28.4. – Jena – IN GUTER NACHBARSCHAFT #12 – mit Marcus Roloff und Tim Helbig

Quelle: 28.4. – Jena – IN GUTER NACHBARSCHAFT #12 – mit Marcus Roloff und Tim Helbig

Die Nachbarschaft kehrt heim. Auf in den Kunstverein Jena (Am Markt 16). Aber die Nachbarschaft kommt nie mit leeren Händen. Für euch liest Marcus Roloff aus Frankfurt. Er greift dabei in die Schnittstellen zwischen den Genres und beschäftigt sich nicht nur mit Sprachbildern. Der Jenaer Klangkünstler Tim Helbig wird den Abend nicht umrahmen. Er bringt sich mit Soundcollagen und elektroakustischen Kompositionen in den Dialog ein.

Eingebettet wird der Abend in die Länge Nacht der Museen. Wenn ihr hierfür ein Ticket habt, geht es sogar kostenfrei rein. Sonst beträgt der Wege Zoll schmale 3 Euro.

Mechanik und Plan. Versagt.

Ich glaube die Mechanik hat versagt. Natürlich hat sie versagt. Musste so kommen. Ich hatte es geplant. Lange geplant. Aber kurz vorher. Ziemlich kurz vorher wurde mir anders. Aber der Plan wurde nicht anders. Die Mechanik musste versagen. Jetzt hängt das so unnatürlich. Könnte sagen, am Faden. An Fasern. Irgendwas Natürlichem noch. So Gewebe. Einem Gewebe, das widerstand. Der Mechanik. Es wurde alles schiefgedrückt. Das war ein guter Anfang. Aber dann hielt es an. Da ging es nicht weiter. Dieses Gewebe, es widerstand. Und so habe ich es angerichtet. Das ist wirklich kein tolles Bild. Der Plan war gut. Aber mir wurde anders. Anders als geplant. Da war irgendwas mit der Mechanik, das falsch war. Irgendwas. Und jetzt dieses schräge, krumme Gehänge. Das will doch keiner sehen. Wegen ein paar Fasern Gewebe. Aber die haben widerstanden, weil mir anders wurde. Die Mechanik ist gut. Die hätte doch funktionieren müssen. Nach meinem Plan. Ich wurde vorher anders und konnte nicht genug geben. Alles schon so schön krumm und kurz bevor es platzt, versagt meine Mechanik. Der schöne Plan. Für die Katz. Natürlich jetzt schon Fasern auf der Straße und kleine Teile davon. Auch Gewebe schon auf dem Asphalt. Noch zusammen, es hängt so unnatürlich. Diese wenigen Fasern. Mein ganzer Plan. Ich wurde zu weich, zu anders. So konnte es nicht gehen. Und die Mechanik versagte und ich. Natürlich sah es nicht mehr aus. Aber was tun. Jetzt ist es so schräg, so gedrückt. Es läuft ja auch was raus. Das sollte es. Es gab nicht nach. Es widerstand. Und der Klumpen da, dieser Klumpen. Mit Fasern und Gewebe und Haaren. Nein, nicht schauen. Das ist nicht schön. Ich drückte nicht gut. Ich war anders als der Plan und die Mechanik. Ich taugte nicht dafür. Zum Drücken natürlich, das geht. Aber da wo es platzt und läuft. Wo es rausläuft und das Gewebe auseinandergeht. Da bleibe ich hängen. Da versagt mir die Mechanik, der gute Plan. Der Widerstand des Gewebes so natürlich. Ich plante so lang und wurde kurz anders. Da war es schon vorbei.

Anpfiff

​Die Geschäftsmänner strömen zum Anstoß in die Bahnhofsbar. Bier trifft auf Weißweinschorle. Leipzig sagt einer ist wie Campari. Bitter aber kalt. Gläser werden gehoben. Jawoll, sagt einer. Ein anderer protestiert, aber ich mag doch Campari. Dann wird geschwiegen. Berlin auch hier. Nochmal die Gläser. Anpfiff.

Vorm Anadolu

Mädchen  was  stehst  du

Nervös im  Rauch

Vorm Anadolu

Gemeinsam  mit  den Tomaten

Lokaler Anbau,  recht  günstig.

Was  zitterst du in  Richtung der Zwei

Die  fährt  in  die  falsche  Dichtung

Aber  damit hast du  nichts  zu  tun

Ich  brauche  dich  hier

Vorm Anadolu

Mit  dem Skelettkopf auf dem Shirt

Und  deinem Zittern

So  ruhelos

Wärmst  du  dich  an  deiner Kippe

Dass  auch der Dönermann  um  dich  besorgt

In  den  Zeilen  erscheint

Vorm Anadolu

Herrschen Kälte  und Poesie

Und  beide  greifen  nach  dir.

