaltung wird das Umfeld unseres Protagonisten mit seinen Problemen nicht nur nachfühlbar, sondern präsentiert sich darüber hinaus als Panorama der gesellschaftlichen Gegenwart. Der Fremde auf der Suche nach Anschluss wird zum zentralen Thema.
„Alle Tage“ überzeugt durch ein gut gezeichnetes Personal mit Ecken und Kanten und eine überaus dichte Atmosphäre. Der Roman will mehr als nur die Probleme seiner Hauptfigur nacherzählen und schafft das auch indem er Fremdheit zulässt und Abel Nema trotz seiner Besonderheiten nie vorführt, sondern ihm Raum gibt sich in der Gesellschaft zu bewähren oder eben zu scheitern.
Halbtrocken.
Dieser Kuss roch lange nach
wir saßen noch beim Restefrühstück
und irgendwer brachte Sekt
prickelnd wie dänisches Eis
hast du gelallt
und wir fielen zurück
in das, was Nacht war
und einer flacher Hauch Verwesung
unterwegs…
Was Neues zu sehen
Wurdest du enttäuscht
Überall die gleichen Gruppen
Fabrik und Kirche und Lidl
Angestrahlt verschiedenfarbig
Das machte wenig her
Bis du das Kalb sahst
Unter der Kuh
Dieses Kalb das trank
Dieses Kalb so echt
War ein Busch
Immerhin
Mal schaun – Schaudort bei Freier Schriftsteller und Drama :O
Manchmal kann auch Facebook inspirierend sein. In meinem Profil findet sich eine interessante Berufsbezeichnung: »Schaudort bei Freier Schriftsteller«. Das war sicher irgendein Bedienungsfehler meinerseits, aber da weder „Freier Schriftsteller“, noch Autor (Sehr viele Menschen heißen im blau-weiß gefärbten Netzwerk sogar auf diese Zuschreibung.) so wirklich passen, finde ich die Position eines Schaudorts sehr ansprechend.
Dazu heute ein Interview mit dem Interviewpartner Rhetorischer Frager.
RF: Was macht so einer eigentlich?
SD: Zuerst einmal natürlich: Sich äußern.
RF:Wie macht er das?
SD: Da er bei Freier Schriftsteller arbeitet muss der Schaudort irgendetwas mit Texproduktion zu tun haben. Er schreibt also.
RF:Wie genau tut er das?
SD: Das ist der interessantere Aspekt. Das Format ist ihm nicht so wichtig. Es setzt sich an diverse Genres. Was er aber nicht kann, sind längere Texte. Da unterscheidet sich unser Schaudort schon einmal von einem Autoren. Ihm fehlt der Atem für umfangreiche Produkte. Viel wichtiger ist aber die Frage wie der implizite Imperativ in der Bezeichnung Schaudort einzulösen ist. (Oh nein, während der Erklärung entschlief der Rhetorische Frager.) […]…also deutet er quasi auf Dinge, die ihn interessieren und von denen er überzeugt ist, sie könnten auch für andere einflussreich sein. Er zeigt auf Dinge und sagt: ‚Schau mal dort.‘.
– Pause: Der rhetorische Frager wird durch eine lokal ansässiges Bestattungsinstitut abtransportiert. –
Die neue Interviewerin wird eingeblendet. Weiter geht es mit Anne Wollte.
AW: Herr Dort, sie erwähnten die Subjektivität Ihrer Eindrücke. Können Sie uns, also den Zulesern und mir, erklären worauf Ihre Erwartung basiert, dass sich Leute für Ihre Texte interessieren könnten?
SD: Nein.
Der Sender bricht das Interview hier ab. In Molsdorf ist ein Igel von der Fahrbahn abgekommen.
Mechanik und Plan. Versagt.
