Schreie auf dem Anger

Warten auf die Straßenbahn. Ein Kleinkind schreit in seinem Wagen. Die Mutter, in Burka gehüllt, versucht es  zu beruhigen. Ohne Erfolg. Plötzlich kippt die Stimmung, das Kind jubelt laut. Vor dem Wagen saß eine Taube, die beinahe vom Wagen überrollt wurde. Die Mutter macht sich die Wirkung zunutze. Da die Taube ihren Schritt beschleunigt, muss die Frau den Wagen schneller schieben. Nach einiger Zeit rennt sie über den Platz und jagt immer neue Tiere. Das Kind bezeugt lauthals sein Vergnügen.

Kinder

Da draußen stehen drei Kinder. Sie spielen „Einkaufspieper“. Ein Kind berührt die beiden anderen an der Stirn und piept. Die stellen sich immer wieder auf dem „Gepäckband“ an.

Gegen Abend

Auf dem Balkon zwei echte Mannsbilder. Kurzes Haupthaar im HP Baxxter Style, Muskelshirts, karierte Shorts. Verzweifelt versuchen sie den Grill anzubekommen, geben auf und stoßen mit Ehringsdorfer auf irgendeinen gelungenen Spruch an. Nr. 1 zu seinem Kollegen: „Pass auf, gleich wird die Alte wieder patzig.“ Er freut sich schon jetzt sichtlich über die Reaktion und ruft in die Küche: „Sag mal Schatz, wie war das mit den Eseln und dem Frauenfußball?“ Kurzangebunden die Antwort durch die Tür: „Wenn die Esel den Grill nicht an bekommen, dann lenken sie mit Sprüchen über Frauenfußball ab!“ Nr. 2 stimmt ein wieherndes Lachen an: „Iiiiaaa, iiiiaaa.“

Elfen?

„Ich bin Jean Claude van Ramme.“  Die Großmutter legt einen Tetra Pak Eistee zurück ins Regal. „Wer bist du?“ „Jean Claude van Ramme!“ „So etwas erlauben dir deine Eltern zu schauen? Diesen Actionkram. Explosionen und Schießen und Blut?“ Der Junge steht neben der alten Frau und schüttelt die strohblonden Haare: „Aber Jean Claude van Ramme ist doch die Elfe mit dem großen Zauberstab!“ Die Großmutter starrt die Goldbären im Wagen an: „Liegt das am Zucker?“

Pfand

Die Norma-Tüte ist gut gefüllt. Ein guter Tag wohl. Vor dem Automaten eine kleine Schlange. Eine Mutter in langem Mantel: „Schau nicht auf die Frau. Die ist arm.“ Ihre Tochter versteht nicht. „Was arm? Warum arm?“ Ein strenger Blick beendet das Gespräch, bis die Frau sagt: „Ich weiß es auch nicht. Eben noch so und dann.“ Sie schaut auf die Tüte. Das Mädchen nickt. Die Mutter zieht noch immer am Kind.

SchauDort

Die kleinen Blicke des Alltags. Mal neben, mal über, mal unter einem Betrachter. Nebensätze, Passanten, Querulanten. Lasst uns reden über uns! Wenige Worte. Viele Menschen. Lasst uns schauen, was dort ist.