An der Regengrenze

Weißt du noch, du saßt am Fenster
Den Vorhang nur für das Licht geöffnet
Wenn es donnerte wie Bergriesen
Und der Sturm das Haus fortriss
Bis ans Ende der Welt
Und wie du gerechnet hast
wie lang es dauert heimzulaufen von dort

Und sie saß immer da
Hart an der Regengrenze
Das Spinnrad fest im Griff
Wie es sich drehte im Akkord
Sie saß da und atmete tief

Wie sie dir winkte zu kommen
Nur einen Moment oder zwei
Und wie sie es wieder schaffte
Unentwegt spinnend
Deinen Blick zu bannen auf den Faden
wie sich das Rauschen aus den Ohren zurückzog
Wie sie es wieder schaffte
Das Gewitter zu packen auf die Spule
Als Kratzen der Wolle auf Haut

Strickjacke

Da wächst dir wieder das Steppengras über die Augen
stehend auf den Zehenspitzen wartest du auf einen Einfall
Mongolen, Spinnen, Licht – alles wäre recht

sortierst deine Sammlung von Staubmäusen
und ein bisschen geht der Zeiger voran
zählst die Buchstaben der Werbeprospekte
und ein bisschen geht der Zeiger voran
streichelst dein Handtuch
und ein bisschen geht der Zeiger voran

durch ein Fenster bekommt das Steppengras Bewegung
es muss noch immer Luft geben irgendwo
und dort dann auch Mongolen, Spinnen, Licht
da weißt du
es bleibt dir nur die Strickjacke zu nehmen.