Strukturrast

Strukturrrast
Strukturrrast

Der Wind durchzieht
Epidermis und erzählt

Verkröpfungen in der Kruste
und Horn so leicht
er trägt es ab

jetzt trudelt es gen Staub
da bleibt es

In guter Nachbarschaft – Summer Edition –

Save the Date »Lyrik in der Nachbarschaft«, The summer edition am 09.07.2016, Glashaus im Paradies, Jena. 16:30 ist der Startschuss.

Die Nachbarschaft macht Halt im Paradies. Der Sommer bringt die Lyrik mit.

Mit Lyrik/Texten von:
> Björn Kuhligk
> Kinga Tóth
> Anja Kampmann
> Christoph Wenzel
> den Preisträgern des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen
und den Mutigen am Offenen Mikrofon.

Music von DJ Lutz Hartmann

Eintritt 3/5 Euro.

Für jeden Freiwilligen stehen 8 Minuten am Mikrofon zur Verfügung. Wer sich Ruhm erwerben möchte melde sich unter:

| inguternachbarschaft@gmx.de

Weitere Infos findet Ihr hier:

| https://inguternachbarschaft.com/2016/04/25/in-guter-nachbarschaft-summer-edition-in-jena/

Wir sehen uns in Jena.

Aufruf: „Lest!2016“ – Lesende Gesucht

Liebe Leute,

Heute habe ich ein wichtiges Anliegen. Wenn Ihr Autoren seid oder Autoren kennt, die am 14.05.2016 im Weimar ein Zeichen gegen Rechts setzen wollen, dann bitte bis spätestens 06.05.2016 unter der folgenden E-Mail Adresse melden:

weimar-gegen-rechts@web.de

Die Veranstalter sind das gegen Rechtsextremismus Weimar, das Deutsches Nationaltheater Weimar und die Kulturdirektion Weimar.

Folgend die Ausschreibung:

Das Weimarer Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus, das Deutsche Nationaltheater Weimar sowie die Stadtkulturdirektion laden die Bürger der Stadt Weimar dazu ein, im Gedenken an die Bücherverbrennung im Jahr 1938 aus literarischen Werken verfolgter Autorinnen und Autoren und jener, deren Bücher auf den Scheiterhaufen der Nationalsozialisten landeten, öffentlich einen Text von etwa vier bis sechs Minuten Länge vorzutragen.

Wählen Sie einen Auszug aus den Werken von: Bertolt Brecht, Richard Dehmel, Dietzenschmidt, Ernst Jünger, Hans Fallada, Lion Feuchtwanger, Heinrich Mann, Egon Erwin Kisch, Klabund, Karl Kraus, Else Lasker-Schüler, Rosa Luxemburg, Erich Maria Remarque, Ludwig Renn, Anna Seghers, Ernst Toller, Georg Trakl, Kurt Tucholsky, Friedrich Wolf, Arnold Zweig, Victor Auburtin, Gottfried Benn, Alfred Döblin, Claire Goll, Eduard von Keyserling, Robert Michel, Joseph Roth, Franz Kafka, Georg Trakl, Franz Werfel …

Termin // Samstag, 14.5.2016, 13–15.30 Uhr, Weimar, Theaterplatz, am Goethe-und-Schiller-Denkmal

Weitere Informationen unter

-> Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus Weimar

Web: http://www.bgr-weimar.de
Facebook: http://www.facebook.com/pages/Bürgerbündnis-gegen-Rechtsextremismus-Weimar/116569865028281
Twitter: @bgr_weimar

Frühjahrsputz

HALLO IHR TOLLEN MENSCHEN,

Wer häufiger auf diesem Blog unterwegs ist, hat ja bereits gesehen, dass sich das Layout ein wenig verändert hat. Aber auch inhaltlich gibt es Neues.

In der Rubrik 10Pix gebe ich mit jeweils 10 Bildern einen kleinen Blick auf einen Ort. Unsere Ümgebung ist viel zu Schade, um sie unkommentiert zu durchwandern. Durchgelesen und durchgeklickt präsentieren neue Bücher, Lesungen, Beiträge von Freunden und anderen talentierten Menschen.

Aber eigentlich wollte ich ja putzen. Die Menüs werden angepasst, die Seiten zu Blog und Autor aktualisiert und, ganz wichtig, die Links werden gecheckt und neu sortiert.

Bis bald, schaut rein, schaut dort.

