Taschen

Er trägt zwei Einkaufstüten gehobener Bekleidungshersteller, sie eine bemerkenswert große Handtasche mit Fellbesatz. Der Name Armtasche wäre maßstäblich richtiger. Kurz vor dem Eingang zum Parkhaus beginnt sie zu kramen. Erst entspannt und nebenbei, dann zusehends genervter und panischer. Er bemerkt es, lässt sie anfänglich in ihrer Tätigkeit gewähren. Dann aber:
– Sag bloß der Autoschlüssel ist wieder in deinem Sack verschollen.
– Das ist kein Sack, das ist eine Tasche. Ich finde ihn halt gerade nicht.
– Wundert mich nicht.
– Sag nur, du verlegst nie etwas.
– Verlegen ist gut. Etwas in einer Tasche verlegen. Ha ha.
Er schüttelt den Kopf, ihrer ist bereits nur noch teilweise zu sehen.
– Brauchst du eine Taschenlampe?
– Kannst du vielleicht mal ruhig sein? Ich hab doch gesagt, du sollst ihn nehmen. Aber der Herr will keine ausgebeulte Hose.
– Wofür trägst du denn das Zelt da mit rum, wenn nichts reinkommt? Dafür habe ich die Tasche doch gekauft.
– Aha. Das hat sich damals aber anders angehört. Ich will dir eine Freude machen, bla bla.
– Ja, ja. Jetzt mach das du den Schlüssel findest. Die Leute gucken schon.
Er beginnt zu lachen.
– Was hast du jetzt schon wieder? Lachst du mich aus?
– Nein.
– Also, was ist?
– Ich denke an Flugzeuge.
– Hä? Und das ist lustig?
– Ja schon. Hast du vielleicht dieses verschwundene Flugzeug auch da drin, MHN 370 oder so? Ist mir klar, dass es keiner findet.
Sie hält den Autoschlüssel endlich in der Hand, geht wortlos weiter. Er grinst noch ein wenig.

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