Sommerpause

Ahoi.

Schaudort geht in die Sommerpause. Es ist Zeit ein wenig Ideen zu sammeln und Texte schick zu machen. Ab dem 15.07.2017. geht es dann wieder los.

Bedrohung

wieder sitzen sie
auf dem Erker nebenan
in Formation zu Zwein
Gu-Ru
sitzen in sich ändernder Zahl
sitzen

eine Taube – was ist das schon
ein ganzes Dach voll
und du bist verstört

was wollen sie so nah
was wollen sie bei dir
du verstehst sie nicht
Gu-Ru
das ist ein Reden
du hörst es
Gu-Ru
verstehst es nicht

was planen sie
planen sie deinen Tod
was soll ihr Blick
Gu-Ru
dieser gleichgültige Blick

Gu-Ru
bleib in Deckung
Gu-Ru vor dem Fenster
Gu-Ru die Furcht
Gu-Ru in der Nacht
beobachten dich die roten Augen

Das Profilbild ist von www. brieftaubenfoto.de entnommen.

Wanderlust

der Leib unter Wasser
als Flusslandschaft verstanden
zeigt mir die Unsinnigkeit von Karten
statt nach dem Ziel zu suchen
flaniere ich durch Kerben und Senken

Stoppeln

Dieses Wandern über Felder
Ähre wem Ähre gebührt
das geht schon Mal
mit den Stoppeln unterm Fuß
wie die Stoppeln im Gesicht
aber so ist das ja kein Feld
kahlgelegt ist nichts zum Greifen
und wolltest du nicht durch Felder

es ist ein Schnitter, der heißt Tod,
hat Gewalt vom höchsten Gott,
heut wetzt er das Messer,
es schneidt schon viel besser

Davor hast du lange gesessen
hinter dem Kaffee als Schild
jede neue Tasse ein Grund zum Verweilen
und dein Sitzen war ja produktiv
geschrieben und gelesen
und dich geteilt in die Medien
da geht die Mahd schon mal vorüber
besonders viral ist es ja nicht
das auf und ab der Drescher

dieses Wandern über Felder
Ähre dem Ähre gebührt
mit den Stoppeln unterm Fuß
wie die Stoppeln im Gesicht
machst dir in der Hocke Kulisse
vielleicht noch irgendwo die Maus
das wäre dann der goldene Schnatz
die Maus im Sucher
und Applaus im Netz

es ist ein Twitter, nennt sich Dot,
hat Gewalt vom höchsten Bot,
heut gibt er den Stresser
das teilt sich dann besser

28.4. – Jena – IN GUTER NACHBARSCHAFT #12 – mit Marcus Roloff und Tim Helbig

Quelle: 28.4. – Jena – IN GUTER NACHBARSCHAFT #12 – mit Marcus Roloff und Tim Helbig

Die Nachbarschaft kehrt heim. Auf in den Kunstverein Jena (Am Markt 16). Aber die Nachbarschaft kommt nie mit leeren Händen. Für euch liest Marcus Roloff aus Frankfurt. Er greift dabei in die Schnittstellen zwischen den Genres und beschäftigt sich nicht nur mit Sprachbildern. Der Jenaer Klangkünstler Tim Helbig wird den Abend nicht umrahmen. Er bringt sich mit Soundcollagen und elektroakustischen Kompositionen in den Dialog ein.

Eingebettet wird der Abend in die Länge Nacht der Museen. Wenn ihr hierfür ein Ticket habt, geht es sogar kostenfrei rein. Sonst beträgt der Wege Zoll schmale 3 Euro.

Work it III – Ablagerung, Final

Junge, Junge. Das war eine lange Zeit. Heute zeige ich endlich das Ergebnis der erste „Work it“-Reihe mit dem Titel „Ablagerung“:

Ablagern.

weg vom Ufer
zwischen den Zehen
morsches Holz
die Stege von gestern
Schilf gürtet den See

dir schlägt das Herz
die Kälte aus den Gliedern
die Fersen reiben am Grund
die Schwerkraft will es
du nicht

Zelebriere die Kunst

Der Schmalzbrotessens in Bad Hersfeld. Wähle eine Einrichtung nicht zu fein und nicht zu reudig . Verlange die Karte. Nimm dir einen Moment um das Angebot zu prüfen. Gibt es kein Schmalzbrot, verlasse gestikulierend den Laden. Kommt das Schmalzbrot ohne Gurke, verlasse gestikulierend den Laden. Wirkt die Kellnerschaft ob deiner Wahl enttäuscht, verlasse gestikulierend den Laden und schimpfe lautstark vor dem Fenster weiter. Bestelle deine Speise mit dem Tonfall des Kenners, fest und freudig. Wähle dazu ein Getränk. Wenn dein Schmalzbrot auf einem Teller aus Porzellan herangetragen wird, verlasse gestikulierend den Laden, verfalle kurz ins Vulgäre und beende deinen Reigen mit dem Wort „Schande“. Wird dein Schmalzbrot artgerecht auf einem Holzbrett serviert, empfange es mit offener Miene und einem anerkennenden Kopfnicken. 