Der Murakami-Vorleser – Ryo Takeda im Interview, Reblog von Muromez

Ich durfte Ryo im Dezember auf dem Zugmarkt in Erfurt kennenlernen. Ein überaus entspannter Typ, der seine Kunst kennt und liebt. Zwischen Rap und Literatur – irgendwo immer am Wort, am Text. Es ist spannend zu hören, wie sich die Stimme zum Einsatz in verschiedenen Sprechformen – und Situationen ändert. Aber es bleibt immer Ryo – alles wirkt entspannter ohne an Nachdruck zu verlieren. Ein entspannter Typ, der seine Sprache zu nutzen weiß. Danke an Muromez für dieses Interview.

Muromez

Sänger und Sprecher, Ryo Takeda, ist mit Kurzgeschichten von Haruki Murakami quer durch die Republik gezogen und hat diese vorgetragen. Wie das so war und was diese bei ihm auslösen, davon erzählt der Halb-Japaner in diesem Interview. Außerdem geht es unter anderem um weitere Arbeiten als Sprecher, um Stimmbildung und bevorzugte Literatur.

Ryo Takeda 1

Als wir zum letzten Mal im Jahr 2007 in Kontakt standen, hast du noch gemeinsam mit dem Produzenten Algorhythmiker als Rap-Duo Ryoma Musik gemacht. Danach bist du sogar für Thüringen beim Bundesvision Song Contest angetreten. Aber interessanter für mich ist, dass du deine überaus angenehme Stimme auch als Sprecher für Lesungen einsetzt. Wie ist es dazu gekommen?

Seit über 15 Jahren beschäftige ich mich jetzt mit meiner Stimme. Angefangen durch Rap, später auch Gesang. 2006 habe ich ein paar Semester Sprechkunst an der Musikhochschule in Stuttgart studiert. Im Hauptfach rezitiert man dort Lyrik und Prosa. In…

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Lesen auf »1000Zeichen.de«

Die lieben Kollegen von 1000Zeichen.de haben meine Prosaskizze »Lesen« veröffentlicht. Die Gelegenheit möchte ich nutzen um euch das Projekt ein wenig näher vorzustellen.

Was ist 1000 Zeichen.de?

Ein Literaturblog. Jeden Tag gibt es einen neuen Text, der genau 1000 Zeichen lang ist. Andere thematische und formale Einschränkungen gibt es nicht.

Jeden Tag exakt 1000 Zeichen. Das ist die einzige Regel.

Wer kann mitmachen?

Im Grunde jeder. Sendet euren Text einfach an 1000zeichen@gmx.de. Die Redaktion sucht sich die Besten heraus und wird sie auf dem Blog präsentieren. Sucht euch ein Thema und schreibt los. Nur eine Regel: Genau 1000 Zeichen Umfang darf der Text haben (inkl. Überschrift und Leerzeichen).

Wer ist dabei?

Neben der Redaktion Lena Steeg, Sebastian Dalkowski, Kim Frank, Nilz Bokelberg, Clara Ott, Tobias Jochheim, Katrin Theiner, Carolin Hafen gehören Gastautoren fest zum Projekt. Das ist euer Platz. Als Gastautoren haben bereits Markus Ertle, Stefan Petermann, Matthias Roth und Atze Schröder Beiträge geliefert.

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Lesen

Nach meinem Tod hatte ich endlich wieder Zeit. Bolano, Johnson, Dostojewski. Es war ein kleiner Preis. Ein Umzug. Ein fingierter Unfall. Ja, ich weiß, der Abbruch aller Beziehungen. Aber ich gewann die Literatur zurück. Keine Anforderungen am frühen Morgen. Keine Zwitschereien, Daumenorgien oder Selfies. Ich konnte mich zurücklehnen, die Recherche lesen, ohne Angst, etwas Unnützes zu tun. Welch Wohltat.

Ich stand auf und wusste: Der Tag war da. Auf Arbeit ging ohnehin alles vor die Hunde. Meine Beziehung bestand aus gegenseitigen Mitleidsverweigerungen. Ein Stück jagte ich den Wagen aus der Stadt heraus. Es tat gut, ihn noch mal gnadenlos in den Begrenzer zu jagen. Ich parkte den Wagen am Wald und verteilte mit einer Menge mitgebrachter Schuhe verschiedene Fußspuren. Mit einem Schnitt in die Hand konnte ich etwas Blut mit ins Spiel bringen. Ich hinterließ ein Buch von John Irving. Ein bestelltes Taxi stand an einem ausgemachten Treffpunkt bereit. Macht euch keine Sorgen, ich lese noch.