du weißt,
behauptete einer,
deine Haut vergisst nie
jetzt möchte ich sie fragen
ob sie sich deines Zutrauens besinnt
das Fehlen von Wind als Antwort
du weißt,
behauptete einer,
deine Haut vergisst nie
jetzt möchte ich sie fragen
ob sie sich deines Zutrauens besinnt
das Fehlen von Wind als Antwort
Blaugrüne Nacht, die stummen Farben glimmen.
Ist er bedroht vom roten Strahl der Speere
Und rohen Panzern? Ziehn hier Satans Heere?
Die gelben Flecke, die im Schatten schwimmen,
Sind Augen wesenloser großer Pferde.
Sein Leib ist nackt und bleich und ohne Wehre.
Ein fades Rosa eitert aus der Erde.
| aus: Lyrik des expressionistischen Jahrzehnts. DTV, 1962.
angemacht das gedicht
essig und öl
verlaufen zwischen den zeilen
stecken kleingewürfelt silbenzwiebeln
halten den geschmack zusammen-
gemengt all das
muss ziehen
bis dir am abend
die wolke aus dem blick kippt
das auge in die leere
schaut das haar in der strophe
Die Zeit der langen Schatten
das Licht macht aus Bäumen
Haare und Strähnen dunkel
liegen sie auf dem Kupfer aus Laub
du fragst dich
ob Morticia Adams hier mit dem Kamm durchkäme
alles so lang und glatt
und dann ist es Nosferatu an den du denkst
wenn der Herbst auf Murnau macht
die Schatten lange Finger sind
Komme ihnen nicht zu nahe
Oder nimmst du dich besser in Acht
vor Peer Gynt
Verfängst sich sonst in seinen Träumen
Kupfer wird Gold in Fingern
und das lange dunkle Haare gehört der Königin
sie fährt mit euch, mit Peer und dir
durch die Wipfel, in das Licht
Schatten werdet lang ruft ihr
und sie schließen euer Reich hinter den Augen
Schläfst du?
am papyrusmuseum in Syrakus
holst du luft tief
wie die sonne steht
hinter dir fassaden
und keine bewegung
denkst du nur rauschen
von blut und meer
in und vor dir
luft ist warm
der morgen schlägt
wellen ans ufer
es fehlen die zeilen
lesbar im bild
Jetzt ist es soweit, da ist sie also,
die Apokalypse, sagst du
mit bebender Stimme
den Blick nach oben gerichtet
siehst du die Anzeige
Linie 4 fährt ein
bringt uns zum Zahnarzt
Die Hoffnung, eine arge Dirne,
Verbuhlte mir den Augenblick,
Bestahl mit frecher Lügenstirne
Mein junges Leben um sein Glück.
Nun ists vorüber; in den Tagen,
Als ihr Betrug ins Herz mir schnitt,
Hab ich das süße Kind erschlagen,
Und mit dem Leben bin ich quitt.
Nicht mehr zum Lustschloß umgelogen,
Scheint mir die Erde, was sie ist:
Ein schwankes Zelt, das wir bezogen –
Tod, habe Dank! – auf kurze Frist.
| aus: Lenau, Nikolaus: Sämtliche Werke und Briefe. Bd. 1. Leipzig und Frankfurt 1970, S. 27.
Wer die tiefste aller Wunden
Hat in Geist und Sinn empfunden
Bittrer Trennung Schmerz;
Wer geliebt was er verlohren,
Lassen muß was er erkohren,
Das geliebte Herz,
Der versteht in Lust die Thränen
Und der Liebe ewig Sehnen
Eins in Zwei zu sein,
Eins im Andern sich zu finden,
Daß der Zweiheit Gränzen schwinden
Und des Daseins Pein.
Wer so ganz in Herz und Sinnen
Konnt‘ ein Wesen liebgewinnen
O! den tröstet’s nicht
Daß für Freuden, die verlohren,
Neue werden neu gebohren:
Jene sind’s doch nicht.
