Adventskalender Tür14* – AdElbert von Chamisso (1781-1838) – »Das Kind an die erloschene Kerze.«

Du arme, arme Kerze,
    Giebst fürder keinen Schein,
Erloschen ist so schnelle
Dein Licht, das freud’ge, helle,
    O mußt‘ es also sein!
Du arme, arme Kerze,
    Giebst fürder keinen Schein!

’s ist nicht, weil ich nun weilen
    Muß in der Dunkelheit!
O brenntest du nur immer,
Und gäb‘ dein lieber Schimmer
    Nur Andern Freudigkeit!
’s ist nicht, weil ich nun weilen
    Muß in der Dunkelheit!

Du arme, arme Kerze,
    Giebst fürder keinen Schein!
’s ist nicht, weil ich alleine
Im Dunkeln bin und weine,
    Ich bin ja gern allein!
Du arme, arme Kerze,
    Giebst für der keinen Schein!

  • 24 adventlich, weihnachtlich, winterliche Gedichte von 24 Autoren bis Heiligabend.

Adventskalender Tür13* – Christian Morgenstern (1871-1914) – »Die Enten laufen Schlittschuh«

Die Enten laufen Schlittschuh
auf ihrem kleinen Teich.
Wo haben sie denn die Schlittschuh her –
sie sind doch gar nicht reich?

Wo haben sie denn die Schlittschuh her?
Woher? Vom Schlittschuhschmied!
Der hat sie ihnen geschenkt, weißt du,
für ein Entenschnatterlied.

  • 24 winterlich, weihnachtliche Gedichte von 24 Autoren bis zum Heiligabend.

Adventskalender Tür12* – Hans Christian Andersen (1805-1875) – »Das Weihnachtslied«

Als das Christkind war zur Welt gebracht,
Das uns von der Hölle gerettet,
Da lag´s auf der Krippe bei finstrer Nacht,
Auf Stroh und Heu gebettet;
Doch über der Hütte glänzte der Stern,
Und der Ochse küßte den Fuß des Herrn.


Halleluja, Kind Jesus!
Ermanne dich, Seele, die krank und matt,
Vergiß die nagenden Schmerzen.
Ein Kind ward geboren in Davids Stadt
Zum Trost für alle Herzen.
O laßt uns wallen zum Kindlein hin,
Und Kinder werden in Geist und Sinn.
Halleluja, Kind Jesus!

  • 24 kleine winterliche oder weihnachtliche Gedichte von 24 Autoren bis zum 24.12.2021.

Adventskalender Tür11* – Stefan Zweig (1881-1942) – »Winter«

Zu Gott, hoch über dem wandernden Wind
Flehen die Äste mit frierenden Armen:
Erbarmen! Erbarmen!
O sieh, wir waren schon frühlingsbereit,
Nun sind
Wir wieder in weißer Wehmut verschneit,
Und ist doch schon Blühen in unserm Blut.
O schenk uns den warmen
Lenzatem deiner urewigen Glut
Und scheuche den scharfen schneidenden Schnee
Von unseren Blüten. Er tut
Ihnen weh …

  • 24 kurze winterliche oder weihnachtliche Gedichte von 24 Autoren bis zum 24.12.2021.

Adventskalender Tür10* – Georg Trakl (1887-1914) – »Im Winter«

Der Acker leuchtet weiß und kalt.
Der Himmel ist einsam und ungeheuer.
Dohlen kreisen über dem Weiher
Und Jäger steigen nieder vom Wald.

Ein Schweigen in schwarzen Wipfeln wohnt.
Ein Feuerschein huscht aus den Hütten.
Bisweilen schnellt sehr fern ein Schlitten
Und langsam steigt der graue Mond.

Ein Wild verblutet sanft am Rain
Und Raben plätschern in blutigen Gossen.
Das Rohr bebt gelb und aufgeschossen.
Frost, Rauch, ein Schritt im leeren Hain.

  • 24 kurze winterliche oder weihnachtliche Gedichte bis zum 24.12.2021.

Adventskalender Tür9* – Johann Gottfried von Herder (1744-1803) – »An die Bäume im Winter«

Gute Bäume, die ihr die starr entblätterten Arme
Reckt zum Himmel und fleht wieder den Frühling herab!
Ach, ihr müsst noch harren, ihr armen Söhne der Erde,
Manche stürmische Nacht, manchen erstarrenden Tag!
Aber dann kommt wieder die Sonne mit dem grünenden Frühling
Euch; nur kehret auch mir Frühling und Sonne zurück?
Harr geduldig, Herz, und bringt in die Wurzel den Saft dir!
Unvermutet vielleicht treibt ihn das Schicksal empor.

  • Täglich ein kleines winterliches oder weihnachtliches Gedicht bis zum 24.12.2021.

Adventskalender Tür8* – Friedrich Rückert (1788-1866) – »Winter, der du jetzt im Norden«

Winter, der du jetzt im Norden
Frühling lügst, mit Schmeichellüften
Kannst du doch nur Blumen morden.

Ungefroren ist die Erde,
Dass zu meiner Kinder Grüften
Leichter sie erwählet werde.

Blumen in den Staub zu strecken,
Das vermagst du, nicht mit Düften
Blumen aus dem Staub zu wecken.

  • 24 kurze Winter-/Weihnachtsgedichte bis zum 24.12.2021 von 24 Autoren.

Adventskalender Tür7* – Joseph von Eichendorff (1788-1857) – »Der Vögel Abschied«

Ade, ihr Felsenhallen,
Du schönes Waldrevier,
Die falben Blätter fallen,
Wir ziehen weit von hier.

Träumt fort im stillen Grunde!
Die Berg stehn auf der Wacht,
Die Sterne machen Runde
Die lange Winternacht.

Und ob sie all verglommen,
Die Täler und die Höhn –
Lenz muss doch wiederkommen
Und alles auferstehn!

  • 24 kurze Winter-/Weihnachtsgedichte bis zum 24.12.2021.

Adventskalender Tür6* – Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769) – »Ach du lieber Nikolaus…«

Ach du lieber Nikolaus,
komm doch einmal in mein Haus!
Hab so lange an dich gedacht!
Hast mir auch was mitgebracht?

  • Täglich ein kleines winterliches oder weihnachtliches Gedicht bis zum 24.12.2021.

Adventskalender Tür5* – Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) – »In der ChristnachT.«

Welch helle Töne hallen aus der Ferne!

Wie wird′s auf einmal mir so weh, so bang!

Zum Kirchgang laden freundlich alle Sterne

und ruft der Kerzenschein und Orgelklang.

  • Täglich ein kleines winterliches oder weihnachtliches Gedicht bis zum 24.12.2021.