Kaya und Cocker

Am Hauptbahnhof Eisenach werden die letzten Einkäufe vor Weihnachten verräumt. In der Regionalbahn Richtung Halle liest man Zeitung und diskutiert über die Themen der Zeit. »Erst der Jürgens, dann der Cocker, echt traurig.« »Den Jürgens finde ich nicht so schlimm, aber Cocker, das ist hart. Aber er hatte ja Krebs. Vielleicht ja auch gut, da steckste nicht drin.« »Ja, hoffentlich war es nicht so schmerzvoll.« »Die Erika hat ja auch Krebs.« »Welche Erika?« »Die vom Seniorenclub.« »Die? Die war doch immer so gesund« Das Schütteln zweier weißer Köpfe. »Ja, ja, so ist das. Heute noch so und morgen schon so.« »Na ja, wenigstens gibt es auch noch Kinder. Wie das vom Klitschko. Kara oder so.« »Nein, Kaya Klitschko.« »Ja, wa. Was immer für komische Namen.« »Mein Enkel sagt immer Klitschkoskaya, so kann ich mir das auch merken.« Hohes Lachen aus zwei Mündern. Sie schütteln sich. »Der Name heißt ja ›Große Schwester‹, der will noch mal nachlegen«. »Hast du die Frau gesehen? Die Kugel war ja schon so groß, als wollte die platzen. Also kommt da noch was rein, ist schon Platz da.« »Klitschko nacht eben keine halben Sachen.« »Aber gleich wieder? Wäre ich dem seine Frau, der könnte aber was hören.« »Bist du aber nicht. Lass sie doch, wenn noch was vom Mutterkuchen da ist.« Unser nächster Halt ist Mechterstädt. Ausstieg in Fahrtrichtung rechts. »Sind wir schon wieder da.« »Grüß mir die Erika. Ich kann sie ja mal besuchen.« Sie gehen langsam, geben sich die Hand. Jeder trägt seine Ladung allein.

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