Das geliebte, süße Leben,
Dieses Nehmen und dies Geben,
Wort und Sinn und Blick,
Dieses Suchen und dies Finden,
Dieses Denken und Empfinden
Giebt kein Gott zurück.
| aus: Von Günderrode, Karoline: Gesammelte Werke, Band 2. Berlin 1920–1922, S. 14-15.
koppeln Augenfäden ans Licht
Gespinste
Abzweige im Kopf
hintereinander her trotten
durch die Stunden
auf Füßen gedacht
bestaunt von uns selbst
machen Halt voreinander
rieseln aus Geblicktem
einander vorbei
gekoppelt
an Wörter vergangen
Meine Schwester mein Kind!
Denk dir wie lind
Wär es dorthin zu entweichen!
Liebend nur sehn ·
Liebend vergehn
In Ländern die dir gleichen!
Der Sonnen feucht
Verhülltes geleucht
Die mir so rätselhaft scheinen
Wie selber du bist
Wie dein Auge voll List
Das glitzert mitten im weinen.
Dort wo alles friedlich lacht –
Lust und Heiterkeit und Pracht.
Die Möbel geziert
Durch die Jahre poliert
Ständen in deinem Zimmer
Und Blumen zart
Von seltenster Art
In Ambraduft und Flimmer.
Die decken weit
Die spiegel breit
In Ostens Prunkgemache
Sie redeten dir
Geheimnisvoll hier
Die süße Heimatsprache.
Dort wo alles friedlich lacht –
Lust und Heiterkeit und Pracht.
Sieh im Kanal
Der Schiffe zahl
Mit schweifenden gelüsten!
Sie kämen dir her
Aufs kleinste Begehr
Von noch so entlegenen Küsten.
Der Sonne Glut
Ersterbend ruht
Auf Fluss und Stadt und die ganze
Welt sich umspinnt
Mit Gold und jazint
Entschlummernd in tief-warmem Glanze.
Dort wo alles friedlich lacht –
Lust und Heiterkeit und Pracht.
Charles Baudelaire, als einer der großen Erneuerer der europäischen Lyrik, ist bekannt für seine Portraits der sich verändernden Städtelandschaft seiner gleichfalls geliebten und gehassten Heimat Paris (Vorrangig in den „Tableaux parisiens“.) In seiner 1857 erschienen Sammlung „Les fleurs du mal“ verbindet er die Erfahrung der sich rasant wandelnden Lebensumstände der Industrialisierung mit dem Blick des Romantikers für die Schönheit im Gegenwärtigen.
Das Gedicht „Einladung zur Reise“ ist seiner Geliebten Marie Daubrun gewidmet. Er führt der Schauspielerin in dem Zeilen das Ideal eines fernen Landes frei von den Umwälzungen in der Großstadt vor. Geradezu idyllisch mutet es an, wenn er das „Entweichen“ in die sonnenreiche Landschaft „wo alles friedlich lacht“ aufruft. Aber Baudelaire nicht der Autor der „Fleurs du mal“, wenn er nicht auch hier die Scheinhaftigkeit mittragen würde (Passend zum Titel des Zyklus „Trübsinn und Vergeisterung“).
Henri Duparc (1848-1933) hat das Gedicht – auch hier wieder einer Dame, seiner späteren Ehefrau Ellen Mac Swiney, gewidmet – 1870 als Gesang mit Klavierbegleitung vertont.
| aus: Baudelaire, Charles: Die Blumen des Bösen. Berlin 1901. S. 72-74. Übers. v. George, Stefan.
| Digitalisat unter: https://de.wikisource.org/wiki/Einladung_zur_Reise
| Zu den Liedern des Henri Duparc möchte ich folgenden Link empfehlen: https://kammermusikkammer.blogspot.com/2018/09/henri-duparc-1848-1933-lieder.html
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