Nun schaue dich im Raume um. Entdeckst du einem weiteren verständigen Menschen, entbiete ihm den Schmalzbrotessergruß, wie von der Bruderschaft überliefert. Wenn du den obligatorischen Präschmalzprozess beendet hast, ist es an der Zeit die Werkzeuge zu prüfen. Dies sind gemeinhin drei Utensilien: Ein übliches Küchenmesser und die zugehörige Gabel. Wenn das gewählte Lokal etwas auf sich hält, wird darüber hinaus eine Dessertgabel bereitgestellt, mit welcher du elegant deine Gurkenscheiben auf dem Schmalz platzieren kannst. Darin unterscheidet sich der Kenner vom Schmalzdilletanten. Jetzt beschaue  dir kurz das Mahl. Eine anständige Portion Schmalzbrot besteht aus mindestens fünf, in der Regel sechs kleinen Scheiben frischem, im Idealfall selbstgebackenen Krustenbrot mit einer reichlichen Schmalzdecke. Die Gurkenbeilage sollte bereits vorbereitet sein für die weiteren Verrichtungen. Lobe den Gastronom, wenn er die Gürkchen längs angeschnitten serviert. Für dich ist dies die Vorlage zu einem gekonnten Kavaliersschnitt. Dies ist ein vorsichtiger, aber bestimmter Ruck durch das Gurkengewebe.

 Hast du das schmackhafte Topping derart präpariert, empfiehlt sich ein neuerlicher Blick durch den Gastraum. Sei dir des Publikums gewiss. Der Schmalzbrotesser ist der Dolph Lundgren unter den Gourmets. Robust und unterschätzt, aber jederzeit zu einem herzlichen Lächeln bereit. Nur teilen wird er nie. Beim Schmalz ist es bekanntlich mit der Freundschaft vorbei. Nun kommt es zur zeremoniellen Vereinigung. Hier ist dein Augenmerk gefordert. Platziere das säuerliche Aromahäubchen dergestalt, dass es sich im Mund mit dem Schmalz vereinigt ohne ihn zu übertreffen. Nimmt das ordinäre Aroma der Gurke den Schwerpunkt deiner Gaumenlust ein, so bitte ich dich meiner Seite zu verlassen und kein weiteres Mal den Zugriff zu wagen. 

Gleich ist es soweit. Der Moment der höchsten Sinneslust ist gekommen. Jedoch merke: Der Veteran am Schmalz kennt die Geduld. Ihm ist eine übermenschlich zu nennende Lust am Verzicht zu eigen. Ostentativ sucht er den Blickkontakt der Ahnungslosen. Sachte lächelnd bemitleidet er sie, wie sie versuchen ihrem schweren Mahl so etwas wie Genuss abzugewinnen, obschon der Geschmack unter einer Hundertschaft möglichst fremder, möglichst  raffiniert wirkender Gewürze so kurzlebig, wie uneindeutig bleibt. Dabei ist das Gute so einfach. 

Und nun dein Auftritt. Synchronisiere den Weg des Brot des zum Gaumen mit dem Öffnungswinkel deiner Lippen. Es wirkt nichts dümmlicher, als wenn nach sorgfältiger Vorbereitung deine Lust mit einem aufgerissenen Maule sich zu einer Grimasse der geilen Begierde verkehrt oder du traumsäumig zu einer gewaltsamen Öffnunksaktion deiner Lippen gezwungen bist, um dir das Brot nicht an den Kopf zu stoßen. Der erste Biss. Du hast es fast geschafft. Wie bei der menschlichen Fortpflanzung übernimmt bei einem gesunden Exemplar der Spezies Mensch nun der natürliche Instinkt. Nicht umsonst lobte schon Aristoteles die Trias aus Sprache, Schmalz und Säulengängen. Und auch Nietzsche wusste: „Gehst du zum Schmalz, vergiss die Gurke nicht.“ Ein vernüftiger Mann, dieser Nietzsche.

Dir lieber Schmalznovize wünsche ich den Genuss deines Lebens. Halte dich an meine einfachen Weisungen und man wird dich erkennen als Mann von Welt, wo auch immer du bist.  Gurke und Schmalz, Gott erhalt’s.

Lass es

uns doch noch versuchen
neue Staffel, Reboot
abgebrochene Zähne und
offene Nerven

ich glaube das macht empfindsam
wir leiden zusammen bei Suppe und Brot
da heulen wir uns an
bei der Wurzel gepackt
hat noch ein Jeder gezuckt
wird schlagen den Tisch mit den Schädeln entzwei
und machen den Zahnarzt zum Scheidungshelfer

nur das Küssen hin und wieder
lenkt ab vom rohen Schmerz
mit dem Zungenbein
den Schritt nach vorn
den Schritt zu uns

und dieser verschissene Schmerz
wenn man voneinander geht
die eigene Zunge allein im Mund

Halbtrocken.

Dieser Kuss roch lange nach
wir saßen noch beim Restefrühstück
und irgendwer brachte Sekt
prickelnd wie dänisches Eis
hast du gelallt
und wir fielen zurück
in das, was Nacht war
und einer flacher Hauch Verwesung

unterwegs…

Was Neues zu sehen
Wurdest du enttäuscht
Überall die gleichen Gruppen
Fabrik und Kirche und Lidl
Angestrahlt verschiedenfarbig
Das machte wenig her
Bis du das Kalb sahst
Unter der Kuh
Dieses Kalb das trank
Dieses Kalb so echt
War ein Busch
Immerhin