Abgeschaut: Van Hoddis, Jakob (1887-1942) – »Der Träumende«

»Der Träumende«

Blaugrüne Nacht, die stummen Farben glimmen.

Ist er bedroht vom roten Strahl der Speere

Und rohen Panzern? Ziehn hier Satans Heere?

Die gelben Flecke, die im Schatten schwimmen,

Sind Augen wesenloser großer Pferde.

Sein Leib ist nackt und bleich und ohne Wehre.

Ein fades Rosa eitert aus der Erde.

| aus: Lyrik des expressionistischen Jahrzehnts. DTV, 1962.

Adventskalender Tür8* – Friedrich Rückert (1788-1866) – »Winter, der du jetzt im Norden«

Winter, der du jetzt im Norden
Frühling lügst, mit Schmeichellüften
Kannst du doch nur Blumen morden.

Ungefroren ist die Erde,
Dass zu meiner Kinder Grüften
Leichter sie erwählet werde.

Blumen in den Staub zu strecken,
Das vermagst du, nicht mit Düften
Blumen aus dem Staub zu wecken.

  • 24 kurze Winter-/Weihnachtsgedichte bis zum 24.12.2021 von 24 Autoren.

Reingeschaut I: Artenschutz

„Die Erde ist aller Wesen Erhalterin, sowohl der Menschen, der sie bebaut, als des Hamsters, der sie durchwühlt.“

Aus: Sulzer, Friedrich Gabriel: Versuch einer Naturgeschichte des Hamsters. Göttingen/Gotha 1774.