Ich glaube die Mechanik hat versagt. Natürlich hat sie versagt. Musste so kommen. Ich hatte es geplant. Lange geplant. Aber kurz vorher. Ziemlich kurz vorher wurde mir anders. Aber der Plan wurde nicht anders. Die Mechanik musste versagen. Jetzt hängt das so unnatürlich. Könnte sagen, am Faden. An Fasern. Irgendwas Natürlichem noch. So Gewebe. Einem Gewebe, das widerstand. Der Mechanik. Es wurde alles schiefgedrückt. Das war ein guter Anfang. Aber dann hielt es an. Da ging es nicht weiter. Dieses Gewebe, es widerstand. Und so habe ich es angerichtet. Das ist wirklich kein tolles Bild. Der Plan war gut. Aber mir wurde anders. Anders als geplant. Da war irgendwas mit der Mechanik, das falsch war. Irgendwas. Und jetzt dieses schräge, krumme Gehänge. Das will doch keiner sehen. Wegen ein paar Fasern Gewebe. Aber die haben widerstanden, weil mir anders wurde. Die Mechanik ist gut. Die hätte doch funktionieren müssen. Nach meinem Plan. Ich wurde vorher anders und konnte nicht genug geben. Alles schon so schön krumm und kurz bevor es platzt, versagt meine Mechanik. Der schöne Plan. Für die Katz. Natürlich jetzt schon Fasern auf der Straße und kleine Teile davon. Auch Gewebe schon auf dem Asphalt. Noch zusammen, es hängt so unnatürlich. Diese wenigen Fasern. Mein ganzer Plan. Ich wurde zu weich, zu anders. So konnte es nicht gehen. Und die Mechanik versagte und ich. Natürlich sah es nicht mehr aus. Aber was tun. Jetzt ist es so schräg, so gedrückt. Es läuft ja auch was raus. Das sollte es. Es gab nicht nach. Es widerstand. Und der Klumpen da, dieser Klumpen. Mit Fasern und Gewebe und Haaren. Nein, nicht schauen. Das ist nicht schön. Ich drückte nicht gut. Ich war anders als der Plan und die Mechanik. Ich taugte nicht dafür. Zum Drücken natürlich, das geht. Aber da wo es platzt und läuft. Wo es rausläuft und das Gewebe auseinandergeht. Da bleibe ich hängen. Da versagt mir die Mechanik, der gute Plan. Der Widerstand des Gewebes so natürlich. Ich plante so lang und wurde kurz anders. Da war es schon vorbei.
Mal schaun…Vorsätze für 2017
Gute Vorsätze sind grüne Früchte,
die abfallen, ehe sie reif sind.– Johann Nestroy
Ich tönte ja schon im Frühjahr 2016 wild herum. Der Blog wird schöner und vielfältiger. Was ist passiert? Ich hatte einiges ausprobiert, ein paar neue „Formate“ eingeführt und wieder aktiver gepostet. Das ist immerhin die Habenseite. Aber ich habe auch den Rahmen verloren und statt passender Kategorien und Verlinkungen gab es Chaos. Der Frühjahrsputz brachte zwar kosmetische Veränderungen und die Linkliste wurde gesäubert. Die Fehler blieben.
- Also Vorsatz Nummer 1 für 2017: Konsistente Verlinkungen und kohärente Struktur.
Vielen Ideen sind in den Blog geflossen und nach einem Beitrag wieder eingegangen. Die „Formate“ dazu bekamen eigene Menüpunkte und sind nach der ersten fixen Idee nicht mehr weiter gefüllt worden. Ergebnis: Noch mehr durcheinander. Das habe ich zwar schon ausgebügelt, aber:
- Vorsatz Nummer 2 für 2017: Neue Ideen erst dann bringen, wenn sie mehr sind Eintagsfliegen.
2016 war ein gutes Lesejahr. Ich habe viele Autoren entdeckt oder wieder entdeckt. Weniger schön war meine eigene „Produktionsleistung“. Diese fiel eher schmal aus und war dazu von sehr disparater Qualität.
- Vorsatz Nummer 3 für 2017: Schreiben. Schreiben. Schreiben.
Damit verbunden und noch wichtiger für ein ansprechendes Ergebnis:
- Vorsatz Nummer 4 für 2017: Das Geschriebene fertig bearbeiten.
Es liegen Myriaden von Textleichen in Sudelheften und manche haben sicher Potential.
Ein kleines Update zur Seite: Ich habe die Linkliste aus der Sidebar genommen. Links werde ich unter einem eigenen Menüpunkt einfügen. Das wird Stück für Stück passieren. Die anderen Standardseiten werde ich auch aktualisieren und wenn es soweit ist mit neuem Content bestücken.
Jetzt wünsche ich auch ein gutes Jahr 2017.

